Vor dem Laden haben die Aktivisten große Pappkartons mit Informationen aufgebaut.

Textilbranche

Frankfurt: Gewerkschafts-Protest auf der Zeil

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Gewerkschafter aus Deutschland, Indien und Sri Lanka protestieren gemeinsam vor einem Textilgeschäft auf der Zeil. Sie fordern bessere Arbeitsbedingungen von Frankfurt bis Neu-Delhi.

Kaum haben die ersten Gespräche begonnen, tritt auch schon die Staatsmacht auf den Plan. Mehrere Polizisten betreten die Filiale der Kleiderkette „Zara“ unweit der Konstablerwache, wo einige Menschen gegen 11.45 Uhr begonnen haben, Kunden auf die Arbeitsbedingungen in den Fabriken anzusprechen, in denen für „Zara“ produziert wird. „Die Geschäftsleitung duldet Sie nicht“, sagt einer der Beamten zu einem Aktivisten, der in dem Geschäft gefilmt hat. „Bitte verlassen Sie das Gebäude. Ansonsten begehen Sie Hausfriedensbruch.“

Eine ungewöhnliche Kundgebung spielt sich am Montagmittag auf der Zeil ab. Mitglieder und Anhänger des Gewerkschafts-Netzwerkes „TIE Global“ protestieren vor und in der „Zara“-Filiale für bessere Arbeitsbedingungen im deutschen Einzelhandel und in Ländern wie Indien, Bangladesch oder Sri Lanka, in denen Kleider für den europäischen Markt genäht werden. Vor dem Geschäft werden Reden gehalten und Flyer verteilt, im Geschäft werden Kunden angesprochen. Zumindest, bis die Polizei das unterbindet.

Es gehe darum, sich zu solidarisieren und aufzuzeigen, dass die Arbeiter in den Produktionsländern und in Europa eigentlich dieselben Probleme hätten, sagt Michael Fütterer von TIE Global. Es gehe um Stress, monotone Arbeit, schlechte Bezahlung, prekäre Beschäftigung. Und da gerade Kollegen unter anderem aus Indien, Sri Lanka, Südafrika und Mozambique für eine Konferenz in Frankfurt seien, habe man beschlossen, beispielhaft mal bei „Zara“ aufzutauchen. Dass hier sofort die Polizei alarmiert werde, sei „total unsouverän“, findet Fütterer.

Sie arbeite in ihrer Region viel mit Näherinnen in der Textilproduktion, sagt Dithhi Bhattacharya, Gewerkschafterin aus dem indischen Neu-Delhi, die auch an dem Protest teilnimmt. In vielen Fabriken sei es schwer, die Arbeiterinnen und Arbeiter gewerkschaftlich zu organisieren. Oft seien sie in Heimarbeit oder für kleine Subunternehmer tätig. Und trotzdem versuche sie gleichzeitig, die Zusammenarbeit mit den europäischen Kollegen zu intensivieren. „Alles, was wir versuchen, ist, uns alle miteinander zu verbinden“, sagt die 40-jährige Bhattacharya. „Das ist die einzige Art, in der wir gemeinsam gegen das Kapital kämpfen können.“

Für Las Mary Douglas, Gesamtbetriebsratsvorsitzende für Deutschland bei „Zara“, ist es zentral, Arbeitskämpfe in Deutschland und Asien miteinander zu verknüpfen. „Wir führen eigentlich denselben Kampf für bessere Bedingungen“, sagt die 36-Jährige. Die Vernetzung funktioniere schon ziemlich gut, wenn zum Beispiel deutsche Mitarbeiter ihre Geschäftsführung anschrieben, um aktuelle Tarifverhandlungen in den Produktionsländern zu unterstützen. „Heute geht’s darum, zu zeigen, dass wir eine Gemeinschaft sind und in Solidarität handeln“, sagt Douglas.

Bei der Kundgebung hat inzwischen ein älterer Herr begonnen, mit der Klampfe Klassiker der Arbeiterbewegung zu singen, es gibt einige kurze Reden. Manche Passanten bleiben stehen und nehmen ein Flugblatt mit. Polizisten bewachen den Eingang zum Geschäft. Und kurz darauf ist der Protest auch schon vorbei.

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