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Auf dem Rathenauplatz gab es Gegendemonstrationen verschiedener Bündnisse.

Rechte Kundgebung

Michael Stürzenberger in Frankfurt: Redner mit Empörungsgarantie

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Pegida-Aktivist und „Pax Europa“-Mitglied Michael Stürzenberger gastiert mit seinem rechten Kreuzzugsflohzirkus in der Frankfurter Innenstadt.

Mit der Logik ist das so eine Sache. „Jeder Indianer ist stolz auf sein Volk“, schimpft ein Zaungast, der wohl eher dem Lager der „Patrioten“ zuzuordnen ist. Denn der Indianer lasse sich seinen Stolz nicht verbieten. Im Gegensatz zum Deutschen. Und darum sei der Deutsche auch zum Aussterben verdammt, während der Indianer … Dem Mann fällt selbst auf, dass er Unsinn redet, er wechselt schnell das Thema: „Also, ich kenne jede Menge Mohammedaner, klasse Leute …“ - aber viele Mohammedaner seien halt nicht von hier.

Auch nicht von hier ist der Mann, dessentwegen er, eine Handvoll Mit-„Patrioten“, gut drei Dutzend Gegendemonstranten und wohl mehr als eine Hundertschaft Polizisten am Samstag um 11 Uhr zum Rathenauplatz gekommen sind. Michael Stürzenberger hat südländischen Migrationshintergrund. Er war aktenkundiges Mitglied der sogenannten Christlich-Sozialen Union (CSU), in deren Reihen er sich Anfang des Jahrtausends als Pressesprecher der Münchner Ortsgruppe unter der Strauß-Tochter Monika Hohlmeier blitzradikalisierte und vermutlich auch an Wahlkampfhandlungen teilnahm.

Michael Stürzenberger ist Pegida-Aktivist

2011 verließ er die Union, war Vorsitzende der mittlerweile wieder aufgelösten Kleinstpartei „Die Freiheit“ und ist heute als Mitglied der „Bürgerbewegung Pax Europa“, Autor des Wutbürgerportals „Politically Incorrect“, Pegida-Aktivist und Wanderprediger wider den Islam unterwegs. Laut Wikipedia wurde er „mehrfach verurteilt, unter anderem wegen Beleidigung, Verhetzung und Herabwürdigung religiöser Lehren, Volksverhetzung und Kennzeichenmissbrauchs“. Laut seiner Politfreundin Vera Lengsfeld ist das aber ein „Wikipedia-Fake“.

Für sich und seine Anhänger ist Stürzenberger Schild und Speer der Christenheit. Für seine Gegner ist er eine traurige Gestalt. Sein Kampf trägt durchaus quichotteske Züge: Am Tag zuvor etwa hat Stürzenberger auf dem Aliceplatz gegen die Islamisierung Offenbachs angeredet. In Frankfurt sieht das schon abendländischer aus: Unter die Gegendemonstranten hat sich zumindest zu Beginn nur eine als solche erkennbare Muslima gesellt.

Gegendemonstranten bei Michael Stürzenbergers Auftritt in Frankfurt

Stürzenbergers Auftritte verlaufen immer nach dem gleichen Muster. Er versucht, den Menschen mit der Eloquenz eines verdienten Staubsaugervertreters klarzumachen, dass der Teufel den Koran gemacht habe, um uns zu verderben. Die stets vor Ort rekrutierten Gegendemonstranten brüllen „Nazi, Nazi!“ und blasen in Trillerpfeifen. Die zumeist mitgereisten Claqueure brüllen mit hochrotem Kopf, dass hierzulande Meinungsfreiheit herrschen müsse. Stürzenberger bittet die anwesenden Polizisten, die Personalien der „Nazi“-Brüller aufzunehmen, weil er Anzeige zu erstatten gedenke. Dann schreibt Stürzenberger in „Politically Incorrect“, er sei mal wieder in der Fußgängerzone als „Nazi“ niedergebrüllt worden und die „linksgrünversiffte“ Justiz unternehme rein gar nichts.

So läuft es auch in Frankfurt. Gegen Mittag sind aus den drei Dutzend Gegendemonstranten dann doch mehr als hundert geworden. Alles, was sich dadurch geändert hat, ist die Lautstärke. Stürzenbergers Standardantwort für seine Gegner ist: selber Nazi. Dann folgt der Verweis, dass er schließlich 2012 mit der einstigen Sophie-Scholl-Freundin Susanne Hirzel die „Weiße Rose“ wiedergegründet habe, um den „islamischen Faschismus“ zu bekämpfen.

Ein paar Meter weiter am Goetheplatz nennt ein Redner der „Verfolgten des Naziregimes“ diese Behauptung so falsch wie unappetitlich: „Sophie Scholl hätte mit Ihnen nichts zu tun haben wollen!“ Stürzenberger hört ihn nicht. Es ist zu laut.

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