Besser mit Maske und Lüften in der Schule als Unterricht von zu Hause aus, finden viele Eltern.
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Besser mit Maske und Lüften in der Schule als Unterricht von zu Hause aus, finden viele Eltern.

Homeschooling

„Nur kein Distanzunterricht“

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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Für Nora von Obstfelder, Mitbegründerin der Initiative „Familien in der Krise“, ist Stoßlüften das bessere Konzept für den Winter an Schulen, als Kinder in den Distanzunterricht zu schicken.

Frau von Obstfelder, wie gut sind die Schulen für den Unterricht unter Pandemiebedingungen im Winter vorbereitet?

Es wäre übertrieben, zu sagen, sie wären gut vorbereitet. Auf das Pandemiegeschehen ist niemand wirklich vorbereitet. Aber es gibt die Erfahrung aus den Wochen mit Unterricht vor und nach den Sommerferien. Und die hat gezeigt, dass er gut läuft und die Hygienekonzepte an den Schulen funktionieren. Jetzt kommen der Winter und das Lüften dazu, aber das ist lösbar.

Werden nun Mütze und Handschuhe zur Grundausstattung im Unterricht gehören?

So streng sind unsere Winter ja nicht. Ein Lüftungskonzept ist sicher sinnvoll. Bei den Luftreinigungsanlagen bin ich noch skeptisch. Da hätte ich gerne mehr Studien dazu. Das Land Hessen will nun zehn Millionen Euro für Luftreinigungsanlagen ausgeben, aber wenn das am Ende nichts nutzt, ist es auch nicht sinnvoll. Alle 20 Minuten Stoßlüften ist auf jeden Fall ein besseres Konzept, als Kinder in den Distanzunterricht zu schicken.

Nora von Obstfelder (42) ist Mitgründerin der Initiative „Familien in der Krise“.

Warum auf keinen Fall Distanzunterricht?

Es verstärkt nur die Ungerechtigkeit im Bildungssystem. Nicht alle Kinder können zu Hause unterstützt werden. Außerdem haben es die Eltern seit März schwer genug. Der Urlaub ist ausgereizt und Kinder brauchen die Interaktion mit Gleichaltrigen; sie brauchen Lehrer, die sie für Unterrichtsstoff begeistern. Der Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen hat gezeigt, dass Schulen sichere Orte sind. Es hat vereinzelte Infektionen gegeben, aber es hat sich an den Schulen nicht weiter ausgebreitet. Auch die Studienlage zeigt, dass Kinder nicht die Treiber der Pandemie sind. Distanzunterricht ist das viel größere Problem.

Hessische Stadt- und Kreiselternbeiräte haben gerade gefordert, dass Unterricht mit kleineren Lerngruppen geplant werden soll. Was halten Sie davon?

Unabhängig von Corona wären kleine Lerngruppen toll. Aber wie soll das funktionieren? Es gibt eine begrenzte Anzahl an Lehrkräften und in Frankfurt auf jeden Fall auch eine begrenzte Anzahl an Räumen. Es müssten also Klassen geteilt werden und Schülerinnen und Schüler würden nur die Hälfte der Zeit an der Schule verbringen. Das stellt wiederum Eltern vor Betreuungsprobleme.

Man könnte wieder die Notbetreuung einführen.

Dann entscheidet erneut der Beruf der Eltern über Betreuung und Bildungsangebote für Kinder. Das schafft wieder Ungerechtigkeit. Dabei ist das Infektionsgeschehen in der Schule entkoppelt vom Infektionsgeschehen in der Stadt. An der Schule werden die Hygienekonzepte gut umgesetzt. Durch Kohortenbildung und zeitversetzte Pausen wird die Situation auf dem Schulhof und in der Kantine entzerrt. Das funktioniert. Und zumindest in den Grundschulen wird auch keine Mund-Nase-Bedeckung im Unterricht getragen und dort gibt es trotzdem kein großes Ausbruchsgeschehen.

Die Schulen sollen für Sie also auf jedem Fall offen bleiben. Wie sieht Ihre Unterstützung in der Elternschaft aus?

Wir haben großen Zulauf, bekommen wahnsinnig viele Zuschriften. Über die Frage des Tragens von Mund-Nase-Schutz wird unter den Eltern gestritten, aber sie wollen mehrheitlich den Präsenzunterricht. Da ist es fraglich, inwieweit der Stadtelternbeirat einen Großteil der Eltern vertritt, wenn er für einen Schichtbetrieb eintritt. Viele sehen die Schule nicht als gefährlichen Ort an. Das hat aber gerade der Bundeselternbeirat behauptet. Dagegen wollen wir uns entschieden aussprechen. Das wird unserer Ansicht nach nicht von einer Mehrheit der Eltern vertreten.

Interview: Sandra Busch

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