Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Dominik Herold. Foto: privat
+
Dominik Herold.

Frankfurt

„Mehr als wählen“: Initiative setzt sich für Demokratie ein

Dominik Herold hat den Verein „mehr als wählen“ mitbegründet.

Bei tschechischem Bier sitzt Dominik Herold entspannt in der Küche einer kleinen Altbauwohnung in Frankfurt. Doch der Eindruck von Feierabendgemütlichkeit täuscht. Im Gespräch ist der 28-jährige Mitbegründer von „mehr als wählen“, einer Initiative in Frankfurt, die Demokratie fördern will, hochkonzentriert.

Dominik Herold spricht schnell, als ginge es darum, die Zeit des Gesprächs gut zu nutzen. Bereits in seinen ersten Sätzen macht er klar, um was es ihm geht: um nichts weniger als die Zukunft unserer Demokratie – ihre Chancen, aber auch ihre Abgründe. Herold treibt aktuell vor allem die vermeintliche Krise der Demokratie um, den überall erstarkenden Populismus, aber auch Chancengerechtigkeit und eine Demokratie, „in der es um mehr geht, als nur alle vier Jahre sein Kreuz zu setzen“.

Schnell wird auch deutlich, dass hinter seinem Demokratieverständnis mehr steht als die bloße Repräsentation durch Wahlen: „Demokratie ist für mich mehr als eine Regierungsform, mehr als Parlamente und Politiker:innen. Sie ist eine Lebensform, die unmittelbar im Alltag stattfindet. Es braucht das dauerhafte Engagement von Demokrat:innen.“

Beim zweiten Bier redet er über seinen Werdegang. Dominik Herold studierte Philosophie und Politische Theorie in Wien, München und Frankfurt. Irgendwann reichte es ihm jedoch nicht mehr, „nur Texte zu lesen“. Stattdessen müsse ein aktiver und praktischer Umgang mit Politik und Demokratie her, um an den Kern von Demokratie zu kommen. Mit Menschen über die Frage zu streiten: Wie wollen wir leben? Aber eben nicht nur akademisch, sondern mittendrin in der Gesellschaft.

Die Serie

Jonathan Christian besucht das Fortbildungsprogramm Buch- und Medienpraxis an der Goethe-Universität. Die Frankfurter Rundschau kooperiert mit der Buch- und Medienpraxis und stellt in einer Serie ausgewählte Texte der Studierenden vor.

Herold war neu in Frankfurt. Er rief von seinen fünf Kontakten, die er bisher in Frankfurt hatte, drei an. Zusammen gründeten sie den Verein „mehr als wählen“. 2019 dann ein erster Höhepunkt: Der Verein veranstaltetet einen Demokratiekonvent mit 50 per Los ausgewählten Frankfurter:innen. Deren Empfehlungen trugen sie dann erfolgreich in die Frankfurter Stadtregierung hinein.

Herold sagt: „Wir können Stimmen hörbar machen, die sonst nicht gehört werden. Die Welt, so wie sie ist, könnte auch anders sein. Gesellschaft verändert sich, ist wandelbar. Das war für mich eine wichtige Erfahrung, die nun auch im Zentrum unseres Engagements steht.“

An der Tür seines Zimmers hängt ein Plakat des neuen Projekts des Vereins: der „DemokratieWagen“ – ein 19 Meter langer schwarzer Gelenkbus, an der Außenwand prangen von Künstler:innen auffällig gestaltete Figuren – soll die Bürger:innen Frankfurts ins Gespräch bringen. Demokratieinitiativen können den Bus für Veranstaltungen in ihrem Stadtteil buchen.

Mit einem Bus also die Demokratie retten? „Naja, wir von „mehr als wählen“ sind nicht so naiv, dass wir glauben, mit dem Demokratiekonvent oder dem DemokratieWagen die Demokratie zu retten. Aber wir glauben, dass es eben Engagement auf vielen Ebenen geben muss: in Parteien, in Parlamenten, auf der Straße, in Schulen, in den Betrieben.“

Eines ist deutlich geworden im Gespräch mit Dominik Herold. Es braucht leidenschaftliche Demokrat:innen wie ihn und ihr Engagement – in aktuellen Zeiten mehr denn je. (Jonathan Christian)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare