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„In der Welt des Sports fühle ich mich nie fremd“

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Jordy Kambandje stammt aus dem Kongo und hat die letzten Jahre in der Ukraine gelebt. Bild: Rolf Oeser
Jordy Kambandje stammt aus dem Kongo und hat die letzten Jahre in der Ukraine gelebt. Bild: Rolf Oeser © Rolf Oeser

Jordy Kambandje lebt erst seit wenigen Monaten in Frankfurt. Beim Sportverein FTG macht der Tänzer jetzt ein soziales Jahr – und bringt Kindern das Tanzen bei.

Jordy Kambandje ist 26 Jahre alt und macht derzeit sein FSJ bei der FTG Frankfurt. In dem Sportverein trainiert er Kinder im Turnen, Fußball und Tanzen. Er hat Erfahrungen damit, sich an einem neuen Ort zurechtzufinden – vor drei Jahren ging er in die Ukraine, um dort Business Management zu studieren, lernte dort Englisch. Aufgewachsen ist er in Kolwezi im Kongo. Im Februar musste er wegen des Krieges von der Ukraine nach Deutschland fliehen.

Seit er zwölf Jahre alt ist, spielt er Fußball, zuerst in einem Team in seiner Stadt. Seit er sieben Jahre alt ist, tanzt er auch. Zum Studium zog er nach Lwiw, eine Stadt im Westen der Ukraine, nur 80 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt. Dort arbeitete er als Tanzlehrer. Die Stadt habe er ausgewählt, weil sie ihm offen schien für Fremde, man helfe einander auf der Straße, es sei ein bisschen multikulturell.

„Wenn man irgendwo neu ist, ist man immer ein bisschen zurückhaltend. Man muss sich überwinden, mit fremden Personen zu sprechen, man weiß nicht, ob man etwas tun darf oder nicht. Ich selbst habe das Glück, dass ich eine Person bin, die gerne Neues ausprobiert. Deswegen habe ich weniger Angst, auf neue Menschen zuzugehen. Das hilft mir, mich zu integrieren“, sagt Kambandje.

Viele Dinge hier hätten ihn überrascht. „Deutschland und die Ukraine sind so unterschiedlich. Hier sprechen viele Menschen Englisch, das finde ich toll. Im Sport bekommt hier jeder eine Chance. Sport generell ist eine eigene Sprache. Die Menschen denken im Team. Wenn eine Person, zum Beispiel der Coach oder Teamkollegen, dich akzeptiert, tun das alle.“

Bei seinem Ankommen in Deutschland habe ihn die Evangelische Französisch-Reformierte Gemeinde sehr unterstützt. Eigentlich hätte er nach seiner Ankunft gerne direkt weiterstudiert. Aber wegen der Sprache und der noch ausstehenden Aufenthaltsgenehmigung ging das nicht. Er habe sich dann beim FTG für das FSJ beworben, weil er schon Erfahrungen im Arbeiten mit Kindern hatte. „Ich mag die Atmosphäre hier im Verein sehr gerne, die Leute helfen mir, mich hier zurechtzufinden. Ich mag mein Team, sie sind immer für mich da, ich arbeite sehr gerne hier.“

Ist das mit der Sprache auch für die Kinder ein Problem? „Viele sprechen Englisch oder Französisch, manche sogar Ukrainisch. Und ich kenne die wichtigsten Worte, so was wie: Achtung, das ist gefährlich. Bei Kindern muss ja auch die Grammatik nicht perfekt sein, ich lerne viel von ihnen. Und ich bin meistens mit einer Person, die Deutsch spricht und im Notfall übersetzen kann. Ich glaube, Menschen denken, das ist ein einfacher Job. Aber man muss Kindern viel Liebe geben, versuchen, sie zu verstehen. Man muss sehr sensibel sein, das ist auch ein Talent.“

Er merke, dass es viele unausgesprochene Regeln gebe, die aber auch sehr wichtig für Deutschland seien. „Zum Beispiel das mit der Mülltrennung: Man muss erst mal verstehen, dass Plastik, Essensreste und Papier getrennt werden müssen. Aber weil jeder das tut, übernimmt er Verantwortung für die ganze Gesellschaft. Das beeindruckt mich.“

Hier in der FTG fühlt er sich schon nach kurzer Zeit schon sehr zu Hause. „Hier bin ich ja auch jeden Tag. Und in der Welt des Sports fühle ich mich nie fremd. Da wird man überall akzeptiert!“

Kambandje möchte in Frankfurt bleiben und kann sich vorstellen, weiter als Tanztrainer aktiv zu sein. In Zukunft würde er aber auch gerne einfach wieder Student sein. „Aber ich brauche dafür eine Aufenthaltsgenehmigung, ohne die kann ich das nicht tun. Und ich muss die Sprache lernen. Das ist der erste große Schritt, um hier anzukommen.“

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