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Erika Goerlich schneidet die Hecke vor ihrem Haus. Die 85-Jährige ist in Niederursel geboren und in ihrem Heimatort tief verwurzelt.
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Erika Goerlich schneidet die Hecke vor ihrem Haus. Die 85-Jährige ist in Niederursel geboren und in ihrem Heimatort tief verwurzelt.

Dartpfeil-Reportage

Im Stadtteil Niederursel kocht ein Thai für seine Gäste halal

Der Dartpfeil führt unsere Reporterin zufällig in den Frankfurter Nordwesten. Im Stadtteil Niederursel treffen sich aktive Frühaufsteher und ein Thai kocht für seine Gäste halal.

Der Dartpfeil hat wieder zugeschlagen. Die etwas durchlöcherte Frankfurt-Karte in der Redaktion zeigt deutlich: Es geht in den Nordwesten der Stadt, genauer gesagt nach Niederursel. Und, wie sich erweist: um Sportliebhaber:innen, den Wohnungsmarkt, die Stadtentwicklung und ein Restaurant der besonderen Art.

In Niederursel ist man sportlich. Der dortige Martin-Luther-King-Park bietet zwar nicht mehr als ein paar Wiesenflächen und diverse Sportgeräte für den Eigengebrauch, doch für manche Stadtmenschen wird er an diesem Morgen zum ersten Anlaufpunkt, um erholt und erfrischt in den Tag zu starten.

Manmohan Singh Jakhu kommt auch heute wie jeden Tag zum Training in den Park. Noch eine Einheit Kniebeugen, dann ist er fertig. Gerne nutzt der 52-Jährige die Sportgeräte zum Training von Bauch-, Rücken- und Beinmuskulatur. „Hier kann jeder in jedem Alter an der frischen Luft trainieren“, sagt der Niederurseler. Er lebt seit zehn Jahren im Viertel und schätzt die direkte Verfügbarkeit von Ärzt:innen, Einkaufsmöglichkeiten und eben solchen Parkanlagen.

Praktikantin Alina Hanss hat mit dem Dartpfeil Niederursel getroffen.

Auch Aghdas Rafi und Anji Inoubli hat es heute wieder in den Martin-Luther-King-Park verschlagen. Das Mutter-Tochter-Gespann trainiert ebenfalls täglich, heute auf dem Outdoor-Stepper. Jeden Morgen joggen die beiden die 20-minütige Strecke von ihrem Wohnort Heddernheim nach Niederursel, um mit dem Training den Tag zu beginnen. Die beiden Frauen führen ein Yogazentrum in Heddernheim. „In der Pandemie konnten wir einen Livestream etablieren, sodass Yoga auch in schwierigen Zeiten möglich blieb“, erklärt Tochter Anji Inoubli. Bald joggen die beiden wieder nach Hause, um sich morgen erneut auf den Weg zu machen. Wer hätte gedacht, dass der Zufallstreffer des Dartpfeils so viel Sportsgeist offenbart?

Das Ehepaar Schuhmann ist hingegen ein wenig gemächlicher unterwegs. Wie heute spazieren die Rentnerin und der Rentner zwei bis drei Mal die Woche zum Einkaufen in die benachbarte Nordweststadt.

Der Wurf mit dem Dartpfeil hat ergeben: Für die Reporterin geht es nach Niederursel.

Seit 40 Jahren leben Helene und Fritz Schuhmann in Niederursel. Sie wohnen genossenschaftlich organisiert in einem Haus mit neun Wohnungen. „Die Vonovia hat im gesamten Viertel viele Wohnungen aufgekauft. Viele Mieter sind zu Recht unzufrieden, weil kaum etwas repariert wird“, sagt Helen Schuhmann. In der Wohnungsgenossenschaft sehen beide viele Vorteile. „Seit 20 Jahren gab es für uns keine Mieterhöhung“, freut sich Helene Schuhmann. Zu Beginn mussten sie ihren Anteil zahlen, jetzt bekommen sie jährlich eine Dividende zurück. Die Wohnform könnte für viele Menschen eine Alternative mit Zukunft werden.

Das Rentnerehepaar erfreut sich an den alten Bäumen, die es in Niederursel noch gibt. Im Park steht das Gras hoch, Insekten tummeln sich in den Blüten. Die Geschichte des Viertels reicht bis ins frühe Mittelalter zurück. Heute prägen Betonbauten und Einfamilienhäuser das Stadtbild.

Weiter geht es entlang der Bungalows in Reihenhausanordnung, die den Park umgeben. Die meist einstöckigen Häuser im Stil der 60er-Jahre mit kleinen Vorstadtgärten wechseln sich mit den großen Wohnblocks entlang der Hauptstraße ab. Die Gärten der Mehrfamilienhäuser sind grün, aber unbelebt. Ein kleiner, mit Geranien bepflanzter Blumentopf inmitten des großflächigen Vorgartens sieht ein wenig verloren aus. Hier hat sich jemand besonders viel Mühe gegeben, um den Ausblick aufzuhübschen.

Aghdas Rafi joggt täglich aus Heddernheim zum Training im Martin-Luther-King-Park, um sich fit zu halten.

Niederursel hat sich verändert. Das merkt auch Erika Goerlich, die heute mit einer kleinen Schere die Hecke ihres Vorgartens nachschneidet. Sie ist hier im Jahr 1936 geboren, wohnt seitdem im Viertel und hat die Stadtentwicklung miterlebt. „Ganz früher war hier nichts außer weiten Kornfeldern und rotem Klatschmohn.“ Sie steht vor ihrem Haus und erzählt. Dann sei die Nordweststadt um Niederursel gebaut worden, die den Stadtteil an Frankfurt näher angeschlossen hat.

Die Bahn fährt in kurzen Abständen Richtung Stadtzentrum, die Verkehrsanbindungen an das Rhein-Main-Gebiet sind ausreichend und an Sportmöglichkeiten mangelt es offensichtlich auch nicht - Niederursel spielt ganz vorne mit. Fast minütlich fährt ein Bus in Richtung Nordwestzentrum. Bei den Einkaufsmöglichkeiten im Viertel selbst sehen allerdings viele Bewohner:innen Nachholbedarf.

Der Dartpfeil ist auch in der Nähe des sogenannten Kleinen Zentrums in der Karte stecken geblieben. Einige wenige Geschäfte gibt es in der Einkaufspassage noch, neben einem neuen Supermarkt, einem Kindergarten und einem Jugendraum. Das Kleine Zentrum ist in den letzten Jahren immer seltener zur beliebten Anlaufstelle im Viertel geworden, da es an Attraktivität mangelt und es Probleme mit den Anwohner:innen gibt. Es ist ein wenig düster hier, die Gebäude der Passage sind äußerlich deutlich in die Jahre gekommen.

Chefkoch Apichat Nontong vom Restaurant „Sam’s Thai“ im Kleinen Zentrum kocht thailändisch und halal.

Trotzdem hat hier Ende Mai ein besonderes Restaurant eröffnet. Bei „Sam’s Thai“ gibt es thailändisches Essen, das gleichzeitig auch halal ist. Chefkoch Apichat Nontong erklärt den Hintergrund der eigenen Rezepte. „Viele muslimische Menschen essen gerne thailändisch, konnten bisher in Frankfurt aber kaum Restaurants finden, die Fleisch nach religiösen Schlachtrichtlinien für ihre Gerichte benutzen. Wir wollen ein Angebot, in dem wir beides ganz einfach verbinden.“ Das Lokal bietet Liefer- und Abholservice, aber auch vor Ort stehen innen und außen jeweils 30 Sitzplätze zur Verfügung. Jetzt hofft der Chefkoch, dass trotz Corona das Konzept aufgehen wird.

Um die Ecke stehen zwei Kirchen, auch eine Moschee ist nicht weit. In Niederursel ist es heute Morgen ruhig, aber trotzdem ist der Stadtteil voller Leben. In der Erich-Kästner-Schule ist gerade Pause, die Kinder spielen im Schulhof. Der Dartpfeil hat mal wieder deutlich gemacht, welche unterschiedlichen Ecken es in Frankfurt zu entdecken gibt.

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