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In Frankfurt demonstrieren Tausende gegen Putins Ukraine-Feldzug

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Von: George Grodensky

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Rund 7000 Menschen zeigen am Samstag auf dem Roßmarkt ihre Solidarität mit der Ukraine.
Rund 7000 Menschen zeigen am Samstag auf dem Roßmarkt ihre Solidarität mit der Ukraine. © Michael Schick

Die Stimmung am Samstag auf dem Goetheplatz ist kämpferisch. Die Zeit der Verhandlungen sei vorbei, viele fordern Deutschland auf, Waffen zur Verteidigung zu liefern und den ukrainischen Luftraum zu schützen.

Martin-Benedikt Schäfer trifft den Nerv der versammelten Menschen. Tausende sind am Samstag, 26. Februar, 13 Uhr, auf den Goetheplatz und Roßmarkt gekommen, um gegen Wladimir Putin und seinen verbrecherischen Ukraine-Feldzug zu protestieren und ihre Solidarität zum Ausdruck zu bringen. Wie in vielen Städten in Hessen an diesem Wochenende. Schäfer, sicherheitspolitischer Sprecher der CDU im Römer, sieht es so: Alle Menschen stünden zusammen, um zu sagen: „Putin, stopp diesen Krieg!“.

Einen Krieg gegen Freiheit, Demokratie und Europa, so Schäfer. Alle Optionen an Sanktionen lägen auf dem Tisch. „Sie müssen aber auch angewandt werden.“ Das sehen die meisten an diesem Mittag so. Die Stimmung ist kämpferisch. Zumindest in den vorderen Reihen, die hinteren kämpfen eher mit der Akustik. Die Baustelle an der Junghofstraße agiert da nicht gerade hilfreich.

Aber die Veranstaltenden, Frankfurter Parteien, Deutsch-Ukrainische Gesellschaft, die Europa Union Frankfurt, der Rat der Religionen, haben nicht mit dem Andrang gerechnet. Bühne und Mikrofonanlage wirken bescheiden angesichts der 7000 Menschen.

Helfen

Der Ukrainische Verein Frankfurt koordiniert Hilfsangebote für die Menschen in der Ukraine. Vor allem Geldspenden sind willkommen. Viele Hilfsgüter könnten deutlich günstiger in Polen erworben werden. Der Verein sucht aber auch Menschen, die bereit wären, flüchtenden Familien Unterschlupf zu gewähren. sky

Info zu Spendenkonten und Adressen finden sich auf der Website: www.ukraine-frankfurt.de

Alt und Jung stehen zusammen, Familien. Viele tragen blaugelbe Fahnen oder Schilder, auch die georgische Flagge ist zu sehen und die aus Belarus. Immer wieder erklingt der Schlachtruf vom Euromaidan, der Revolution in der Ukraine: „Slawa Ukrajini – Herojam Slawa“, zu Deutsch: „Ruhm der Ukraine – den Helden Ruhm“. Es sind aber bei weitem nicht alle Teilnehmenden aus der ukrainischen Community, zumindest singen gar nicht so viele die Nationalhymne mit.

Alexander Wagner gelingt es nicht, die Versammlung auf seine Seite zu ziehen. Klar, der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds in Frankfurt verurteilt den „brutalen“ Bruch des Völkerrechts und fordert Putin auf, die Angriffe einzustellen. Doch Wagner warnt auch vor „Säbelrasseln“, vor „militärischen Drohgebärden“. Um nicht einen „unkontrollierbaren Flächenbrand“ zu entfachen. „Deeskalation ist das Gebot der Stunde.“

Das möchte aber niemand hören. Die Menschen buhen Wagner aus. Zu dem Zeitpunkt beharrt die Bundesrepublik noch darauf, keine Waffen in die Ukraine zu liefern. Um 14 Uhr ist Deutschland auch das letzte verbliebene EU-Land, das die Russische Föderation nicht vom Swift-Verfahren abkoppeln will. All das wird die Bundesregierung im Lauf des Tages revidieren. Mittags ist das noch nicht klar. Pazifisten haben da einen schweren Stand.

Wagner versucht noch einmal anzusetzen. Findet aber kein Gehör. Schließlich ergreift der ukrainische Generalkonsul Vadym Kostiuk das Mikro. Wer nun erwartet, er würde die Menschen um etwas Geduld bitten und den Gewerkschafter ausreden lassen, liegt daneben. „Das Publikum zeigt die richtige Reaktion“, sagt Kostiuk. Das müsse man verstehen. „Wir brauchen eure Solidarität, Unterstützung und Mitgefühl.“ Aber keine „lange Reden“. Sondern praktische Dinge: Verteidigungswaffen, Nahrungsmittel, Verbandsmaterial.

Zu praktisch darf man aber auch nicht denken. Die Erfahrung macht Emre Telyakar, Frankfurter Stadtverordneter der Grünen. Er ruft Frankfurterinnen und Frankfurter auf, zu helfen, Flüchtenden aus der Ukraine einen sicheren Ort zu schaffen, vielleicht sogar eine neue Heimat. Die Reaktion aus der Menge ist eindeutig: „Wir brauchen ein Zuhause in der Ukraine“, rufen ihm die Menschen entgegen. „Wir möchten nicht fliehen müssen.“ „Schützt unseren Luftraum“, fordern mehrere junge Frauen. „Rettet unser Land.“ Nach Ende der Kundgebung zerstreuen sich die Menschen langsam. Ein paar ziehen am Nachmittag vor das russische Generalkonsulat. Am Sonntag demonstrieren rund 60 Menschen auf dem Römerberg gegen den Krieg. Nach Polizeiangaben versammelten sich bis zum frühen Nachmittag 120 Menschen am russischen Generalkonsulat. Weiterer Bericht Seite F4

Die Forderung: Stop war in Ukraine!
Die Forderung: Stop war in Ukraine! © Michael Schick

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