Wallanlagen
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Frankfurt

Immer wieder Kampf um das Grün

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Die Frankfurter Wallanlagen und ihre wechselvolle Geschichte.

Die parkähnlichen Wallanlagen in Frankfurt am Main sind paradoxerweise ein Ergebnis des militärischen Fortschritts. Ende des 18. Jahrhunderts wurde immer offensichtlicher, dass die alte Frankfurter Stadtmauer rund um die Innenstadt militärisch keinen Sinn mehr hatte. Die Mauern hätten den modernen, mit Pulver geladenen Kanonen nicht mehr standgehalten, oder die Geschütze hätten schlicht darüber hinweggefeuert.

1802 beschloss der Rat der Stadt deshalb den Abriss der alten Befestigungsanlagen. An ihrer Stelle sollte ein öffentlicher „Volkspark“ rund um den Stadtkern entstehen. Mit der Planung wurde der Gartenarchitekt Sebastian Rinz beauftragt.

Er schuf das Konzept der Grünanlagen, wie es sie im Kern noch heute gibt. 1806 bis 1812 wurden dann die alten Befestigungsanlagen geschleift. Nur die alten Stadttore wie etwa der Eschenheimer Turm blieben stehen.

Die Wallanlagen ziehen sich als Ring um die Frankfurter Innenstadt und unterteilen sich in sieben Abschnitte. Folgt man dem Uhrzeigersinn, sind das Untermainanlage, Gallusanlage, Taunusanlage, Bockenheimer Anlage, Eschenheimer Anlage, Friedberger Anlage und Obermainanlage. Schon 1827 erließ die Stadt eine besondere Verordnung, um die natürlichen Flächen vor allem vor Bebauung zu schützen. Das war die sogenannte Wallservitut, die im Grundsatz noch heute gilt, gegen die aber im Lauf der Zeit vielfach verstoßen wurde. Das erklärt, warum gerade heute, in Zeiten des Klimawandels und der massiven Bedrohung der Umwelt, die politische Diskussion um mögliche weitere Eingriffe in die Wallanlagen so verbissen geführt wird.

Schon Ende 1813, also kurz nach der Fertigstellung, erlebten die Wallanlagen ihre erste schwere Beschädigung. Die französischen Truppen mit Napoleon an der Spitze hatten in den Tagen vom 16. bis 19. Oktober die Völkerschlacht bei Leipzig verloren und fluteten zum Teil in wilder Flucht nach Westen in Richtung Frankreich. Dabei zogen Truppenteile auch durch Frankfurt und verwüsteten das neue Grün in der Innenstadt.

Später waren es dann immer wieder Bauprojekte, die in die Natur der Wallanlagen eingriffen. Schon das neue Schauspielhaus am Theaterplatz, dem heutigen Willy-Brandt-Platz, entstand 1902 nach einem Eingriff in die geschützten Flächen. Auch die Oper war im 19. Jahrhundert in die Wallanlagen hineingebaut worden, sie wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, blieb lange als Ruine stehen und wurde 1981 durch das Konzerthaus Alte Oper ersetzt. Eine der jüngsten Bausünden, die schwer umkämpft war, ist das von 2012 bis 2016 neben der Alten Oper errichtete Luxushotel, für das zahlreiche alte Bäume fallen mussten. Anwohner zogen vergeblich bis vor den Bundesgerichtshof, um das zu verhindern. Auch das 1998 eröffnete Hilton Hotel an der Hochstraße ragt in die Wallanlagen hinein.

Neuestes Projekt ist jetzt der von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) vorgeschlagene Bau eines neuen Opernhauses auf dem Grundstück Neue Mainzer Straße 47–51. Auch das würde in die Wallanlagen eingreifen. Hartwig verspricht, dass dieser Eingriff so klein wie möglich ausfällt.

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