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Die Eier, die die Drittklässler malen, werden später mindestens 50 Mal auf der großen Bühne des Schauspiel Frankfurt zu sehen sein.

Kinder in Frankfurt

Malen für den kleinen dicken Ritter

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Zwei Schulklassen begleiten die Proben am Schauspiel Frankfurt für das neue Kinderstück "Der kleine dicke Ritter". Für Regisseur Fabian Gerhardt ist es wichtig, bei einem Familienstück auch Kinder einzubeziehen.

Als Sohn eines Hörspielregisseurs und einer Schauspiellehrerin ist Fabian Gerhardt wohl genau der richtige Regisseur für das neue Familienstück am Schauspiel Frankfurt. Denn Robert Bolt schrieb das Stück „Der kleine dicke Ritter“ im Jahr 1963 ursprünglich als Hörspiel für die BBC. Auf der Frankfurter Bühne wird daraus nun ein Schauspiel für Kinder ab sechs Jahren.

Gerhardt, der mit dem Familienstück sein erstes Werk für Kinder inszeniert, hat sich dafür viel einfallen lassen: Neben viel Action auf der Bühne gibt es Musik, Videoinstallationen und Puppenspiele. Für die Frankfurter Aufführungen wurde extra eine neue Übersetzung angefertigt. „Die ursprüngliche war 50 Jahre alt und einfach nicht mehr zeitgemäß“, sagt Theaterpädagoge Philipp Boos.

„Mir war klar, dass ich bei einem Kinderstück auch Kinder ins Stück reinholen, sie partizipieren lassen wollte“, sagt der Regisseur. Und so herrscht einen Monat vor der Premiere viel Trubel auf der Probebühne des Schauspiels im Frankfurter Ostend. Das Bühnenbild steht bereits als Holzkonstruktion, an der Wand hängen Bilder zur Visualisierung der Kostüme. Stimmengewirr füllt den Raum, als eine dritte Klasse der Ackermannschule aus dem Gallus zu Gast ist. Ihr Auftrag: 277 Eier bemalen. „Naja, wenn es nicht ganz 277 Eier werden, ist es nicht schlimm, viele eben“, sagt Gerhardt.

Was mit den Eiern passiert? „Da war irgendwas mit einem Dorf und einem Haus“, sagt einer der Schüler. Das Mädchen, das neben ihm sitzt, weiß da schon mehr: „In dem Theaterstück gibt es einen Eierverkäufer, aber ein anderer macht seine Eier immer kaputt.“

Noch genauer kann das der Theaterpädagoge Philipp Boos erklären: „Der Eierverkäufer hat eine Strafe zu zahlen. Weil der Korporal der Stadtwache es auf das Grundstück abgesehen hat, zerschlägt er immer wieder die Eier. Der Eierverkäufer kann deshalb seiner Strafe nicht nachkommen, und die Strafe erhöht sich jede Woche. Der kleine, dicke Ritter Sir Oblong-Fitz-Oblong ertappt den Korporal beim nächsten Mal aber auf frischer Tat.“

Zu viert verkünsteln sich gerade vier Mädchen an einem großen Ei, malen filigrane Zick-Zack-Linien, Kreise und andere Muster mit dem Pinsel. Mit Farbe, Stiften und Federn verzieren die Kinder Styroporeier bei fetziger Musik und warmen Scheinwerferlicht. „Eigentlich mag ich Malen nicht gerne“, sagt ein anderer Schüler, „aber hier macht es irgendwie Spaß.“

Ermattet sitzt er auf einem Stuhl und beißt in sein Pausenbrot. Vier Eier hat er schon angemalt– und auch ein bisschen seine Hände. „Macht nichts, die geh ich gleich waschen.“ Ein paar Eier mehr sollen es noch werden, wenn es nach ihm geht. Er versucht sich zu merken, welche er angemalt hat, schließlich sind die dann ab November mindestens 50 Mal auf der großen Bühne des Schauspiels zu sehen. Bleibt zu hoffen, dass der böse Korporal nicht eines seiner Kunstwerke erwischt.

Nicht nur die Eier werden auf der Bühne zu sehen sein, sondern auch die Kinder selbst. Denn der Videodesigner Vincent Stefan hat sie beim Malen und Werkeln gefilmt. Per Videoeinspielung sehen die Zuschauer, wie die Drittklässler kleine, große, bunte, einfarbige, getupfte, gestreifte Eier gestalten.

„Und was ist mit den Bildern, die wir schon vorher gemalt haben“, fragt ein Mädchen. Noch bevor die Proben begonnen haben, zeichneten die Kinder alle möglichen Tiere: Giraffen, Spinnen, Fische. Auch diese Zeichnungen werden Teil eines Videos, das die Schiffsreise des kleinen dicken Ritters zur Insel Bolligru zeigt.

Und die Kinder haben viele weitere Fragen an die Theatermacher: Ist der kleine dicke Ritter wirklich so dick? „Nein, das ist ein unechter Bauch“, antwortet prompt eine Mitschülerin. Kämpfen der Ritter und der Korporal mit echten Schwertern? Verletzen die sich dann nicht? Dass sich Christoph Pütthoff als Ritter Oblong von Oblong und André Meyer als Korporal tatsächlich nicht wehtun, können die Kinder selbst erleben, als sie vorab eine Szene bei der Probe erleben.

„Dass wir so eng mit einer Klasse für ein Stück zusammenarbeiten, ist selten“, sagt Theaterpädagoge Boos. „Das geht zwar auf Kosten der ohnehin schon immer knappen Probezeit“, ergänzt Regisseur Gerhardt, „doch ich finde es wichtig, dass wir uns bei einem Kinderstück auch tatsächlich für Kinder öffnen.“ Und so bleiben die bunten Abdrücke einer kleinen Kinderhand an einer schwarz gestrichenen Türe im Probenraum zurück. Als Andenken quasi.

Keine Farbe, sondern viel Videomaterial hinterlässt eine weitere Schulklasse für das Stück: Die Fünftklässler der Hostatoschule Höchst kommen nächsten Tag auf die Probebühne. Ihr Auftrag: marschieren. Beim Empfang des Herzogs werden sie als glückliche Untertanen in Szene gesetzt. „Wie im Sozialismus“, sagt Gerhardt. Bald schon werden die Schüler dann in den Zuschauerrängen des Schauspiel sitzen und sich selbst auf der Bühne marschieren sehen.

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