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Ajla Kurtovic setzt sich für Aufklärung ein. Kai Pfaffenbach/AFP
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Ajla Kurtovic setzt sich für Aufklärung ein. Kai Pfaffenbach/AFP

Saida Hashemi und Ajla Kurtovic

Immigrationsbuchmesse Frankfurt: „Hass darf nicht siegen“

  • Gregor Haschnik
    VonGregor Haschnik
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Die Hanauerinnen Saida Hashemi und Ajla Kurtovic werden mit dem Integrationspreis der Buchmesse geehrt.

Ihre bewegenden Reden während der zentralen Trauerfeier nach dem Terroranschlag von Hanau gingen um die Welt. „Nein, ich empfinde keinen Hass. Ich möchte an dieser Stelle deutlich machen, dass Hass den Täter zu dieser rassistischen Tat getrieben hat. Damit liegen Rassismus und Hass sehr nah beieinander. Ich will, dass wir uns alle von Hass abgrenzen“, sagte Ajla Kurtovic.

Saida Hashemi betonte: „Alle Menschen sind gleich und haben es verdient, in einem Land ohne Angst zu leben. Wir möchten nicht in unserer Heimat in Angst leben.“ Sie appellierte an den Zusammenhalt und fügte hinzu: „Diese Tat ändert nichts daran, wer wir sind und woran wir glauben.“

Kurz zuvor, am 19. Februar 2020, waren ihre Brüder Hamza Kurtovic und Said Nesar Hashemi aus rassistischen Motiven ermordet worden, ebenso wie Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Mercedes Kierpacz, Vili Viorel Paun, Fatih Saraçoglu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov.

Ajla Kurtovic und Saida Hashemi halten seither die Erinnerung an ihre Brüder und die anderen Getöteten wach und setzen sich für Aufklärung ein, für Respekt, gegen Hass. Dafür werden sie am Wochenende mit dem Integrationspreis der Immigrationsbuchmesse ausgezeichnet. Sie seien beeindruckende Botschafterinnen des Verzeihens, sagt Hamidul Khan, Gründer der Messe. Nach dem unfassbar schweren Verlust ihrer Brüder hätten sie sich klar gegen jede Art der Vergeltung ausgesprochen, so Khan. Nicht Rachegedanken, sondern Großmut und ihr Engagement für interkulturelle Verständigung leiteten sie, lobt die Jury, der die Organisator:innen angehören. Diesen Gedanken fühle sich auch die Messe verpflichtet. Ziel sei ein lebendiges Miteinander, bei dem nicht mehr gefragt werde, woher jemand komme, sondern jeder als Mensch geschätzt werde.

Die Preisträgerinnen erheben immer wieder ihre Stimme, etwa in Redebeiträgen. Saida Hashemi, die 2020 ihr Lehramtsstudium abschloss, engagiert sich auch in der Politik; sie wurde ins Hanauer Parlament gewählt und ist dort Teil der SPD-Fraktion, wo Bildungs- und Integrationspolitik ihre Schwerpunkte sind. Es komme darauf an, zu handeln und nicht nur zu reden, sie wolle Vorbild sein, hat sie in einem Interview über ihre Motivation gesagt.

Das treibt auch Ajla Kurtovic an, die vom Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt bereits zur Botschafterin für Demokratie und Toleranz ernannt worden ist. Sie könne sich gut an die große Trauerfeier erinnert, erzählt sie. Dort zu sprechen habe sie viel Überwindung gekostet, „aber ich habe an meinen Bruder Hamza gedacht und für ihn meine ganze Kraft zusammengenommen“. Es sei ihr wichtig gewesen, an dem Abend zu verdeutlichen, dass „die Tat uns nicht spalten, der Hass nicht siegen darf“, sagt die Steuerfachwirtin. Sie freue sich über den Preis der Immigrationsbuchmesse, er gebe Auftrieb.

Gleichzeitig denke sie an den Anschlag zurück, fühle sich manchmal wie in einem Schockzustand: „Ich könnte ruhiger leben, wenn die Tat lückenlos aufgeklärt wäre und Fehler benannt worden wären. Konsequenzen wurden auch so gut wie gar nicht gezogen.“ Das müsse aber dringend passieren, auch im Sinne der Gesellschaft, um solch einen Anschlag in Zukunft zu verhindern. „Ich mache weiter. Ich werde weiterhin dafür kämpfen, dass sich etwas ändert, für meinen Bruder.“

Saida Hashemi engagiert sich in der Politik. Kai Pfaffenbach/AFP

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