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Beate Balzert, 40, ist Spitzenkandidatin der Klimaliste zur Kommunalwahl.
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Beate Balzert, 40, ist Spitzenkandidatin der Klimaliste zur Kommunalwahl.

Kommunalwahl Frankfurt

„In Frankfurt ein Klima für die Zukunft schaffen“

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Klimaliste-Spitzenkandidatin Beate Balzert tritt für einen sozial-ökologischen Umbau an. Die junge Partei will nicht nur den Grünen Stimmen abjagen.

Als „politische Graswurzelbewegung“ bezeichnet sich die Klimaliste. Sie versammelt nach eigenen Angaben Forschende, Studierende, Eltern, Azubis, Angestellte, Unternehmer:innen und im Klimaschutz Engagierte, um sich bundesweit für eine klimapolitische Wende vor Ort einzusetzen. In Frankfurt tritt sie als kleinste Bewerberin mit nur sechs Kandidat:innen an.

Frau Balzert, warum wollen Sie ins Parlament?

Die meisten von uns sind mit dem Thema Klima konfrontiert. Die Fragen, die in der Wissenschaft, aber auch in der Bevölkerung diskutiert werden, finden in der Kommunalpolitik fast gar keinen Widerhall. Wir müssen viel öfter fragen: Welche Auswirkungen hat, was wir heute tun, auf unser Klima von morgen? Das kommt uns im Stadtparlament zu wenig vor, das wollen wir ändern.

Die Stadt hat das Ziel ausgerufen, bis 2050 klimaneutral zu werden, den Energieverbrauch zu halbieren – reicht das nicht?

Mit diesen Zielen ist es immer so eine Sache. Man muss ohnehin die Frage stellen, ob 2050 nicht schon zu spät ist.

Was antworten Sie darauf?

2050 ist zu spät. Aber der wichtigere Punkt ist ja: Wie will die Stadt zu diesem Punkt kommen? Der „Masterplan 100 % Klimaschutz“ steckt voller Ideen. Aber die Stadt hat Jahre damit verbraucht, diesen Plan zu evaluieren, immer wieder neue Werte zu ermitteln. Was bisher herauskommt, genügt nicht. Das Ausrufen eines Ziels ist nicht genug.

Die Koalition hat die „Klimaallianz“ geschmiedet, mit einer Reihe von Richtlinien zum Klimaschutz. Was halten Sie davon?

Von dem Gedanken halten wir sehr viel. Aber auch hier fehlt es uns an Auswirkungen auf das, was tatsächlich passiert. Wo sind die Personen, die die Klimaziele hochhalten? Die gibt es nicht.

Wenn Sie diese Person werden nach der Wahl, was wollen Sie konkret ändern?

Wir sind realistisch – wir gehen nicht davon aus, dass wir eine Dreiviertelmehrheit bekommen (lacht) . Aber wenn wir mit einem oder zwei Sitzen einziehen könnten, wäre das ein Wahnsinnserfolg, und wir haben Vorschläge. Wir wollen die klimatische Betrachtung in den Vordergrund rücken. Thema grüne Lunge, Thema Verkehrswende, Flächenversiegelung, Energieeffizienz. Damit stellt man Weichen für die Zukunft. Diese Themen wollen wir immer wieder ansprechen. Es muss ein Miteinander werden.

Autofreie Innenstadt, gesperrter Mainkai – da würden Sie vermutlich mitmachen?

Auf jeden Fall.

Was noch? Was soll mit dem Kohleheizkraftwerk der Mainova geschehen?

Wir müssen einen Weg finden, den Energiebedarf von Frankfurt mittelfristig aus erneuerbaren Quellen zu decken. Wir stellen uns eine Abschaltung des Kraftwerks bis 2030 vor – das bedeutet, dass wir gleichzeitig Solarenergie und energetische Sanierung ausbauen müssen. Da hat Frankfurt viel aufzuholen.

Das kostet aber auch viel Geld, sagen die arrivierten Parteien.

Das Finanzierungsthema ist ein großes Thema – für alle Belange der Stadt, sozialen Wohnungsbau, Corona, Klimaschutz. Da müssen wir umverteilen. Parkhausneubau, Straßenneubau: Muss das sein? Infrastruktur erhalten, ja. Alles, was darüber hinausgeht, müssen wir umverteilen, dahin, wo das Geld gebraucht wird. Corona hat gezeigt, wie schnell uns etwas überrollen kann. Das beweist, dass wir uns trauen müssen, Dinge zu hinterfragen. Das kreide ich den großen Parteien an: Warum muss es immer ein „Weiter so“ sein?

Nehmen Sie sich nicht gegenseitig Stimmen weg? Grüne, Linke, Gartenpartei etwa, die verfolgen doch ähnliche Ziele.

Jein. Kommunalwahlen bieten durch Kumulieren und Panaschieren ja die Chance, eine sehr vielfältige Landschaft an Kandidatinnen und Kandidaten zu wählen. Wir glauben, dass es der Klimaliste gelingt, auch den einen oder anderen Unzufriedenen zu bekommen, der gar nicht von den Grünen oder der Linken kommt, sondern von CDU, SPD und FDP – weil wir einen überparteilichen Klimafokus haben.

Verfolgen Sie noch andere Ziele über den Klimaschutz hinaus?

Klima kann nie unser einziges Ziel sein. Was wir wollen, bedeutet eine Transformation dessen, wie wir heute leben – und das hat immer soziale Aspekte. Wie bilden wir unsere Kinder? Wie gleichen wir die Klimakosten sozial gerecht aus? Es muss unser Anspruch sein, diesen sozial-ökologischen Umbau zu begleiten. Das wichtigste Ziel ist, dass wir ein Klima für die Zukunft schaffen, in der wir alle gerne und gut leben können.

Interview: Thomas Stillbauer

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