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Diese jungen Künstler haben die Wand unter der Rosa-Luxemburg-Straße am Rewe neu gestaltet.

Ginnheim

Graffiti mit Spargel und U-Bahn

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Das Umfeld des Jugendzentrums in Ginnheim wird aufgehübscht. Jugendliche haben die Wand mit Graffiti neu gestaltet.

Sie ist 30 Meter lang und bis zu sechs Meter hoch: Jugendliche haben eine Wand mit Graffiti gestaltet, um den Eingangsbereich des Jugendzentrums Ginnheim (Juz) unter der Rosa-Luxemburg-Straße zu verschönern.

Die ersten Ginnheimer haben sich schon während der viertägigen Malaktion in den Herbstferien gefreut, erzählt der 14-Jährige Serkan: „Schön, dass ihr das macht“, sei die Reaktion eines älteren Mannes gewesen, eine Frau wollte sogar Geld geben. Er selbst beschreibt den Verlauf des Projekts von zwölf Jugendlichen – darunter einem Mädchen – und dem Bonameser Künstler Jorge Labraña als „ganz chillig“.

Fuego Fatal, so Labrañas Künstlername, hat viel Wert auf „unsere Ideen“ gelegt, sagt der ebenfalls 14 Jahre alte Serdar. Egal ob U-Bahn, der als Ginnheimer Spargel bekannte Fernsehturm oder ganz viele G-Buchstaben: Entstanden ist eine bunte Collage über den Stadtteil. Labraña versteht die Wand als Ausdruck davon, wie die Jugendlichen ihre Lebensrealität wahrnehmen.

Gehört dazu auch die Frankfurter Hochhaussilhouette? Mit einem „Eure Skyline sieht anders aus!“ hat sich der Künstler dagegen ausgesprochen. Stattdessen haben die Jugendlichen Backsteine gemalt, die für den Gebäudekomplex des Juz an der Ginnheimer Landstraße stehen. Viele von ihnen wohnen dort oder in der angrenzenden Platensiedlung. „Wir wollten das Jugendzentrum sichtbarer machen, von weitem sieht es ja schlimm aus“, sagt Serdar. In der Tat: Man muss schon wissen, dass unter der mit Stelzen gebauten Schnellstraße auf einen Supermarktparkplatz noch der Eingang eines Jugendzentrums folgt. Ganz hinten links, wo die Brücke in einen aufgeschütteten Damm übergeht.

Als „extrem frustrierend“ beschreibt Juz-Leiterin Ulrike Fritz die Situation. Unmittelbar vor dem Eingang, neben dem Supermarktareal, sind öffentliche Parkplätze markiert. In Autos würden Menschen übernachten, der Parkplatz sei regelmäßig völlig zugemüllt – sogar mit Fäkalien. Ihre Idee: Mit einem Gitter, das bis an die Brücke hinauf reicht, könnte eine Parkplatzreihe abgetrennt werden. So ließe sich ein Außengelände für das Juz schaffen, mit Spielgeräten und Bänken. Ersatz für die Stellplätze sei an anderer Stelle möglich. Am Donnerstagabend hat Fritz diesen Vorschlag im Ortsbeirat 9 vorgestellt, gemeinsam mit Jugendlichen aus dem Juz.

Tags darauf wurde die Graffitiwand präsentiert. Wäre das Gitter schon da, befände sie sich innerhalb des neuen Außengeländes. Ist es aber noch nicht. Für die Feier mit Buffet und marokkanischem Tee musste deshalb ein temporäres Halteverbot Platz schaffen. Ingrid Häußler, FDP-Mitglied im Ortsbeirat, war gekommen und machte dem Juz Hoffnung: „So wie es ist kann es nicht bleiben!“ Sie sagte aber auch, dass die Umsetzung dauern könne. Seit 1987 nutzt das Juz seine derzeitigen Räume, zuvor hatte die Jugendinitiative Ginnheim ein Gebäude besetzt. Heute ist es für viele Jugendliche ein zweites Zuhause, sagt die Sozialpädagogin Jana-Sophie Lauer. Laut Fritz kämen sie teils aus armen Verhältnissen. Es gehe darum, Teilhabe zu ermöglichen.

Dazu ist die aktuelle Graffitiwand nur ein Projekt unter vielen. Schon im Frühjahr haben Jugendliche eine andere Fläche unter der Rosa-Luxemburg-Straße bemalt, die nächste ist bereits in Planung. 2013 war das Juz im Stadtlabor aktiv, es folgte ein Theaterstück sowie ein Kunstprojekt zu Themen und Orten, die den Jugendlichen wichtig sind.

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