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Das Frankfurter Waldstadion als „Leuchtturm in Europa“

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Von: Thomas Stillbauer

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Das Eckige muss ins Ovale. Blick auf die Baustelle.
Das Eckige muss ins Ovale. Blick auf die Baustelle. © Peter Jülich

Die Eintracht-Fankurve wird eifrig ausgebaut, die Eröffnung zur nächsten Saison ist in Sicht, doch die Kosten liegen im Nebel.

Da – schon die nächste Gelegenheit im Waldstadion. Das Geschehen konzentriert sich auf die Kurve, in der gewöhnlich die treusten Eintrachtfans stehen. Das sieht gut aus, sieht gut aus, sieht gut aus … der sitzt! Volltreffer! Der riesige Kran hat ein monumentales Betonteil in die Nordwesttribüne eingepasst.

Mittwochnachmittag, natürlich ist kein Fußball im Waldstadion. Der Zeitpunkt des Besichtigungstermins auf der Baustelle lässt auch darauf schließen, dass von vornherein kein allzu großes Interesse daran bestand, der deutschen Mannschaft dabei zuzusehen, wie sie bei der WM in Katar gegen Japan verlor. Viel spannender ist doch für Frankfurt, was der Baufortschritt am erweiterten Stadion so macht.

Jetzt kommen die großen Bauteile

Und? Gut, sagt Planungsdezernent Mike Josef (SPD), „wir sind in der Zeitplanung“ und „es geht jetzt in die heiße Phase des Umbaus“. Ziel ist es, die Kurve so umzubauen, dass knapp 60 000 statt der bisherigen 51 500 Zuschauerinnen und Zuschauer im Stadion Platz finden, und zwar bis zum Beginn der nächsten Saison. In der kommenden Sommerpause soll alles fertiggestellt werden. Bis dahin nutzen die Baufirmen jeweils die Pausen zwischen den Heimspielen der Eintracht, um weiterzuschaffen. „Jetzt geht es los mit den großen Montagen“, sagt Hans Joachim Paap vom Architektenbüro GMP.

Draußen auf der Baustelle ist schon zu erahnen, wie das einmal aussehen wird. Ganz unten trotzen die Wellenbrecher der Stehränge mit den vielen Aufklebern dem geräuschvollen Treiben, ganz oben bereiten sich die blauen Plastikschalen der Sitzplätze auf ihre letzte Bundesligarückrunde (und ihr erstes Champions-League-Achtelfinale) vor. Dazwischen nimmt die Kurve langsam ihre künftige Treppengestalt an. Das Fundament ist bereits verstärkt worden, um die künftig größere Last zu tragen.

AUSBAU

Bis zu 60 000 Plätze soll das Frankfurter Waldstadion von der nächsten Saison an dem Publikum bieten – 8500 mehr als bisher.

Um die Erweiterung hauptsächlich im Stehplatzsektor zu erreichen, läuft seit Beginn der WM-Pause die „Verdichtung nach innen“, wie Architekt Hans Joachim Paap erklärte. Teure Logen weichen für mehr günstige Stehplätze im Oberrang der Nordwestkurve.

In der Bauphase bis zum Beginn der Saison 2023/2024 wird das Stadion etwa 1500 Plätze weniger als gewohnt haben; sie müssen vorübergehend für den Umbau wegfallen.

Langfristig könnten sich die EintrachtFans aber auf noch mehr Stadionatmosphäre freuen, sagte Stadtrat Mike Josef – und auf noch größere Chancen bei Bewerbungen für internationale Großereignisse.

„Ganz klares Ziel ist es, das Stadion zum absoluten Leuchtturm in Europa auszubauen“, schwärmt Axel Hellmann, der Vorstandssprecher der Eintracht. Schon jetzt sei es mit durchschnittlich 49 000 Besucherinnen und Besuchern pro Spiel ein Erfolgsmodell und „die erfolgreichste Konzertveranstaltungsarena Europas“. Hellmann betont, dass für die Erweiterung teure Logen und Sitzplätze weichen, um Stehrängen Platz zu machen. „Wirtschaftlich profitabel ist das kurzfristig nicht“, sagt er, „aber langfristig werden sich die Investitionen auszahlen.“

Ziele sind faire Preise für Fans - und Nachhaltigkeit

Dabei gehe es der Eintracht besonders um die jungen Fans. Für sie die Preise niedrig zu halten – Stehplätze sind billiger als Sitzplätze – sei das Ziel, so Hellmann. „Wir haben beschlossen, die Preisstruktur für junge Menschen und sozial Benachteiligte im Rahmen zu halten“, außerdem werde es pro Spiel 1000 Karten für Schulen und Sportvereine geben, um Kindern die Freude an der Eintracht zu vermitteln. Eine Entwicklung wie in England, wo das Publikum älter, betuchter (und leiser) geworden sei, „kann nicht der Anspruch von Eintracht Frankfurt sein“, sagt Hellmann.

Draußen lärmen die Geräte – wieder ein Bauteil souverän verwandelt. Josef spricht vom nachhaltigen Stadionausbau, von LED-Flutlicht, Regenwasserzisternen für die acht zusätzlichen Toiletten, von mehr Platz fürs Rollstuhl fahrende Publikum und mehr Fahrradabstellflächen. Wovon der Planungsstadtrat nicht spricht, sind die Kosten des Ausbaus, die die Stadt trägt. Die könne er noch nicht beziffern, sagt Josef. „Aber ich kann am Ende sagen: Dazu stehe ich, das ist eine Investition für die Frankfurterinnen und Frankfurter.“

Erbaut: Stadtrat Josef (li.) und Eintracht-Vorstand Hellmann.
Erbaut: Stadtrat Josef (li.) und Eintracht-Vorstand Hellmann. © Peter Jülich

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