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Im Mannschaftsbus mit Grabi und Holz

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Von: Timur Tinç

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Die Eintracht ist für Wolfgang Stillger ein Stück Lebensinhalt.
Die Eintracht ist für Wolfgang Stillger ein Stück Lebensinhalt. © ROLF OESER

Wolfgang Stillger ist seit der Saison 1958/1959 begeisterter Fan von Eintracht Frankfurt. Zum Bundesligaauftakt am Freitag gegen den FC Bayern München ist der 73-Jährige natürlich wieder im Stadion.

Noch heute bekommt Wolfgang Stillger eine Gänsehaut wenn er an den 29. Juni 1959 zurückdenkt. Ganz Frankfurt war gesäumt von Eintracht-Fans. Der kleine Wolfgang, damals zehn Jahre alt, saß auf den Schultern seines Opas. Zusammen warteten sie am Paulsplatz auf die Fußballhelden, die tags zuvor Deutscher Meister geworden sind. „Ich sehe noch heute, wie die Kutsche vorfährt. Wahnsinn. Was da in Frankfurt los war“, erinnert sich der 73-Jährige selig.

Stillger sitzt in seinem Garten, hinter ihm hängt ein Eintracht-Trikot, das er zu seinem 60. Geburtstag geschenkt bekommen hat sowie ein Plakat vom Dokumentationsfilm „Die Rückkehr“, das den Pokaltriumph von 2018 erzählt. Auf einem Din-A4-Blatt hat sich der pensionierte Radio- und Fernsehtechniker seine persönlichen Eintracht-Highlights aufgeschrieben. Die Liste hätte wahrscheinlich noch viel länger sein können.

Zu verdanken hat er die Liebe zur Eintracht dem Opa, der ihn in der Meistersaison 1958/1959 immer an den Riederwald mitgenommen hat, wo die Eintracht zu Oberliga-Zeiten ihre Spiele ausgetragen hat. Das erste Livespiel war ein 4:1 gegen den FSV Frankfurt. Alleine die Anreise aus Unterliederbach, über Höchst, den Frankfurter Hauptbahnhof bis zum Fußballplatz „war ein Tagesritt“. Das erste Liveerlebnis „ganz alleine“ im Waldstadion war das 6:1 im Halbfinal-Hinspiel im Pokal der Landesmeister gegen die Glasgow Rangers. „Wenn ich jetzt auf den Speicher gehe und Sie geben mir ein halbes Jahr Zeit, dann find ich vielleicht ein Programmheft“, sagt Stillger lachend. Er war nie der größte Sammler, sein erstes Trikot hat er sich erst in der Saison 1998/1999 gekauft.

Spieler ins Stadion gefahren

Es sind die Erinnerungen und persönlichen Begegnungen, die für ihn viel mehr wert sind. Er war gut befreundet mit Jürgen Kalb, die beiden kannten sich vom VfB Unterliederbach, wo Stillger selbst gekickt hat. Zum Abschluss seiner Lehre war er 1972 in München, just zu dem Zeitpunkt, als die Eintracht beim FC Bayern spielte. Ein Anruf bei Freund Jürgen und Stillger saß im Mannschaftsbus zusammen mit den Stars wie Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein. Beim Spiel durfte Stillger auf der Bank neben Ersatztorhüter Siegbert Fedhelm Platz nehmen. Zurück ging es im Zug, wo er Grabowski, Hölzenbein und Co näher kennenlernte.

Bei einem Auswärtsspiel in Duisburg, zu dem er gereist war, fuhr er mit ein paar Freunden die Spieler abwechselnd mit dem Auto ins Stadion, weil der Mannschaftsbus nicht gekommen war. „Sowas kann man heute keinem mehr erzählen“, sagt Stillger, der seit 1980 eine Dauerkarte hat. „Über Bernd Hölzenbein“, steht auf der allerersten. Damals saß er auf der Haupttribüne, mittlerweile ist er auf der Gegentribüne. Seit der vergangenen Saison hat er keinen Parkschein mehr, was er ein wenig schade findet. Natürlich wird er auch am Freitag zum Bundesligaauftakt gegen den FC Bayern im Stadion sein.

„Die Eintracht ist ein Stück Lebensinhalt“, sagt Stillger, der ein ganzes Füllhorn von weiteren Anekdoten und Erlebnissen aufzählen kann. Wie er nach dem 5:1-Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern einen Platz vor Oberbürgermeisterin Petra Roth hin und her getanzt ist oder wie er im Urlaub vom dramatischen 6:3-Sieg gegen den SSV Reutlingen und dem Aufstieg in die Bundesliga erfuhr. Zu seinem 70. Geburtstag gab es eine Führung im Eintracht-Museum zu der auch Friedel Lutz kam. „Der erste Spieler von dem ich mir am Riederwald ein Autogramm geholt habe.“

Den Triumphzug in der Europa League hat Stillger am TV-Bildschirm genossen. Die positive Entwicklung des Klubs hat für ihn mit dem Pokalsieg 2018 begonnen. Da war er nicht nur live in Berlin dabei, sondern war auch in der Stadt die Mannschaft feiern. „Am genau gleichen Ort, wo ich 1959 mit meinem Opa gestanden habe. Da hat sich für mich ein Kreis geschlossen.“

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