1. Startseite
  2. Frankfurt
  3. Innenstadt

Allerheiligenviertel: Ein Quartier mit viel Geschichte

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Die Autoren des ersten Buches über das Allerheiligenviertel: Rachel Heuberger, Andrea Hampel René Reif, Christian Setzepfandt und Sonja Teichner ( von links).
Die Autoren des ersten Buches über das Allerheiligenviertel: Rachel Heuberger, Andrea Hampel René Reif, Christian Setzepfandt und Sonja Teichner ( von links). © Sauda

Die Münchener Projektentwicklergruppe um René Reif will im Allerheiligenviertel groß bauen. Bei der Beschäftigung mit dem Quartier ist ihm aufgefallen, dass es voller Geschichten steckt. Diese will er nun in einer Buchserie festhalten.

Es war am 21. April des Jahres 1873, der letzte Tag der Frühjahrsmesse. Die Frankfurter wollten dieses Ereignis mit einem Fest auf der Wäschebleiche an der Breiten Gasse feiern, doch die gute Laune wurde durch die Nachricht verdorben, dass der Bierpreis von vier auf viereinhalb Kreuzer erhöht worden war. Die Stimmung heizte sich auf, es kam zu einem Protestzug in die Innenstadt. Zahlreiche Brauereigaststätten wurden zerstört, die Polizei war völlig überfordert. Schließlich wurde in Frankfurt stationiertes Militär zu Hilfe gerufen, mindestens 20 Frankfurter kamen ums Leben. In der Folge wurden die Rädelsführer verurteilt – und der Bierpreis wieder auf vier Kreuzer abgesenkt.

Es sind solche Geschichten, die die Beschäftigung mit lokaler Historie spannend und amüsant machen. Wer solche Geschichten sucht, für den gibt es eine neue Quelle. „Main Yard. Geburt eines Stadtquartiers“ heißt es. Es beschäftigt sich mit der Geschichte des Allerheiligenviertels, in dem sich der Frankfurter Bierkrawall des Jahres 1873 zu einem beachtlichen Teil abspielte. Jetzt wurde die Publikation vorgestellt.

„Main Yard“, so heißt das Projekt, das dem Quartier zwischen Langer Straße, Breiter Straße und Allerheiligenstraße ein neues Gesicht geben soll. Geplant ist eine bis zu siebengeschossige Bebauung mit rund 13 500 Quadratmetern Wohnfläche. Das reicht für 275 Mietwohnungen und 150 möblierten Service-Appartements für Pendler:innen. Dazu kommen ein Hotel, kleinere Geschäfte und Gastronomie. Im Jahre 2025 soll alles fertig sein.

Hinter dem Projekt steht der Münchner Projektentwickler René Reif mit seinem Unternehmen, der Ort-Group. Er sei mit dem Allerheiligenviertel erstmals im Jahre 2017 in Berührung gekommen, erinnert er sich jetzt bei der Vorstellung des Buches im Frankfurter Büro des Unternehmens in der Kronberger Straße. Sehr viel Geschichte sei mit dem Quartier verbunden, hat er seitdem gelernt. Daraus ein Buch zu machen, das sei zwingend. „Das muss man alles aufschreiben.“

Nun sollen es drei Bücher werden. Der letzte Band wird sich mit dem Projekt Main Yard befassen, das zweite mit der Nutzung und der Geschichte des Viertels nach dem Zweiten Weltkrieg. Der erste Band handelt die Geschichte ab und ist jetzt erschienen. Beiträge geliefert haben die ehemalige Oberbürgermeisterin Petra Roth, die Leiterin des Frankfurter Denkmalamtes Andrea Hampel, die Historikerin Rachel Heuberger von der jüdischen Gemeinde Frankfurt, Denkmalpfleger Marco Popp und der Stadtführer und Autor Christian Setzepfandt.

Das Buch wird im Buchhandel für 45 Euro verkauft. Für das Geld bekommt man einen recht hochwertig gestalteten Band. Zahlreiche Fotos und andere Abbildungen verführen zum Blättern und gewähren immer neue Einblicke in die Geschichte dieses Quartiers. Einige Abbildungen sind mit QR-Codes versehen, mit deren Hilfe der Nutzer Videos zu den Themen im Internet herunterladen kann, die Stadtführer Setzepfand gemacht hat.

Auch interessant

Kommentare