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Zwölf Verlage präsentierten im Historischen Museum Bücher zum Thema Migration.

Immigrationsbuchmesse  

Literatur als Brückenbauer in Frankfurt

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Die Immigrationsbuchmesse will die Vielfalt der Kultur in Frankfurt zeigen. Am Wochenede las dort etwa Gretchen Dutschke aus ihrem neuen Buch vor.

Die Immigrationsbuchmesse ist eine eher intime Angelegenheit. Zwölf Verlage präsentieren sich an Ständen im Leopold-Sonnemann-Saal des Historischen Museums, haben Romane, Erzählungen, Sachbücher dabei, in denen es schwerpunktmäßig um Migration und interkulturellen Austausch geht. Zwei Tage lang lesen Autoren in dem Museumssaal und der Evangelischen Akademie aus ihren Werken vor. Es gibt Vorträge und Diskussionen,

Das Selbstbewusstsein der Organisatoren aber, die die kleine, aber anspruchsvolle Veranstaltung zum achten Mal ehrenamtlich gestemmt haben, ist durchaus groß. Bei der Immigrationsbuchmesse gehe es um Kultur und Kommunikation, bei der großen Frankfurter Buchmesse um Kommerz, sagt Hamidul Khan, der die Bücherschau mit Fokus auf Migration einst ins Leben rief. Die Migrationsbuchmesse sei wichtig, um die literarische Vielfalt in Frankfurt zu zeigen, sagt Mitorganisatorin Susanne Konrad. Man solle den Literaturbetrieb nicht allein den herrschenden Schichten überlassen, sondern auch andere zu Wort kommen lassen.

Die wohl prominenteste Autorin, die die Veranstalter diesmal verpflichtet haben, ist Gretchen Dutschke. Die Witwe des Studentenführers Rudi Dutschke liest aus ihrem Buch „1968: Worauf wir stolz sein dürfen“. Inzwischen sei sie deutsche Staatsbürgerin. Sie wisse aber noch sehr genau, wie es ist, ausgeschlossen zu sein, sagt Dutschke am Samstagmorgen bei der Eröffnung der kleinen Messe. Und berichtet, wie sie 1995 ausgewiesen wurde. Sie schrieb an einem Buch, als ihr Visum für Deutschland auslief. Weil sie keine feste Arbeit, kein regelmäßiges Einkommen hatte, musste sie das Land verlassen. Vor etwa 60 Zuhörern wirbt sie nun für ein Einwanderungsgesetz, das es allen, die hier leben und etwas schaffen wollen, erlauben soll, in Deutschland zu bleiben.

Jürgen Flügge bei einer szenischen Lesung.

Literatur könne Brücken bauen, etwa zwischen Menschen, die hier schon leben, und solchen, die zuziehen, sagt die neue hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn (Grüne), in ihrer Eröffnungsrede. Dazu trage die Immigrationsbuchmesse bei, die selbst ein wunderbares Beispiel für gelebte Vielfalt sei.

Die Einwanderung habe eine neue Kultur in den Großstädten hervorgebracht, dazu beigetragen, dass Frankfurt eine attraktive, multikulturelle Metropole ist, sagt der Landtagsabgeordnete Turgut Yüksel (SPD). Obwohl es in Deutschland sehr erfolgreiche Schriftsteller und Filmregisseure mit Migrationshintergrund gebe, werde die Kultur der Zugewanderten aber oft noch auf kulinarische Spezialitäten reduziert, kritisiert er.

Die Politik müsse mehr tun, damit mehr Migranten an der Kultur in Frankfurt partizipieren. Der Direktor des Historischen Museums, Jan Gerchow, geht auf die lange Tradition der Buchmesse wie auf die lange Geschichte der Zuwanderung nach Frankfurt ein. Schon bei den ersten Verlegern in der Stadt habe es sich um Zugewanderte gehandelt, sagt er. Die Immigrationsmesse passe daher zu keiner Stadt so gut wie zu Frankfurt.

Der Buchpreis der Immigrationsbuchmesse ging diesmal an die deutsch-ausländische Vereinigung Schwalbach, die das Buch „Zuhause in Schwalbach. Eine Stadt erzählt“ herausgegeben hat. In diesem schildern 70 Autorinnen und Autoren, Deutschstämmige wie Immigrierte, ihr Leben in der Kleinstadt. Und mit seinem Integrationspreis zeichnete der die Messe organisierende Verein Jugendliche aus, die sich für die Messe und andere Aktionen gegen Fremdenhass und für Integration engagiert haben.

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