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Wir wussten, Trampeltiere haben zwei Höcker. Doch sie haben offenbar auch zwei Köpfe. Man sieht: Der Zoobesuch bildet.
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Wir wussten, Trampeltiere haben zwei Höcker. Doch sie haben offenbar auch zwei Köpfe. Man sieht: Der Zoobesuch bildet.

Zoo Frankfurt

Im Frankfurter Zoo macht das Wiedersehen tierisch Freude

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Im Zoo ist der erste Besuchstag nach langer Zeit ein großes, aufregendes Abenteuer – für beide Seiten. Die Ticketbuchung soll bald besser laufen.

Manches, was Sie gleich lesen werden, wirkt vielleicht ein wenig unglaubwürdig. Es ist aber alles wahr, ehrlich. Auch die Sache mit den Einhörnern.

Mittwoch, 9 Uhr, der Zoo ist endlich wieder geöffnet. Am Eingang geht es gesittet zu. Keine Mordsschlange, nur wenige Leute, alle ordnungsgemäß mit Mund-Nasenbären-Schutz und genug Abstand. Da kommen auch schon Iris Fischer und ihre beiden Tierfans Linnea (3) und Erik (5). Auf wen freuen sie sich am meisten? „Nashorn. Und Nilpferd.“

Mit dem Plan sind sie nicht allein. Also schnell hinein, links die Brillenbären begrüßen, weiter zu den Löwen, wo Mähnenchef Kumar gerade König-der-Tiere-mäßig herumbrüllt. „Der hat wahrscheinlich Hunger“, erklärt eine Mutter ihren Söhnen. „Schaut, eben hat er uns eines halben Blickes gewürdigt.“ Das stimmt. Kumar schaut herüber. Und es wird gleich noch besser.

Nashornbulle Kalusho kommt auf den Reporter zu. Das hat er noch nie gemacht. Er guckt. Er hat doch wohl eben nicht zurückgezwinkert. Oder? Das Wiedersehen ist enorm berührend. Gegenüber am Robbenbecken: Die Seebären kommen ganz nah und gucken und machen kleine Kunststücke. Es ist sonst gerade kein Mensch in der Nähe. Es ist eine Privatvorstellung. Es haut einen um, man möchte gar nicht wieder weg. Im Giraffenhaus, ebenfalls menschenleer, gehen die wunderschönen Tiere ein paar Meter neben dem Besucher her und schauen ihn interessiert aus 17 Metern Höhe an. Na gut. Fünf.

„Es ist ein ganz besonderer Tag“, wird Zoodirektor Miguel Casares später sagen. „Die Tiere haben seit vier Monaten nur Leute mit diesen Klamotten gesehen“, er zeigt auf die Tierpflegermontur, die er heute trägt, „sie freuen sich auf Besuch, sie sind neugierig.“

ZOOBESUCH

Nicht ganz reibungslos lief die Onlinebuchung der Zootickets. Viele waren genervt, weil das System abstürzte. Eine Umstellung soll Abhilfe schaffen, sagt Zoo-Sprecherin Christine Kurrle.

Auch telefonisch soll es im Lauf der nächsten 14 Tage möglich werden, eines der Zeitfenster zu reservieren.

Der Anmeldebogen mit den persönlichen Daten muss ausgedruckt und mitgebracht werden – das klappte am ersten Tag schon sehr gut, sagt Zoodirektor Miguel Casares.

Alle Infos: www.zoo-frankfurt.de

Das beruht auf Gegenseitigkeit. Gerade kommen Matthew Vazquez und Tochter Zora (4), die einen der begehrten Plätze am ersten Tag ergattert haben. Das war nicht leicht, das Buchungssystem machte unter der enormen Nachfrage schlapp. „Ich bin dann vom Handy auf den PC gewechselt, irgendwann hat es geklappt“, sagt Vazquez. Aber die Anstrengung war es wert, sagt er. „Es ist lang her, dass wir in den Zoo konnten, die Aufregung ist groß.“ Für welche Tiere schlägt Zoras Herz? „Pferd“, sagt sie. „Und Einhorn.“ Na, mal sehen, ob die heute zu Hause sind im Zoo.

Detlef Saemann ist eindeutig raus aus der Kategorie Kind, hat sich aber trotzdem ein Ticket organisiert, wenn auch mit einem kleinen schlechten Gewissen; es gibt ja nur 400 Karten für den Vor- und weitere 400 für den Nachmittag. „Wie wäre es mit einem Zoobesuchstag nur für Familien?“, schlägt er vor. Jedenfalls: Dass der Zoo wieder geöffnet ist, sei ein Segen. „Wir leben in einer gedrängten Stadt“, die Menschen müssten durchatmen können. Hoffentlich nicht nur für ein paar Tage: „Wenn man die Inzidenz anschaut, kann hier auch in zwei Wochen wieder Schluss sein.“

Das will der Oberbürgermeister nicht hoffen. „Man lernt von und mit den Tieren“, schwärmt Peter Feldmann (SPD) vom Zoo als Bildungsort. Dass die Onlinebuchung praktisch überrannt wurde, zeige auch: „Der Zoo ist in den Herzen verankert.“ An jene, die zum ersten Mal Besuchsmenschen sehen, denkt Feldmanns Parteifreundin und Kulturdezernentin Ina Hartwig. Und weiß Beruhigendes zu berichten: „Die neugeborenen Tiere orientieren sich an den Eltern. Wenn die ganz ruhig bleiben, wissen sie, es ist alles in Ordnung.“

Ja, das kann befremdlich sein, wenn da plötzlich so ein Mensch vor einem steht. Dem FR-Patenvogel Hobbit bleibt das erspart, er muss momentan mit Gattin Nele hinter den Kulissen campieren, wie auch andere Zoobewohner mit Flügeln (außer den Reihern, aber die haben ja einen Freiflugschein), weil gerade die Vogelgrippe grassiert. Hobbit lässt ausrichten, er habe für die Maßnahme absolut kein Verständnis, und sobald er wieder raus dürfe, werde er diese lästigen Pandemien allesamt sofort beenden.

Zu sehen sind jedenfalls Tiger Vanni, die Trampeltiere, die Bongos, die Zebrata, die Zwergziegen – Junge, sind die groß geworden! Ach nee, das sind ja die Westkaukasischen Steinböcke. Man ist ganz raus aus dem Tierleben nach vier Monaten. Nicht zu sehen sind, wie seit einem Jahr, die Menschenaffen im Borgori-Wald. Ansteckungsgefahr zu groß.

Der Spielplatz ist geöffnet, Benutzung auf eigene Gefahr. Die Imbisswagen sind geschlossen. Lassen Sie sich auf jeden Fall etwas von den Erdmännchen erzählen, die plappern unentwegt vor sich hin. Aber glauben Sie ihnen nicht, wenn sie behaupten, zu den Einhörnern gehe es da hinten links. Die wohnen ganz woanders. Zora weiß Bescheid.

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