Antisemitismus

Frankfurt: Ein Hakenkreuz auf der Toilette

  • Hanning Voigts
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Im Restaurant „Zeil Kitchen“ wurde eine antisemitische Schmierei hinterlassen. Betreiber Nir Rosenfeld will Anzeige erstatten, sich seine Liebe zu Frankfurt aber nicht nehmen lassen.

Nir Rosenfeld sagt, er habe Frankfurt vom ersten Tag an gemocht. „Ich fühle mich sehr, sehr wohl hier“, sagt der Gastronom, der vor 16 Jahren der Liebe wegen aus Israel an den Main gekommen ist. Und daran werde sich für ihn auch nichts ändern. Er stehe nur noch ein bisschen unter Schock, sagt der 49-Jährige. „Das ist das erste Mal, dass ich so etwas sehe.“

Am vergangenen Sonntag hat eine Mitarbeiterin in Rosenfelds komplett veganem Restaurant „Zeil Kitchen“ mitten auf der Zeil eine antisemitische Schmiererei entdeckt. Ein Unbekannter hat dort ein Hakenkreuz und den Zahlencode 88 hinterlassen. In der rechtsextremen Szene steht die 8 für den achten Buchstaben des Alphabets, die Zahl 88 bedeutet also HH, „Heil Hitler“.

Und damit nicht genug: Neben das Hakenkreuz wurde auch noch ein durchgestrichener Davidstern an die Wand gekritzelt. Noch ist nicht klar, ob die judenfeindliche Schmiererei am Sonntag oder schon am Samstagabend angebracht wurde.

Er sei in Bezug auf den Antisemitismus nicht naiv, sagt Rosenfeld. „Ich wusste immer, dass es solche Idioten gibt. Dass die da sind, war mir immer klar.“ Aber dass eine solche antisemitische Zeichnung in einem seiner beiden Restaurants auftauche, sei trotzdem schockierend für ihn. „Das ist mein Laden, das ist wie mein Zuhause“, sagt Rosenfeld, der auch noch das Restaurant „Kuli Alma“ im Dornbusch betreibt. Der Täter habe bestimmt ganz genau gewusst, dass er seine Schmiererei in einem Restaurant hinterließ, dessen Betreiber Jude ist, sagt Rosenfeld.

Der Gastronom hat die Schmiererei übrigens nicht mit eigenen Augen gesehen. Seine Mitarbeiterin hat nur ein Foto gemacht und die Kritzelei sofort mit frischer Farbe übermalt. Weil es öfter mal harmlose Schmierereien an den Wänden gebe, werde das in seinen Restaurants immer so gemacht, sagt Rosenfeld. Alle seine Mitarbeiter wüssten, dass ihm das wichtig sei. Im Nachhinein sei das in diesem speziellen Fall etwas ärgerlich, weil die Ermittler die Schmiererei jetzt nicht mehr untersuchen könnten.

Denn die Frankfurter Kriminalpolizei hat bereits Ermittlungen wegen der antisemitischen Kritzelei aufgenommen. Man ermittele schon seit Dienstag wegen des Verdachts auf Sachbeschädigung und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, sagte ein Polizeisprecher der Frankfurter Rundschau. Möglicherweise komme auch der Straftatbestand der Volksverhetzung in Betracht. Da im „Zeil Kitchen“ auch Videokameras hängen, hofft Rosenfeld, dass die Ermittler die Täter irgendwie finden können.

Seine Liebe zu Frankfurt und zur Gastronomie will Rosenfeld sich in jedem Fall nicht kaputtmachen lassen. Er erlebe seit Tagen sehr viel Zuspruch und bekomme eine ganze Flut aufmunternder E-Mails und Facebook-Nachrichten, sagt der Gastronom. Wegen der großen Unterstützung fühle er sich in Frankfurt nach diesem Vorfall sogar noch besser aufgehoben als zuvor. „Jetzt fühle ich mich eigentlich noch wohler hier.“

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