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Ali Asghar Khochfar und Brigitte Götz rollen die Teppiche in der Hochstraße ein. Zum Ende des Jahres schließt der Laden.

Innenstadt

Innenstadt: Teppichdienstleister Khochfar in der Hochstraße schließt

Seit 50 Jahren verkauft, repariert und begutachtet Ali Asghar Khochfar Orientteppiche. Aber Ende des Jahres ist Schluss. Aus Alters- und Gesundheitsgründen wird er seinen Laden in der Hochstraße schließen.

Ein Leben, wie im Bilderbuch. Seit 1959 lebt der Perser Ali Asghar Khochfar in Frankfurt. Seine Spezialität sind Orientteppiche. Seit 50 Jahren verkauft, repariert und begutachtet er in der Hochstraße edle Teppiche. Aber Ende des Jahres ist Schluss.

Sein Laden ist 55 Quadratmeter groß. An den Wänden hängen handgeknüpfte, dicke Teppiche mit orientalischen Mustern. Dazwischen sitzt Ali Asghar Khochfar in blauem Kittel, lächelt und zeigt wortlos seinen Personalausweis mit dem Geburtsdatum 7. September 1934.

„Irgendwann ist Schluss“, sagt er. Ein Grund sei sein Alter, ein weiterer die Gesundheit seiner Frau. „Müsste ich mich nicht um sie kümmern, würde ich einfach weitermachen“, sagt der 86-Jährige gelassen.

Neben ihm sitzt Brigitte Götz (81), die seit 40 Jahren als Perle bei ihm arbeitet. „Sie ist meine rechte Hand. Ohne sie wäre ich aufgeschmissen gewesen“, erklärt Khochfar, der 1959 aus Teheran nach Frankfurt kam, seit 1960 ein Gewerbe und seit 1970 den Laden in der Hochstraße hat.

Der Teppichknüpfer-Meister hatte zwischendurch drei Geschäfte in der Hochstraße. Eins als Lager, eins als Werkstatt, eins als Handel. „Mein Meistertitel aus Teheran ist in Deutschland zwar nicht anerkannt, weil es den Beruf hier nicht als Handwerksberuf gibt, aber das hat mich nie wirklich gestört.“ Als Sachverständiger, Gutachter, Händler, Reparateur und Teppichreiniger hat er sich einen Namen gemacht, der ihn durch ganz Deutschland geführt hat.

„Große Versicherungen haben mich regelmäßig irgendwo hingeschickt, um zu beurteilen, ob wertvolle Teppiche repariert werden können oder nicht. Als Schadensregulierer.“

Khochfar wurde von Versicherungen in die feinsten Villen Deutschlands geschickt. „Dabei gab es auch ganz schöne Schlawiner“, erinnert er sich. Einer hatte bei einer Versicherung angegeben, dass er einen edlen Teppich mit Pflanzenfarben habe. Vor Ort stellte der sich als reine Industrieware heraus.

Andere versuchten, morsche Teppiche als Versicherungsschaden zu melden. Sie erzählten von Mäusefraß oder einem Brandschaden. „Mancher Mäusefraß entstand in Wahrheit durch Blumentöpfe, die übergossen waren“, sagt Khochfar. Fotos von vermeintlichem Brand-Totalschaden stellten sich als Minibrandflecken raus, die er hätte reparieren konnte. Statt einem Vermögen für den Totalschaden von der Versicherung zu bekommen, hätten sie dann einen von ihm perfekt reparierten Teppich erhalten, schildert er mit Stolz in der Stimme.

Der größte Auftrag, den der fröhliche Mann je hatte, war die Reparatur eines maßgeschneiderten Teppichs für eine Eingangshalle im Saarland. Der Teppich in der alten Villa war 70 Quadratmeter groß und etwa 60 Jahre alt. Auch er hatte einen Wasserschaden und war an einer Stelle morsch und brüchig, erinnert er sich. Die Stelle sei etwa ein Meter lang und 80 Zentimeter breit gewesen. „Die Hausherrin war schockiert, als ich sagte, man könne den Teppich reparieren. Gutachter aus München und Hamburg hatten das ausgeschlossen.“ Khochfar hat sechs Monate gebraucht, ihn wieder wie neu aussehen zu lassen. „Von dem Lohn konnte ich mir einen neuen Daimler kaufen“, verrät er.

Teppichknüpfen hat Khochfar mit zehn Jahren gelernt. Seit 100 Jahren gehört seine Familie in Teheran zu berühmten Fachleuten. Zu Hause hat auch er Teppiche. „Schuster tragen schlechte Schuhe, Teppichhändler haben nicht die wertvollen Teppiche zu Hause“, sagt er. Einen Lieblingsteppich hat er nicht. „Ich hatte viele schöne Stücke in der Hand. Das ist wie auf einer Blumenwiese. Da gibt es auch keine Lieblingsblume.“

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