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Kein seltenes Bild: Gottesdienst vor leeren Reihen. Bild: dpa
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Kein seltenes Bild: Gottesdienst vor leeren Reihen. Bild: dpa

Kirche

Immer mehr Kirchenaustritte in Frankfurt

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Dabei ist es gar nicht so einfach, dafür einen Termin zu bekommen.

Es werden täglich weniger. Bis Ende April waren in diesem Jahr bereits 2496 Menschen in Frankfurt aus der Kirche ausgetreten. Mehr als 600 monatlich. Die Austrittswelle ist keine Momentaufnahme. Schon 2019 waren laut Bürgeramt 7118 Menschen ausgetreten, im vergangenen Jahr waren es etwa ebenso viele, wobei die Zahl wegen der Pandemie statistisch nicht genau erfasst wurde.

Glaubt man der kirchenkritischen Giordano-Bruno-Stiftung, wären die Austrittszahlen noch weit höher, wenn es den Menschen nicht so schwergemacht würde, aus der Kirche auszutreten. Denn für den Austritt ist ein Gang zur Behörde notwendig und Termine dafür sind nicht leicht zu erhalten. Die Stiftung hat in einem Selbstversuch in 30 deutschen Städten versucht, Termine für einen Kirchenaustritt zu bekommen.

In Berlin gibt es 18 Wochen Wartezeit, in Düsseldorf und Köln kommen die Behörden gar nicht hinterher. In Marburg war laut Stiftung zum Zeitpunkt des Tests überhaupt kein Termin zu bekommen, da die nächsten fünf Wochen ausgebucht waren und es keine darüber hinausgehende Vergabe gibt. Ein ähnliches Bild gab es demnach in Darmstadt.

Geduld gefragt

In Frankfurt ist die Lage etwas komplexer. Dort werden die Termine auf den sechs Bürgerämtern nur jeweils eine Woche im Voraus vergeben, weil die Erfahrung gezeigt habe, dass längerfristig anberaumte Termine häufiger abgesagt würden. Aus dem Bürgeramt heißt es dazu: „Andere Städte beneiden uns um das System der kurzfristigen Terminvergabe. Denn eine wochenlange Wartezeit auf einen Termin ist für viele Dienstleistungen problematisch.“ Die kurzfristige Vergabe hat aber auch Nachteile. Insgesamt immerhin 9000 Termine wöchentlich können bei den sechs Bürgerämtern online oder telefonisch gebucht werden. Aber Termine auf dem Bürgeramt sind auch für Pass- und Ausweisangelegenheiten, Anmeldungen, Abmeldungen, Ummeldungen, Meldebescheinigungen, Melderegisterauskünfte, Führungszeugnisse, Auszüge aus dem Gewerbezentralregister, Führerscheinanträge, Beglaubigungen, Verpflichtungserklärungen und Anträge auf Fischereischeine notwendig. Wenn dann noch monatlich mehrere Hundert Kirchenaustritte dazukommen, kann es schon mal eng werden mit einem Termin.

Die Tests zeigen ein uneinheitliches Bild. Während die Giordano-Bruno-Stiftung angibt, in Frankfurt über mehrere Wochen keinen Termin ergattert zu haben, hatte die FR bei der Onlineterminvergabe zumindest in einem von zwei Versuchen mehr Glück. Am Donnerstagvormittag waren in zwei von sechs Bürgerämtern kurzfristig Termine für einen Kirchenaustritt verfügbar, am selben Tag nachmittags hieß es auf der Homepage des Amts: „Leider können wir Ihnen im Moment an keinem Standort einen Termin anbieten. Wir bitten Sie, in den Folgetagen erneut anzufragen. Termine werden kurzfristig angeboten.“

Maximilian Steinhaus von der Giordano-Bruno-Stiftung wirft die Frage auf, warum es überhaupt nötig sei, für einen Austritt aus der Kirche eine Behörde aufzusuchen. Dies könne nicht damit begründet werden, dass es für den Einzug der Kirchensteuer relevant sei. „Es gibt Tausende andere Organisationen, die auch verpflichtet sind, steuerrelevante Daten fristgerecht an die Finanzämter zu melden“, so Steinhaus. In Frankfurt kostet der Austritt aus der Kirche übrigens 30 Euro Verwaltungsgebühr. Trotzdem gehen immer mehr Menschen diesen Schritt.

Die Mitgliederzahl sinkt, die Kirchen müssen sparen. Doch in Frankfurt kämpft eine Initiative gegen den Abriss eines Kirchenbaus. In Darmstadt ringen Dekanate derweil um dass Überleben und neue Strukturen.

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