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Florentinerbrunnen soll wieder sprudeln

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Von: Matthias Bittner

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Der Renaissance-Brunnen am Nebbienschen Gartenhaus in der Bockenheimer Anlage ist hübsch anzusehen, wenn er denn mal sprudelt.
Der Renaissance-Brunnen am Nebbienschen Gartenhaus in der Bockenheimer Anlage ist hübsch anzusehen, wenn er denn mal sprudelt. © Monika Müller

Passanten wundern sich, warum die Brunnenanlage am Nebbienschen Gartenhaus immer noch nicht sprudelt. Schuld ist ein Problem mit der Wasserzufuhr, teilt das Kulturamt mit. Wie groß der Schaden ist, ist noch unklar.

Seit 1952 steht der Florentinerbrunnen am Nebbienschen Gartenhaus in der Bockenheimer Anlage. Auf der oberen Brunnenschale thront ein kleiner Amor. Das Muschelbecken wird von Wasser speienden, nackten Wassernymphen getragen. Von dieser Szene ist zurzeit jedoch nichts zu sehen. Der Brunnen ist hinter seinem hölzernen Winterschutz verborgen. „Der wunderschöne Renaissance-Brunnen sollte so schnell wie möglich repariert werden“, fordert die ehemalige Stadtverordnete Gisela Becker. Passanten würden sich fragen, was sich hinter der Holzfassade verbirgt, sagt Becker. Schon öfter sei sie darauf angesprochen worden.

Der Brunnen ist defekt, die Wasserzufuhr ist das Problem, sagt das zuständige Kulturamt. Die Passanten darüber per Plakat zu informieren, wie Becker es vorschlägt, sei jedoch nicht sinnvoll, sagt Filiz Aydin, im Kulturamt unter anderem für die Brunnen zuständig. Noch sei nicht geklärt, welche Schäden der Brunnen genau aufweist. In Kooperation mit dem Amt für Bau und Immobilien müssten erst noch die Wasserzuleitung im Erdreich begutachtet werden. „Meist gesellt sich ein unterirdischer Schaden dazu“, weiß Aydin aus Erfahrung. Bisher stehe nur fest, dass die Wasserleitungen im Inneren der Figuren undicht sind. Aus allen Fugen rinne das Wasser heraus.

Der Florentinerbrunnen

Ein unbekannter Künstler hat den Florentinerbrunnen im 16. Jahrhundert geschaffen. Ehe er 1952 in die Bockenheimer Anlage versetzt wurde, stand der Brunnen im Park der „Villa Waldfried“ von Carl von Weinberg in Niederrad. Der sozial engagierte Kaufmann wurde, wie sein Bruder Arthur, von den Nazis wegen seines jüdischen Glaubens enteignet und verfolgt.

Seinen Namen verdankt der Florentinerbrunnen vermutlich dem Marmorgestein, aus dem er gearbeitet und welches für seine Härte und die schöne Politur, die es annimmt, bekannt ist. Und auch der Annahme, dass italienische Kunst als Vorbild für die Gestaltung der Figuren diente.

Auf der oberen Brunnenschale thront ein Amor. Seit das Original 1975 gestohlen wurde, befindet sich dort eine Nachahmung. Das Muschelbecken wird von Wasser speienden Wassernymphen getragen. Den unteren Abschluss bilden vier Seeungeheuer.

Die Restaurierung sei sehr zeitaufwendig, weil Ersatzteile für den Brunnen extra angefertigt werden müssten. Auch müsse ein Experte ran, weil das Material aus Marmor und Muschelkalk sensibel sei, Das alles hat seinen Preis. Wie hoch der ist, stehe noch nicht fest. Ein Kostenschätzung sei in Vorbereitung. Klar ist, dass die nötige Instandsetzung den Etat des Kulturamtes enorm strapaziert. Für Unterhalt, Reparatur, Reinigung, Stromkosten und dergleichen stehen dem Kulturamt 321 000 Euro jährlich zur Verfügung. „Bedenkt man, dass eine Pumpe 10 000 Euro kostet, wird schnell klar, dass man damit nicht weit kommt“, bedauert Aydin.

Überraschend musste nun auch der Brockhausbrunnen auf der Zeil abgestellt werden – dort gibt es einen Schaden an den Rohren, der behoben werden müsse.

150 Brunnen, um die sich die Stadt kümmert, gibt es in Frankfurt laut Aydin. Für 40 in Grünanlagen, Parks oder Stadtwald ist das Grünflächenamt zuständig. Neben dem Brockhausbrunnen und dem Florentiner Brunnen ist derzeit auch der Märchenbrunnen am Willy-Brandt-Platz trocken. Direkt davor hat das Schauspiel ein Corona-Testzelt errichtet, so dass er nicht angestellt werden konnte, bedauert Aydin.

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