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Wegen der Corona-Pandemie muss der Ortsbeirat 1 derzeit im Römer tagen. Vorsteher des Stadtteilgremiums ist Oliver Strank (SPD).
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Wegen der Corona-Pandemie muss der Ortsbeirat 1 derzeit im Römer tagen. Vorsteher des Stadtteilgremiums ist Oliver Strank (SPD).

Innenstadt

„Chance für die ganze Stadt verpasst“

  • Boris Schlepper
    vonBoris Schlepper
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Das Jahr im Ortsbezirk 1 Ortsvorsteher Oliver Strank über die aufgehobene Sperrung am Mainufer und seine Pläne, nach Berlin zu wechseln.

Herr Strank, seit September rollen die Autos wieder am Mainufer. Sind Sie enttäuscht, dass das Verkehrsexperiment eingestellt worden ist?

Hier wurde eine riesige Chance für die ganze Stadt verpasst. Seit über 40 Jahren wünscht sich in Frankfurt eine klare Mehrheit mehr Lebensqualität durch einen autofreien Mainkai, der schön gestaltet ist und Raum und Luft zum Atmen bietet. Es war deshalb ein großer Erfolg, als die Stadtverordnetenversammlung auch auf unseren Druck hin im Jahr 2019 den einjährigen Verkehrsversuch beschlossen hat.

Was ist falsch gelaufen?

Der Versuch hatte es von Anfang an schwer, weil nur Provisorien erlaubt waren. Deshalb habe ich zusammen mit anderen im November 2019 eine Bürgerinitiative für einen autofreien Mainkai gegründet. Wir wollten das riesige Potenzial des Mainkais sichtbar machen – und das ist uns trotz Corona auch gelungen. Immer mehr Menschen haben entdeckt, wie schön und erholsam der Mainkai ohne Autos sein kann, wenn man ihn nutzt. Nach einer repräsentativen Umfrage im Sommer 2020 wollte eine Mehrheit von 57 Prozent den autofreien Mainkai, nur 21 Prozent waren dagegen. Mehr als 10 000 Menschen haben meine Petition für einen dauerhaften autofreien Mainkai unterzeichnet. Natürlich sind viele Menschen nun enttäuscht, dass der Verkehrsversuch eingestellt wurde. Zumal es rechtlich möglich gewesen wäre, ihn zu verlängern, weil das Versuchsziel wegen Corona nicht erreicht werden konnte: Die Straßen waren leergefegt und der Ausweichverkehr auf die Nebenstraßen und auf Sachsenhausen konnte nicht belastbar gemessen werden. Leider war die CDU im Römer nicht dazu bereit. Bei der Kommunalwahl wird das Thema sicherlich für viele Frankfurter wichtig. Ich rechne damit, dass der Mainkai in Zukunft dauerhaft autofrei sein wird und werde mich nach Kräften dafür einsetzen.

Das Mainufer ist nicht die einzige Stelle, wo es Verkehrsprobleme im Ortsbezirk gibt. Auch in der Innenstadt, etwa in der Goethe- und Kaiserstraße, sind nach wie vor Lösungen gefragt. Wie sind Sie dort vorangekommen?

Eine autoarme Innenstadt ist die Zukunft. An vielen Stellen haben wir Vorstöße gemacht, den Autoverkehr zu reduzieren. In der Braubachstraße hat der Magistrat, auch auf unsere Anregung hin, viele Parkplätze umgewidmet in Orte zum Verweilen mit Sommergärten, Sitzbänken und Fahrradstellplätzen. Ähnliches fordern wir nun für die Goethestraße. Und die Kaiserstraße eignet sich bestens als Flaniermeile. Vielleicht wird das Bahnhofsviertel künftig eine autofreie Zone, wer weiß.

Für Radfahrer:innen hat sich die Situation bereits verbessert. Etwa, dass jetzt eine Fahrspur der Friedberger Landstraße und der Verlängerung zum Main zum Radweg umgewandelt wurde. Wie kommt die temporäre Teilsperrung bei den Menschen an?

Mein Eindruck ist, dass sich Radler und Autofahrer immer besser mit der Veränderung arrangieren. Gut möglich, dass die Teilsperrung auch in Zukunft bleibt.

Zur Person

Oliver Strank (SPD) ist 41 Jahre alt und seit 2016 Vorsteher des Ortsbezirks 1 (Bahnhof, Gallus, Gutleut, Innenstadt). Außerdem kandidiert er für den Bundestag für den Wahlkreis 182. Er arbeitet als Rechtsanwalt in Frankfurt. Im Ortsbeirat 1 halten SPD und CDU je vier Sitze. Grüne, Linke, FDP und ein unabhängiges Bündnis haben je zwei, BFF, Ökolinx und die Partei je einen Sitz.

