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Isabella Sztulman führt das Stern-Kaffee weiter. An der Wand: ihr Großvater und Stern-Gründer Hermann Wissmüller.

Innenstadt

Stern-Café im neuen Gewand

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Isabella Sztulman führt das neue Tachelesz. Die Enkelin des Stern-Firmengründers hat das Konzept behutsam an moderne Zeiten angepasst.

Vor einer rosafarbenen Wand hängt das Schwarz-Weiß-Foto eines älteren Mannes, der zwischen Kaffeesäcken posiert. Hermann Wissmüllers Porträt hat einen Platz gefunden im ersten Stock des modernisierten „Stern Kaffee“ am Paulsplatz, das nun Tachelesz heißt. Die Aufnahme ihres Großvaters hat Geschäftsführerin Isabella Sztulman selbst gemacht, vor etwa acht Jahren, da war Wissmüller 92.

„Er war Vorbild und Inspiration für mich“, erzählt sie. Und eine starke Person. Ihr Großvater gründete die Stern Kaffeerösterei Wissmüller 1948 in Bockenheim. „Ich bin mit Kaffee aufgewachsen, genauso wie meine drei Geschwister und meine Mutter“, sagt Sztulman. Ihre Mutter röstet auch heute noch in der Leipziger Straße.

Natürlich wird auch im Tachelesz Stern-Kaffee ausgeschenkt. „Gibt es den noch?“, das ist oft die erste Fragen, der Stammkunden, die in den Laden kommen, erzählt die junge Geschäftsführerin. Eine kleine Auswahl an Bohnen lässt sich dort auch kaufen. Doch sonst ist vieles neu. Vor fünf Jahren hat Sztulman das Geschäft übernommen, und Anfang des Jahres einer Frischekur unterzogen. Das Mobiliar aus dunklem Holz und die Teppiche sind geblieben, und vermitteln Wohnzimmeratmosphäre, „die passen hier rein“, findet sie.

Die Küche wurde renoviert und die Theke umgebaut. Die Wände bekamen einen neuen Anstrich in einem Grün- und Beerenton. Kleine Vasen mit frischen Blumen schmücken die Tische. Auf der großen Terrasse vor der Paulskirche, wo Platz für 90 Gäste ist, gibt es neue Stühle und bunte Tischdecken. Es sollte ein wenig frischer werden, sagt Sztulman. Bereits jetzt käme eine gemischtere Zielgruppe als vorher.

Frischer Blumenschmuck.

Trotzdem sollte das Café gemütlich bleiben und nicht abgehoben wirken, das war Sztulman wichtig. „Wir haben uns mehr auf die Gastronomie konzentriert.“ Auf der kleinen Karte steht es jetzt auch Frühstück, Mittagstisch und Salate. Grüne Soße und Kartoffelsalat genauso wie Couscous, Curry und Linsen-Taboulé. „Wir arbeiten viel mit Gewürzen aus der ganzen Welt.“ Darüber hinaus gibt es auch Kuchen und Gebäck.

Das Angebot ist rein vegetarisch, aber das soll nicht im Fokus stehen, sagt die Frankfurterin, die selbst seit ihrem fünften Lebensjahr fleischlos lebt. Viele Gäste merkten erst später, dass kein Fleisch auf der Karte stehe, erzählt sie. Künftig will sie auch weitere Hauptspeisen und eine wöchentlich wechselnde Mittagskarte anbieten. Für Sonntags plant sie ein Brunch-Buffet.

Neben den Stammgästen kommen auch viele Touristen auf dem Weg Richtung Altstadt, Römer und Main oder Innenstadt vorbei. Für die hat Sztulman ihre Speisen abfotografiert, die Bilder sollen beim Beschreiben helfen, denn viele könnten sich unter „Green Sauce“ nichts vorstellen.

Und woher kommt der Name Tachelesz? „Das Wort passt auf unser Konzept, unsere Karte ist unverblümt und auf den Punkt gebracht“, sagt Sztulman. So sei auch das Team, authentisch und ehrlich. Und der Twist am Ende spiele natürlich auf ihren Nachnamen an.

Als die Möglichkeit kam, das Café zu übernehmen, arbeitete Sztulman, die BWL und Management studierte, gerade seit einem Jahr im Projektmanagement eines Marketing-Unternehmens. Der vorherige Pächter, der ebenfalls Stern-Kaffee verkaufte, wollte die Fläche nicht weiter betreiben. Ihre Mutter informierte sie sofort. „Das war eine tolle Chance.“ Und ein weiterer Grund nach Frankfurt zurückzukommen. „Eigentlich genau das, was ich mir gewünscht habe.“

Natürlich sei der Job nicht immer einfach, räumt sie ein, leichter wäre es wahrscheinlich in einem Hotel zu arbeiten. So ist sie oft sieben Tage die Woche im Tachelesz. Aber dann denkt sie an ihren Großvater. Den würde es sicher stolz machen, dass es wieder den Stern-Kaffee in der Innenstadt gibt.

Tachelesz Café, Neue Kräme 12, ist Montag bis Freitag von 9.30 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag von 10 bis 19.30 geöffnet, Telefon 92 02 05 15.

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