Frankfurt

Immer mehr Büros im Westend

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Wie die Einwohnerzahlen zeigen, ist das Wohnen im Stadtteil im Laufe der Jahre verdrängt worden.

Als die Zersiedelung des Westends durch immer mehr Bürobauten begann, Ende der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts, zählte das Viertel noch 40 000 Bewohner. Eine Zählung im Jahre 2017 ergab noch 28 558 gemeldete Einwohner im Stadtteil – man kann also ermessen, wie sehr das Wohnen im Laufe der Jahrzehnte verdrängt worden ist.

Das Westend hat mehrfach Geschichte geschrieben. Die Besetzung des leerstehenden Gebäudes Eppsteiner Straße 47 am 19. September 1970 durch Migrantenfamilien und Studierende gilt als erste Hausbesetzung in der Bundesrepublik Deutschland. Ihr sollten viele weitere folgen. Der Kampf um die Wohnhäuser, die Bürobauten weichen sollten, zog sich bis 1974 hin.

Eine der heftigsten Auseinandersetzungen tobte um das besetzte Haus Kettenhofweg 51 im Westend. Am 29. März 1973 versuchte die Polizei zum ersten Mal, das Gelände zu räumen. Aber rund 800 Menschen hatten sich rund um das Haus hinter selbst gebauten Barrikaden aus Müllcontainern, Sofas und einem alten Auto verschanzt und lieferten der Polizei einen erbitterten Kampf.

Über Stunden wogte der Kampf hin und her. Am Ende gab Polizeipräsident Knut Müller (SPD) den Einsatzkräften den Befehl zum Rückzug. Die Besetzer, zu denen auch Müllers Tochter gehörte, hatten einen Etappensieg errungen.

Doch die Polizei gab nicht auf. Am 4. April 1973 griff sie mit mehr als 800 Beamten an, die aus ganz Hessen zusammengezogen worden waren. Der sozialdemokratische Magistrat wollte keine „rechtsfreien Räume“ dulden. Die Räumung gelang. Anstelle des Wohnhauses entstand ein sechsgeschossiges Bürogebäude.

Immer neue Hochhäuser wuchsen im Westend. Berühmt wurde 1973 das sogenannte Selmi-Hochhaus am Platz der Republik, damals der höchste Büroturm der Bundesrepublik. Als 1973 die Hochhausbaustelle Feuer fing, versammelte sich am Sockel des Gebäudes eine jubelnde Menschenmenge.

Drei Jahre später, 1976, erließ die Stadt einen Bebauungsplan für das Westend, der eigentlich keine weiteren Hochhäuser mehr erlaubte. Dennoch entstanden zahlreiche Türme noch danach: Die Doppeltürme der Deutschen Bank an der Mainzer Landstraße wurden 1984 eingeweiht, 1993 folgte das Westend 1 an der Westendstraße, 2006 das Westend Duo an der Bockenheimer Landstraße, später der Opernturm am Opernplatz, der 2009 das wesentlich kleinere Zürich-Hochhaus ersetzte.

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