Die nächste Sitzung findet voraussichtlich am Dienstag, 12. Januar, um 19 Uhr im Plenarsaal im Römer statt. Die FR blickt mit allen 16 Ortsvorsteherinnen und Ortsvorstehern in Frankfurt zurück auf das Jahr 2020. Die Serie erscheint in loser Folge.

Ein weiterer Schwerpunkt im Ortsbeirat 1 ist das Thema Sicherheit und Sauberkeit. Immer wieder gibt es Klagen über wilden Sperrmüll. Wie kann man das Problem angehen?

Die Stadt sollte noch besser darüber informieren, wo wilder Sperrmüll gemeldet werden kann. Die FES sollte wilden Müll noch schneller entsorgen und die Stadtpolizei stärker kontrollieren, um das Vertrauen der Menschen in die Regeln des gedeihlichen Zusammenlebens zu wahren.

Durch die Corona-Pandemie hat sich die Situation weiter zugespitzt, vor allem im Bahnhofsviertel. Welche Schritte hat der Ortsbeirat hier unternommen?

In der Tat sind die Probleme im Bahnhofsviertel noch sichtbarer geworden. Wegen der Abstandsregeln in den Druckräumen findet der Drogenkonsum leider wieder vermehrt auf offener Straße statt. Wir haben in den letzten Monaten Initiativen finanziell unterstützt, viele besonders bedürftige Menschen mit Schutzmasken zu versorgen. Unabhängig von der Pandemie müssen Suchtkranke künftig rund um die Uhr versorgt werden.

Ein langfristiges Problem scheint dagegen die Infrastruktur im Europaviertel zu sein. Der Europagarten ist immer noch geschlossen und die Grundschule befindet sich nach wie vor in einem Provisorium. Was sagen Sie den Bürger:innen des neuen Quartiers, dass sich vieles verzögert?

Ich verstehe die Frustration der Menschen. Was den Europagarten anbelangt, ist eine Öffnung leider erst nach Abschluss des laufenden Rechtsstreites über die Qualität der Grünflächen möglich. Wir haben auf eine Teilöffnung gedrungen, die aber leider rechtlich nicht möglich ist. Der Schulweg an der Baustelle muss endlich besser abgesichert werden. Zusammen mit vielen Eltern habe ich beim Stadtschulamt auf einen baldigen Termin gedrängt.

Zur kommenden Wahl treten Sie nicht mehr für den Ortsbeirat an. Dass Sie nach Berlin streben, hat aber nicht mit der Kritik aus dem Ortsbeirat zu tun, wo Ihnen eine Mehrheit jüngst vorgeworfen hat, untätig zu sein und Bürger lange auf Antworten warten zu lassen?

(lacht) Um Gottes Willen, nein! Erstens hatte ich schon 2017 nach dem knapp verpassten Einzug in den Bundestag öffentlich gesagt, dass ich 2021 wieder antreten werde. Zweitens gibt es im Ortsbezirk 1 mit seinen unzähligen Brennpunkten und Baustellen naturgemäß besonders viele Anfragen an den Ortsvorsteher. Ich habe mein Amt von Anfang an sehr bürgernah und barrierefrei ausgeübt und erhalte daher inzwischen durchschnittlich 20 Mails pro Tag. Ich versuche, ehrenamtlich und ohne eigene Mitarbeiter allen Bürgeranfragen gerecht zu werden, was eine große Herausforderung ist. Mein Ehrenamt des Ortsvorstehers ließe sich völlig problemlos in ein Hauptamt in Vollzeit umwandeln, keine Frage. Inzwischen habe ich mein System nochmal umgestellt, um Bürgeranfragen noch rascher zu beantworten und etwas mehr an das Büro der Stadtverordnetenversammlung abzugeben. Das hat sich bewährt.

Noch zwei Sitzungen werden Sie leiten. Was planen Sie ?

Wir werden uns in unserer Januarsitzung mit einem Herzensanliegen unseres Gremiums beschäftigen, dem Bildungscampus Gallus. Wir haben lange dafür gekämpft, dass auch die Kinder im Gallus dort das Abitur machen können. Ich habe zu diesem Thema vor fast zehn Jahren einen meiner ersten Anträge im Ortsbeirat eingebracht. Insofern schließt sich für mich ein Kreis. Es wird Zeit, dass auch im Gallus Bildung für alle möglich wird.

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