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Immer dieser Streit um Frauen

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Von: Stefan Behr

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Das Landgericht verhandelt ein uraltes Männerproblem im modischen Gewande

Der Prozess wegen versuchten Totschlags und gemeinschaftlicher Körperverletzung, der seit Dienstag vor der Großen Strafkammer des Landgerichts geführt wird, ist vom Motiv her ein absoluter Klassiker: „Streit um Frauen“, wie es die Anklage etwas konservativ formuliert. Es handelt sich allerdings um eine moderne Variante, die Traditionalist:innen verschrecken könnte.

Hauptakteure sind Mohamad A. - der einzige der vier Angeklagten im Alter von 24 bis 31 Jahren, der sich wegen versuchten Totschlags verantworten muss - und Mali B.,sein Antagonist. Schauplatz ist am späten Abend des 10. Oktobers 2021 die Kriegkstraße im Gallus. Dort treffen sich die Cliquen um A. und B., um einen seit Tagen schwelenden Streit zu schlichten. Und der kam so: A. ist sauer auf B., weil der zuvor eine zu A.s Clique gehörende Frau „sexuell belästigt“ habe - so A. in seiner Einlassung. Und zudem auch weiterhin „auf sein Recht“ poche, die Frau auch weiterhin „gegen ihren Willen sexuell benutzen zu dürfen“.

A. macht zwar nicht den Eindruck, als kämpfe er an vorderster Front für das Recht der Frauen auf Selbstbestimmung, aber der Eindruck mag täuschen. Kämpfen kann er jedenfalls. B. wiederum ist sauer auf A., weil der offenbar B.s Ehefrau dessen außereheliche Affären gepetzt hatte und deshalb der Haussegen schief hängt.

Das eigentlich zur „Streitschlichtung“ geplante Treffen funktioniert nicht so recht. Erst fliegen die Worte, dann die Fäuste, dann zieht A. ein mitgeführtes Küchenmesser und sticht viermal in B.s Oberkörper. Der zeigt sich erstaunlich schmerzfrei, schnappt sich ein Verkehrsschild, das eigentlich eine Feuerwehreinfahrt freihalten soll, und prügelt damit wiederum auf die Gegenpartei ein. Und schon ist aus dem geplanten Friedenspalaver etwas geworden, was die Staatsanwaltschaft als „unübersichtliche Massenschlägerei“ beschreibt. Die lockt immer mehr Publikum an, was schließlich zum Veranstaltungsende führt, da einige der Umstehenden ankündigen, auch noch die Polizei einladen zu wollen. B. rennt A. noch ein wenig verkehrsschildschwingend hinterher, bevor die Messerstiche doch noch ihren Tribut fordern und er es gut sein lässt.

Seinen Kumpels, die A. noch im Kampfe informiert hatten, dass ihrer Meinung nach ein Messer den Begriff der Streitschlichtung ad absurdum führe, hatte dieser geantwortet: „Ist mir egal, er soll sterben!“ Dazu kam es nicht, weshalb nur wegen versuchten Totschlags verhandelt wird. Das Landgericht hat zur Klärung sieben Verhandlungstage bis Mitte Februar angesetzt.

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