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Fotos erinnern an alte Kämpfe.

Jubiläum

Aktionsgemeinschaft Westend: Initiative in Frankfurt will Kampf für Mieter fortsetzen

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Die Aktionsgemeinschaft Westend feiert ihr 50-jähriges Bestehen.

Schwarz-weiße Fotografien aus glorreicher Vergangenheit empfangen die Besucher schon am Eingang zum Livingstonschen Pferdestall an der Ulmenstraße. Kampf gegen Spekulation mit Wohnraum, gegen Baulärm und den Verlust von Grün: Seit 50 Jahren stemmt sich die Aktionsgemeinschaft Westend (AGW) gegen die Folgen des kapitalistischen Wirtschaftens in dem Frankfurter Stadtteil und darüber hinaus. Zur Geburtstagsfeier versammeln sich denn auch überwiegend ergraute Veteranen, aber auch einige junge Aktivisten. Unter den Gratulanten ist Janine Wissler, die Fraktionsvorsitzende der Linken im Hessischen Landtag.

Und der Blick geht nicht nur wehmütig zurück. Kai Schönbach, der Leiter der neuen städtischen Stabsstelle Mieterschutz, macht deutlich: „Die hier beschriebenen Zustände sind bis zum heutigen Tag aktuell.“ Viele Mieterinnen und Mieter in Frankfurt seien aber „noch nicht so aufgestellt, sich zu wehren“. Das will die Stabsstelle ändern.

Sieghard Pawlik, der wohnungspolitische Sprecher der SPD im Römer, erinnert an Odina Bott („Eine Institution in der Stadt“) und Barbara Heymann („Eine sehr starke Frau“), zwei frühere AGW-Vorsitzende. Auch der Sozialdemokrat verspricht, dass der Kampf gegen Spekulation und Luxusmodernisierung weitergeht: „Wir werden den Druck aufrechterhalten.“ Großer Beifall, als Pawlik dem hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al Wazir „Realitätsverweigerung“ attestiert, weil der Grüne in Frankfurt keinen Leerstand von Wohnraum sehe. Da applaudiert auch Odina Botts Tochter unter den Gästen.

Natürlich darf der Rechtsanwalt Christoph Kremer nicht fehlen, ein Veteran des Häuserkampfs der 70er Jahre im Westend und bis heute Vertreter von betroffenen Mietern. Er erinnert an die damaligen Mieterstreiks, an denen sich bis zu 7000 Menschen in Frankfurt beteiligt hätten.

Hans-Jürgen Hammelmann (Linke), der heutige AGW-Vorsitzende, schlägt den Bogen zur Gegenwart: „Große Gesellschaften kaufen Mietshäuser auf und wandeln sie in Eigentum um.“ Die Bürgerinitiative sei immer noch notwendig.

Einige haben Erinnerungsstücke mitgebracht. Hanna Lachenmann, die frühere stellvertretende Oberin des Diakonissenhauses, überreicht ein Buch über die jüdische Familie Livingston, die 1880 das Gebäude des heutigen Bürgertreffs an der Ulmenstraße errichten ließ. Und ein Name fällt an diesem Abend immer wieder: der der langjährigen FR-Redakteurin Claudia Michels, die über Jahrzehnte die Arbeit der AGW engagiert begleitet hatte. Sie, die 2014 gestorben ist, ist nicht nur im Westend unvergessen.

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