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Fakten über Obdachlosigkeit auf einem Großplakat in der U-Bahn-Station Hauptwache.

Obdachlosigkeit

Obdachlose in Frankfurt: Große Not trotz milder Nächte

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Die Winteraktion der Stadt Frankfurt für obdachlose Menschen ist trotz des milden Winters gut ausgelastet. 

Trotz der vergleichsweise milden Temperaturen ist die Winteraktion der Stadt Frankfurt für obdachlose Menschen genauso ausgelastet wie in den vergangenen Jahren. Die Nacht auf vergangenen Donnerstag hätten 127 Menschen in der Notübernachtung am Eschenheimer Tor verbracht, sagte Manuela Skotnik, Sprecherin des Sozialdezernats, der Frankfurter Rundschau. Weitere 47 Menschen hätten die zusätzlichen Notbetten im Caritas-Tagestreff in der Bärenstraße und im Diakoniezentrum Weser 5 genutzt. Insgesamt habe der Kältebus des stadtnahen Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten in jeder Nacht 242 Obdachlose in der Stadt gezählt.

Christine Heinrichs vom Frankfurter Verein sagte der FR, es gebe derzeit zwar weder Eis noch Schnee, trotzdem sei es „ordentlich kalt“. Das feuchte Wetter sei belastend für obdachlose Menschen, auch wenn es bisher kaum Frostnächte gegeben habe. Der Betrieb in der Notübernachtung am Eschenheimer Tor laufe derzeit problemlos, so Heinrichs. In der Spitze hätten 145 Menschen dort übernachtet, im Jahr zuvor seien es bis zu 180 gewesen.

Obdachlose in Frankfurt: Volle Notübernachtung

Bisher habe man Gäste mit 42 unterschiedlichen Nationalitäten gehabt, sage Heinrichs. Es habe noch keine größeren Auseinandersetzungen oder Streit gegeben. „Die Menschen sind einfach sehr dankbar, dass sie da die Möglichkeit haben, so unkompliziert übernachten zu können.“

Die neue Notübernachtung in der B-Ebene der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor war im November 2018 geöffnet worden. Zuvor war die Einrichtung fast 20 Jahre an der Hauptwache untergebracht. Obdachlose Menschen können dort zwischen 22 und 6 Uhr auf Isomatten auf dem Fußboden schlafen, Sozialarbeiter und Securitymitarbeiter betreuen sie.

Obdachlose in Frankfurt: Pfandflaschen für ein wenig Geld

Da der Frankfurter Verein in diesem Winter erstmals sogenannte Nutzerausweise an die Schlafgäste ausgibt und dabei ihre Daten abfragt, erfährt der Verein erstmals mehr über die Menschen, die das Angebot nutzen. Laut Heinrichs haben seit dem 1. November mehr als 779 unterschiedliche Menschen in der Notübernachtung geschlafen, jede Nacht käme eine Handvoll neuer Nutzer dazu. „Wir sind überrascht über die hohe Zahl der unterschiedlichen Personen“, sagte Heinrichs. Es bestätige sich der Eindruck, dass Frankfurt auch unter Obdachlosen eine „Pendlerstadt“ sei. Die Notübernachtung werde von vielen Menschen genutzt, die auf der Suche nach Arbeit in die Stadt kämen, etwa aus Polen, Rumänien und Bulgarien.

Unterdessen hat eine Gruppe von 16 Studierenden der Sozialen Arbeit an der privaten IUBH Internationale Hochschule für eine kleine Studie Nutzer des Franziskustreffs nach ihrer Lebenswirklichkeit befragt. Der Treff im Schärfengäßchen bietet obdachlosen Menschen jeden Tag für 50 Cent ein reichhaltiges Frühstück an, das Angebot wird auch von Wohnungslosen, Rentnern und armen Menschen genutzt.

Den Ergebnissen zufolge sind die Befragten zwischen 29 und 74 Jahre alt, 19 Prozent von ihnen sind über 65. 78 Prozent der Nutzer sind alleinstehend, 61 Prozent haben keinen Kontakt zu ihren Kindern und 30 Prozent auch nicht zu anderen Verwandten. Ein Fünftel der Befragten sammelt Pfandflaschen, um ein wenig Geld zu verdienen. Noch bis Ende März sind die Ergebnisse der Studie auf einem Großplakat in der D-Ebene der U-Bahn-Station Hauptwache zu sehen.

Zur Sache: Obdachlosigkeit

In Frankfurtleben aktuell rund 3200 Menschen, die keine eigene Wohnung haben und damit als Wohnungslose gelten. Die meisten von ihnen sind in Heimen oder städtischen Notunterkünften untergebracht. Dazu kommen 4500 Flüchtlinge, die ebenfalls von der Stadt mit Wohnraum versorgt werden. 

Etwa 400 Menschenleben als Obdachlose in Frankfurt buchstäblich auf der Straße. Die meisten halten sich im Innenstadtbereich auf, viele leben aber auch dauerhaft im Flughafengebäude. Ihre exakte Zahl ist unbekannt. Im Winter gibt es für sie zusätzliche Notschlafplätze etwa in der B-Ebene am Eschenheimer Tor, im „Weser 5“ in der Gutleutstraße oder im Caritas-Tagestreff in der Bärenstraße. 

Der Kältebusdes Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten fährt im Winter jede Nacht durch die Stadt, verteilt Tee und Schlafsäcke und bringt obdachlose Menschen auf Wunsch in eine Notunterkunft. Wer einen hilflosen Obdachlosen bei großer Kälte draußen schlafen sieht, kann das Team des Busses alarmieren: 069 / 43 14 14.

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