Ausgelassen tanzten die Anwesenden vor der entzündeten Chanukkia.  
+
Ausgelassen tanzten die Anwesenden vor der entzündeten Chanukkia.  

Lichterfest

Frankfurt feiert Chanukka

  • Steven Micksch
    vonSteven Micksch
    schließen

Beim Auftakt des jüdischen Lichterfestes auf dem Frankfurter Opernplatz erinnern die Redner an einen wachsenden Antisemitismus.

Mit dem Entzünden des ersten Lichts hat am Sonntagabend auch in Frankfurt das jüdische Chanukka-Fest begonnen. Mindestens 300 Menschen feierten auf dem Opernplatz den Auftakt des acht Tage dauernden Lichterfests. Trotz Regens wurde ausgelassen getanzt und gefeiert.

Zum 28. Mal wurde die öffentliche Chanukka-Veranstaltung vor der Alten Oper gefeiert. Rabbiner Zalman Gurevitch erinnerte in seiner Ansprache daran, dass in den letzten Jahren ein neuer alter Kampf wieder aufgekommen sei: der gegen den Antisemitismus. Der Antisemitismus folge keiner Logik, im Laufe der Jahrhunderte seien Juden immer wieder wegen anderer Gründe diskriminiert worden. Man dürfe aber „die eigenen Religion und Kultur nicht vergessen“ – trotz Anfeindungen. Rabbiner Gurevitch dankte der Stadt, dass sie alles nötige tue, um für die Sicherheit der jüdischen Gemeinde zu sorgen.

Bürgermeister Uwe Becker (CDU), zugleich auch Antisemitismusbeauftragter des Landes Hessen, sieht den großen Leuchter auf dem Opernplatz als Symbol, das man bereits von weitem sehe, egal aus welcher Richtung man sich nähere. „Es sagt viel über diese Stadt aus“, sagte Becker. Es sei ein Ja zum jüdischen Leben, das zu Frankfurt gehöre. „Es ist ein Teil der Identität von Frankfurt, Hessen und Deutschland.“ Menschen, die Hass und Antisemitismus verbreiten, „haben in diesem Land nichts zu suchen“.

Uwe Becker: Frankfurt ist die israelfreundlichste Stadt außerhalb Israels

Becker sagte zudem: „Keine Stadt ist so jüdisch wie Frankfurt am Main.“ Darüber hinaus sei Frankfurt die israelfreundlichste Stadt außerhalb Israels.

In den kommenden Tagen wird immer abends ein weiteres Licht an der Chanukkia entzündet. Am 30. Dezember schließlich brennen alle acht Lichter. Das mittlere neunte Licht am Frankfurter Leuchter ist der Schamasch (Diener), mit ihm werden alle anderen Lichter angezündet.

Chanukka wird in Gedenken an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem (164 v. Chr.) begangen. Der Leuchter im Tempel sollte niemals erlöschen, doch damals gab es nur noch einen Krug mit geweihtem Öl. Wie durch ein Wunder reichte dieses Öl nicht nur einen Tag sondern acht Tage. Genau diese Zeit wurde benötigt, um neues geweihtes Öl herzustellen.

Chanukka-Feiern bundesweit

Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU, hat den Juden ein friedvolles Lichterfest gewünscht. Die Leuchter in vielen deutschen Orten bezeugten das „Wunder“, dass es nach dem Zivilisationsbruch der Schoah wieder blühendes jüdisches Leben in Deutschland gebe. 

Das erste Licht an dem fast zehn Meter hohen Chanukkaleuchter vor dem Brandenburger Tor in Berlin entzündete die Holocaustüberlebende Margot Friedländer. An der Zeremonie nahmen Bundesjustizministerin Christine Lambrecht, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (beide SPD) und der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, teil. 

In Halle sagte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Max Privorozki, es gebe Antisemitismusprobleme in allen deutschen Parteien. Er war während des Anschlags in Halle unter den Betenden in der Synagoge. 

Rund 70 Überlebende der Schoah sind am Sonntag zu einer „Holocaust Survivors Night“ nach Bremen gekommen. (kna/epd)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare