Obdachlose in Frankfurt

Mit Infekten draußen

Die Elisabeth-Straßenambulanz kümmert sich um Obdachlose.

Auch auf Frankfurts Straßen grassiert derzeit die Grippe. Sie habe in ihrer Praxis gerade viele Patienten mit Infekten, teilweise auch mit schweren Verläufen bis zur Lungenentzündung, sagt Maria Goetzens, Leiterin der Elisabeth-Straßenambulanz für obdachlose Menschen. Aber auch sonst sei ihre Einrichtung „immer noch im Wintermodus“. Einige Patienten hätten jetzt noch mit Verletzungen zu kämpfen, die sie sich um den Jahreswechsel zugezogen hätten, etwa durch Stürze. Ohne Zuhause dauere Gesundwerden einfach länger.

Schon seit 1993 kümmert die Elisabeth-Straßenambulanz der Caritas sich um Menschen, die auf der Straße leben und kaum Zugang zu medizinischer Hilfe haben. Anfangs begann das Team mit kleinen Räumen in einer Tagesstätte im Ostend, seit 2009 hat es seinen Sitz in der Klingerstraße und hat das Angebot immer weiter ausgebaut. Inzwischen kümmern sich zwölf Mitarbeiter um die obdachlosen Patienten, fünf Ärzte und mehr als 20 Zahnärzte arbeiten ehrenamtlich mit. In Kooperation mit Psychiatern der Klinik Hohe Mark in Oberursel gibt es sogar eine psychiatrische Sprechstunde mit Suchtberatung. Sie sei „Hausärztin für Menschen, die kein Zuhause haben“, fasste Maria Goetzens mal ihr Selbstverständnis als Ärztin zusammen.

Einbeinig auf der Straße

Aktuell könne man in der Ambulanz gut sehen, in welch schlechtem Gesamtzustand obdachlose Menschen in Frankfurt seien, sagt Goetzens. Der Bedarf an pflegerischen Leistungen wie Körperbädern, Entlausung oder Wundversorgung sei riesig, außerdem müsse ihr Team sich immer wieder um Menschen kümmern, für die es eigentlich spezielle Einrichtungen bräuchte. Einer ihrer Patienten komme etwa regelmäßig zur Nachsorge wegen einer Beinamputation, trotz seiner Lage übernachte er in einem Auto.

Im vergangenen Jahr hat die Straßenambulanz nach eigenen Angaben rund 1500 Menschen behandelt, davon etwa 15 Prozent Frauen. Gut 600 dieser Patienten hatten das erste Mal Kontakt zu der Einrichtung. Und nur ein Drittel der Patienten sei krankenversichert, weshalb die Ambulanz ihre Arbeit über Spenden und Zuschüsse der Stadt finanzieren muss. Goetzens fordert schon länger, dass obdachlosen Menschen geholfen werden muss, in eine Krankenversicherung zu kommen – und dass eine Art Gesundheitsfonds für Obdachlose aus dem EU-Ausland eingerichtet werden muss.

Trotz aller Not und aller Probleme mache die Arbeit Spaß, sagt Goetzens: „Es sind tolle Menschen, die hierherkommen.“

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