Etwa 250 Menschen aus der Veranstaltungsbranche haben am Samstagabend in Frankfurt Unterstützung gefordert.
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Etwa 250 Menschen aus der Veranstaltungsbranche haben am Samstagabend in Frankfurt Unterstützung gefordert.

Demonstration

Kultur in der Corona-Krise: Frankfurter Clubs und DJs fordern Hilfe

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Die Veranstaltungswirtschaft fühlt sich von der Politik im Stich gelassen. 250 Menschen fordern am Samstag auf dem Römerberg in Frankfurt mehr Unterstützung in der Corona-Krise.

  • Clubbetreiber sind frustriert vom Vorgehen der Politik in der Corona-Pandemie.
  • Rund 250 Menschen forderten in Frankfurt Unterstützung für die Veranstaltungsbranche.
  • Viel mehr als Gespräche gab es vorerst nicht als Angebot aus der Politik.

Frankfurt - Etwa 250 Menschen, die in der Veranstaltungswirtschaft tätig sind, haben am frühen Samstagabend bei einer Kundgebung unter dem Motto „Alarmstufe Rot“ auf dem Frankfurter Römerberg Perspektiven und mehr Unterstützung gefordert. Auf Schildern warnten sie vor einer Pleitewelle in der Branche, die Kunst und Kultur bedrohe. Sie warben für ein Sechs-Punkte-Programm, in dem sie etwa auf zusätzliche Zuschüsse und längere Kreditlaufzeiten, aber auch auf eine Flexibilisierung der Kurzarbeiterregelungen pochen.

Clubbetreiber in Frankfurt enttäuscht über Vorgehen während Corona-Krise

Mehrere Redner zeigten sich bitter enttäuscht darüber, dass die Politik im Bund wie in Hessen die riesigen Probleme der Branche in der Corona-Krise nicht ernst nehme, obwohl mehr als eine Million Menschen in dieser arbeiteten. Lufthansa dürfe Menschen nach Mallorca fliegen. Die meisten Veranstaltungen aber würden nicht genehmigt, obwohl die Branche zahlreiche Vorschläge gemacht habe, wie Events trotz Corona sicher sein können, sagte Roberto Emmanuele, Inhaber einer Frankfurter Firma für Event-Inszenierung. Andere Branchen gälten der Politik als systemrelevant. „Wir werden vergessen.“ Dabei liege die Branche immer noch zu 90 Prozent brach.

Auch die Soforthilfen reichten nicht ansatzweise aus, beklagte Emmanuele in seiner Rede. Er kritisierte etwa, dass sein Unternehmen mit fünf Beschäftigten keinen höheren Anspruch auf Unterstützung als Solo-Selbstständige gehabt habe. Für den Zeitraum von März bis Mai habe er 9000 Euro erhalten. Das sei bei laufenden Kosten von 30 000 bis 40 000 Euro aber „nicht wirklich hilfreich“. Für die Beantragung der Soforthilfe 2 habe er 2500 Euro für einen Steuerberater zahlen müssen, aber dann nur 247 Euro an Hilfe bekommen, also letztlich sogar draufgelegt, berichtete er.

„Arbeitsverbot“ für DJs in der Corona-Pandemie

DJ Alex Weick sprach von einem faktischen Arbeitsverbot für seine Kollegen und ihn. Obwohl die Branche unschuldig in die Krise geraten sei, erfahre diese keine Wertschätzung von Seiten der Politik, bemängelte er. Die müsse endlich „wach werden“.

Die Clubs hätten in der Krise als erste zumachen müssen - und nun seien die Menschen, die dort tätig sind, die letzten, die wieder arbeiten könnten, beklagte ein anderer Discjockey. Den trotz zeitweise strömenden Regens in der Kälte ausharrenden Demonstranten berichtete er, er arbeite nun mangels Alternativen bei einem Blumenversand. Auch er forderte von der Politik eindringlich eine Perspektive.

Nicht mehr als Gespräche für frustrierte Veranstaltungsbranche

Sidney Spaeth, Betreiber des Frankfurter Clubs Freud, wies auf die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung der Clubkultur hin. Er forderte einen legalen Weg, diese auch wieder leben zu können. Wenn es so weiter gehe, würden Menschen aus der Branche in die Illegalität getrieben, sagte er.

Der Landtagsabgeordnete Markus Hofmann (Grüne), der wie er berichtete, selbst früher Events organisierte, konnte den Menschen, die am Samstagabend auf dem Römerberg protestierten, nicht viel versprechen. Die Möglichkeiten seien eingeschränkt, sagte er. Das Land könne keine Verdienstausfälle kompensieren. Mehr als Gespräche könne er letztlich nicht anbieten, sagte Hofmann. Und warb für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. (Von Christoph Manus)

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