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Michael Matheyka, der Wirt von der Weinstube im Römer, ist sauer auf die Stadt Frankfurt.
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Michael Matheyka, der Wirt von der Weinstube im Römer, ist sauer auf die Stadt Frankfurt.

Altstadt

Weinstube im Römer schließt

Nach 45 Jahren verlässt die Pächterfamilie Matheyka die Weinstube am Römerberg 19. Die Stadt hat den Vertrag neu ausgeschrieben. Ein Nachfolger ist bereits gefunden.

Früher konnte man bei der Stadt miteinander reden“, regt sich Michael Matheyka auf. „Aber selbst über den Wechsel wurden wir nicht informiert.“ Vor 45 Jahren waren seine Eltern die Wirte, eröffneten als Mieter die Weinstube am Römerberg 19. 1998 haben Michael Matheyka und seine Frau Sonja das Lokal im Römer samt Stammgästen, deftiger Küche und dem Ausschank der Weine vom Weingut der Stadt Frankfurt übernommen. Die meisten Gäste sind waschechte Frankfurterinnen und Frankfurter, die seit Jahrzehnten den Matheykas, der Grünen Soße, dem Handkäs und den Rippchen auf der Terrasse oder unter 150 Jahre alten Odenwälder Fachwerkbalken im Lokal treu sind.

Im vergangenen September wollte das Ehepaar eine Köchin als Teilhaberin mit ins Boot nehmen, die bereits während der Jahrtausendwende bei ihnen gearbeitet hatte. „So wäre langfristig ein sicherer Übergang gelungen“, sagt der 62-Jährige. „Meine Frau und ich hätten uns in ein paar Jahren etwas zurückgezogen und die Weinstube wäre in gewohnter Qualität weitergelaufen. Dafür wollten wir einen Zehn-Jahres-Vertrag, weil wir ja auch kräftig investieren müssen.“

Von der Stadt sei er aber stets vertröstet worden, erzählt der Wirt. Bislang sei der Vertrag stillschweigend jeden Mai immer um ein Jahr verlängert worden, was es für Matheyka unmöglich gemacht hätte, die Köchin als Teilhaberin mit hineinzunehmen. „Die braucht ja auch Sicherheit“, sagt er. Dann habe die Stadt ihm mitgeteilt, dass es ohne Kündigung zu keinem neuen Vertrag kommen könne. Vom Amt für Bau und Immobilien habe es telefonisch mehrmals geheißen, „dass die Stadt die alten Verträge auf jeden Fall loswerden“ wolle.

Also kündigte Matheyka im Mai und erfuhr dabei eher zufällig, dass er an einer neuen Ausschreibung teilnehmen könne. „Ich fühle mich komplett verarscht“, sagt er. „Ich kündige in der harten Coronakrise, um einen Teilhaber für fünf bis zehn Jahre zu gewinnen. Und jetzt soll ich bei einer Ausschreibung mitmachen, die ewig dauert und dann sicher alle Umbaukosten für ein neues altes Konzept bezahlen. Das kann es doch nicht sein.“ Schweren Herzens habe er daraufhin beschlossen, am 26. September zu gehen.

Günter Murr, Sprecher von Jan Schneider, der noch das Amt für Bau und Immobilien leitet, dass es „für den Römerkeller bereits einen neuen Gastronomen nach einem Auswahlverfahren gibt. Im Moment laufen die Detail-Verhandlungen. Auch das Steinerne Haus wird wieder verpachtet. Es muss aber saniert werden. Ein Ingenieurbüro macht derzeit die Planung.“

Zur Weinstube sagt er, dass ein neuer Teilhaber ähnlich zu behandeln sei wie ein Pächterwechsel. Dann könne irgendwann der Partner übernehmen, andere Bewerber hätten keine Chance. „Das ist quasi ein Pächterwechsel durch die Hintertür. Es müssen neue Konditionen her, der aktuelle Marktwert muss greifen.“ Matheyka will Ende September die Weinstube räumen und die private Einrichtung an Kollegen spenden, die Flutopfer in Rheinland-Pfalz geworden sind. „Das haben wir schon organisiert“.

Im November muss die Weinstube besenrein an die Stadt übergeben werden. Das Ehepaar geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Lachend, weil uns unverständlicher Stress mit der Stadt erspart bleibt. Weinend, weil es unser Lebenswerk ist.“

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