Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Anwältin für Ausländer- und Asylrecht, Nizaqete Bislimi, erhält für ihre Autobiografie „Durch die Wand“ den Buchpreis der Immigrationsbuchmesse. imago
+
Die Anwältin für Ausländer- und Asylrecht, Nizaqete Bislimi, erhält für ihre Autobiografie „Durch die Wand“ den Buchpreis der Immigrationsbuchmesse. imago

Messe

Immigrationsbuchmesse: Von Frankfurt in die ganze Welt

  • Stefan Simon
    VonStefan Simon
    schließen

Die Immigrationsbuchmesse würdigt die Opfer des Hanauer Anschlags vom 19. Februar 2020. Der Buchpreis geht an Nizaqete Bislimi für ihre Autobiografie „Durch die Wand“.

Wenn Hamidul Khan über die Frankfurter Immigrationsbuchmesse redet, dann leuchten seine Augen. Der aus Bangladesh stammende Khan hat diese besondere Messe vor zehn Jahren gegründet. „Damals fingen wir ganz klein an“, sagt er. Und dann wurde sie von Jahr zu Jahr immer größer.

Bei der Messe im Jahr 2017 erlebte Khan einschneidende Momente. Ihm wurde bewusst, welchen Stellenwert die Immigrationsbuchmesse mittlerweile in der Stadt und der Region hatte. Der damalige Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) und der Moderator Michel Friedman hielten Vorträge, der Maler Max Weinberg stellte aus. An allen drei Tagen sei die Messe voll gewesen, sagt Khan. „Da merkte ich dann, welchen wichtigen Beitrag wir für die Kulturarbeit im Rhein-Main-Gebiet halten“, sagt Khan.

Für ihn habe die Immigrationsbuchmesse und das zehnjährige Bestehen eine ganz besondere Bedeutung. „Frankfurt ist multikulti. Hier leben Menschen aus 180 Nationen. Wir haben es geschafft, all diese Nationen unter ein Dach zu bringen.“ Die Immigrationsbuchmesse besticht durch ihr einzigartiges Konzept. Autorinnen und Autoren sowie Verlage mit Migrationsschwerpunkt kommen zu Wort. Durch Lesungen, Vorträge und Musik sowie der Bücherschau der teilnehmenden Verlage soll die Vielfalt und Diversität der Stadt zelebriert werden.

Dabei stehen die Themen Einwanderung, Integration und Menschenrechte im Mittelpunkt. Ziel ist die Integration der in der Stadt Frankfurt lebenden Menschen mit Migrationsbiografie, die Förderung des friedlichen Zusammenlebens unterschiedlicher Kulturen und der interkulturelle Austausch.

In diesem Jahr allerdings muss die Immigrationsbuchmesse kleiner ausfallen. Nachdem die Stadt Frankfurt am Mittwoch die Corona-Regeln aufgrund der steigenden Inzidenz verschärft hat, sind nur maximal 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erlaubt. Genesene und Geimpfte zählen nicht mit. „Vor Ort können sich die Gäste über die Luca App registrieren oder einen Kontaktnachverfolgungsbogen ausfüllen“, sagt Mitorganisatorin Sybille Vogl. Eine Maskenpflicht hingegen zählt offiziell nicht.

10 000 Euro müssen die Veranstalter normalerweise jährlich aufbringen. Doch da die Veranstaltung in diesem Jahr eben kleiner ausfällt, stehen ihnen 5000 Euro zur Verfügung, unterstützt vom Land Hessen und der Stadt Frankfurt. „Wir hoffen jedoch noch auf den einen oder anderen Zuschuss. Die Autorinnen und Autoren sollen schließlich ihr Honorar erhalten. Sie hatten es in der Corona-Zeit schon schwer genug“, sagt Mitorganisatorin Susanne Czuba-Konrad.

Die Frankfurter Immigrationsbuchmesse findet in diesem Jahr zudem unter besonderen Vorzeichen statt. Denn die Veranstaltung ist den Opfern des Hanauer Anschlags vom 19. Februar 2020 gewidmet. Ayla Kurtović und Saida Hashemi, die Schwestern der Opfer Hamza Kurtović und Said Nesar Hashemi, haben sich nach der grausamen Tat gegen jede Form des Hasses und der Vergeltung ausgesprochen. Dafür wird ihnen auf der Veranstaltung der Immigrationsbuchmesse-Integrationspreis verliehen.

Immigrationsbuchmesse

Die Messe findet statt am Samstag, 4. September und am Sonntag, 5. September am „Bolzplatz“ am Max-Kirschner-Weg, am Ende der Ludwig-Reinheimer-Straße in Frankfurt-Heddernheim.

Das detaillierte Programm und die ausstellenden Verlage finden sich unter www.immigrationsbuchmesse-ffm.org. stn

Ein weiterer Höhepunkt der Messe ist die Verleihung des Buchpreises an Nizaqete Bislimi für ihre Autobiografie „Durch die Wand“ (Dumont). Bislimi erzählt ihre Lebensgeschichte, wie sie 14 Jahre lang mit ihrer Familie in Flüchtlingsunterkünften lebte und im Status der Duldung. 14 Jahre ohne Lebensperspektive. Trotz all dieser Widerstände hat es die Roma Bislimi mit eisernem Willen, aber auch mit der Unterstützung von vorurteilsfreien Menschen geschafft, sich ein Leben in Deutschland aufzubauen. Heute arbeitet sie als Anwältin für Ausländer- und Asylrecht.

Als prominente Autorinnen lesen Canan Topcu („Das ist nicht mein Anti-Rassismus“, Lübbe) am Samstag. Und Safiye Can liest aus ihrem Buch („Rose und Nachtigall“) und erstmals aus ihrem neuen Lyrikband („Poesie und Pandemie“, Wallstein) am Sonntag unter den Pavillons auf der grünen Wiese. Topcu, die frühere langjährige Redakteurin der Frankfurter Rundschau, will in ihrem Buch mit den Vorurteilen und Stereotypen in der Antirassismusdiskussion aufräumen.

Safiye Can sei der Messe von Anfang an sehr verbunden, sagt Czuba-Konrad. „Sie hat sich von einer Aktivistin zu einer anerkannten Autorin entwickelt. Dabei hat sie nie die Bodenhaftung verloren. Sie ist der Immigrationsbuchmesse von Beginn an sehr verbunden und hat sofort zugesagt, als wir sie eingeladen haben.“

Ganz besonders freuen sich die Organisator:innen auf die Buchvorstellung über den im Jahr 2008 verstorbenen Jean-Claude Diallo („Ein Frankfurter aus Afrika“, Nomen-Verlag). Diallo war Minister der Republik Guinea und Integrationsdezernent der Stadt Frankfurt.

In diesem Jahr halten Staatssekretärin und Schirmherrin Ayse Asar und der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) Grußworte. Zur Eröffnung halten auch die beiden Landtagsabgeordneten Martina Feldmayer (Grüne) und Turgut Yüksel (SPD) Reden.

Im Vorfeld lobt Schirrmherrin Asar die Immigrationsbuchmesse als „ein gelungenes Beispiel für gelebte kulturelle Vielfalt in Frankfurt und ganz Hessen“. Die Messe biete die Möglichkeit, „sich auszutauschen und mehr über die Lebenswirklichkeit von Migrantinnen und Migranten sowie ihre Erfahrungen und Schwierigkeiten in unserer Gesellschaft zu erfahren“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare