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Impfstoff für alle: Die Frankfurter linksradikale Szene demonstriert gegen die Corona-Politik. Foto: Monika Müller
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Impfstoff für alle: Die Frankfurter linksradikale Szene demonstriert gegen die Corona-Politik.

Corona-Pandemie

Frankfurt: Linke Demo für ein Ende der Pandemie

  • Hanning Voigts
    VonHanning Voigts
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Seit einem Jahr demonstriert die Frankfurter Antifa gegen „Querdenken“ und Corona-Leugner. Gegen die Ausgangssperren geht die linke Szene nun selbst auf die Straße.

Eines macht der Mann am Mikrofon schon ganz zu Anfang klar: Corona-Leugner:innen und Verschwörungstheorien seien hier überhaupt nicht willkommen. „Wir haben gar keinen Bock auf ,Querdenker‘“, ruft der Aktivist. Und deshalb bitte man auch darum, während der Demonstration Masken zu tragen und möglichst auf Hygieneabstände zu achten. „Wir wollen ja nicht mit den Corona-Leugnern verwechselt werden, sondern wir fordern einen solidarischen Lockdown!“ Die gut 300 Menschen, die sich am Kaisersack versammelt haben, jubeln und klatschen Beifall.

Es ist eine Demonstration gegen die herrschende Pandemiepolitik, die an diesem Samstagabend gegen 20.45 Uhr am Frankfurter Hauptbahnhof beginnt. Aber sie ist so ganz anders als die unzähligen, die es seit März vergangenen Jahres gegeben hat. Denn diesmal sind es Linksradikale und Aktivist:innen der autonomen Antifa, die unter regem Medieninteresse gegen die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes und gegen die gerade verhängten abendlichen Ausgangssperren auf die Straße gehen. In den vergangenen zwölf Monaten haben sie vor allem gegen „Querdenken“ demonstriert und rechten Verschwörungserzähler:innen entgegengebrüllt, dass das Coronavirus eine reale Gefahr und ihre Geschichten von der angeblichen geheimen Weltelite hinter der Pandemie mindestens latent antisemitisch seien. Jetzt wollen sie selber zeigen, was sie von der Pandemiebekämpfung halten.

Impfstoff für alle

Man demonstriere heute „gegen die staatliche Pandemiepolitik und für den Lockdown des Kapitals“, ruft eine Aktivistin der Gruppe „Kritik und Praxis“, die zu der Demo aufgerufen hat, bei der ersten Rede vor Beginn des Protestzugs. Die Corona-Regeln und auch die Ausgangssperren zielten nur auf die einzelnen Menschen und ihre Freizeitgestaltung, dabei fänden die Infektionen offensichtlich in Schulen, Schlachthöfen, Großraumbüros und auf den Spargelfeldern statt. Um die Infektionszahlen nachhaltig zu senken, müsse daher die gesamte Wirtschaft für einige Wochen runtergefahren werden – bei vollem Lohnausgleich für Angestellte. Außerdem müssten sofort alle Patente für Corona-Impfstoffe aufgehoben werden, damit alle Menschen weltweit gut geschützt werden könnten.

Ein Redner von der linken Gruppe „Zerocovid Frankfurt“ sagt, die Ausgangssperren führten lediglich die „bisherige gescheiterte Pandemiepolitik“ fort. Die Wirksamkeit der autoritären Maßnahme sei beschränkt, wenn tagsüber alle zur Arbeit gingen. Die Ausgangssperren seien letztlich „eine Alibimaßnahme“, weil der Staat Handlungsfähigkeit zeigen wolle, aber keine echte Strategie habe. Es brauche jetzt eine „solidarische Arbeitspause“ für alle, um das Virus zu besiegen, sagt der Aktivist. „Ein Ende der Pandemie ist möglich!“

Mittlerweile ist es 21.15 Uhr und die Demo setzt sich mit der Parole „Alerta, Alerta, Antifascista“ in Bewegung. „Das Virus geht nicht nachts spazieren, sondern tagsüber arbeiten“ steht auf dem Transparent an der Demospitze, auf anderen Plakaten und Schildern heißt es „Klassenkampf statt Verschwörungstheorie“ oder „Lohnarbeit gefährdet Ihre Gesundheit“. Die Protestierenden skandieren „Eins, zwei, drei, gebt die Patente frei“ und „Ausgangssperren blanker Hohn, Lockdown für die Produktion“. In recht hohem Tempo zieht die Demo eine Runde durch das Bahnhofsviertel und dann über die Mainzer Landstraße ins Gallusviertel. Einmal kracht ein Böller, einmal werden bunte bengalische Feuer gezündet. Gegen 22.15 Uhr löst der Protest sich dann am Saalbau Gallus auf – und die Antifa ist fast pünktlich zum Beginn der Ausgangssperre zu Hause.

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