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Umweltbildung

Im Frankfurter Grüngürtel fürs Leben lernen

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Damit junge Leute den Wert der Natur begreifen, macht sich eine Fachtagung Gedanken. Aber nicht nur hinter verschlossenen Türen.

Der Heiligenstock ist ein herrlich wilder und verwachsener Ort, selbst an einem trüben Herbsttag. Da trifft sich am frühen Donnerstagmorgen ein gutes Dutzend Leute mit einem Plan: jungen Leuten die Stadtnatur näherbringen – Umweltbildung.

Gerade schwärmen sie in die Umgebung aus und sollen nachher mit Ideen für Lernthemen zurückkommen. „Wir wollen die Rolle der Bildung im Grüngürtel stärken“, sagt Barbara Clemenz vom Verein Umweltlernen in Frankfurt. Drum hat der Verein gemeinsam mit Grünflächen-, Stadtschul- und Umweltamt zur Fachtagung „Bildungsraum Grüngürtel – Draußen lernen – Zukunft gestalten“ eingeladen. Es gibt Vorträge und Diskussionen, aber es geht ja um Natur. Also treffen sich am Morgen vier Gruppen draußen vor Ort, im Fechenheimer Mainbogen, in den Schwanheimer Dünen, im Stadtwald und hier am Heiligenstock.

Es ist eine von vielen Veranstaltungen in diesem Jahr, die sich mit dem vor 30 Jahren geschaffenen Grüngürtel beschäftigen. Auf dem Weg vom Restaurant „Altes Zollhaus“ zu dem verfallenen, immer frisch mit Graffiti besprühten Gebäude mitten auf einer Streuobstwiese sollen die Teilnehmer:innen je einen Gegenstand mitnehmen. Hagebutte, Distel, Apfel. Sandra Sieber, Landschaftsarchitektin und Freiraumplanerin an der TU Darmstadt, die nachher noch einen Vortrag im Senckenberg-Institut halten wird, sagt in der Vorstellungsrunde: Sie habe immer noch niemanden getroffen, der Unterricht in nachhaltiger Entwicklung schon in der Schule gehabt habe.

Da wächst aber was. Ein Lehrer, der am Workshop teilnimmt, berichtet von Baum- und Grünpflege an der Ernst-Reuter-Schule, von Streuobstlektionen mit den Klassen am Berger Hang, vom Keltern in der Schule. Aber Tenor in der Gruppe ist: Umweltlernen müsse noch mehr von den Schulen forciert werden. Eine Schreinerin ist beim Workshop dabei, ein Sozialpädagoge, ein Streuobstbauer und Imker, Leute aus Ämtern, eine Wildnislotsin, einer von Greenpeace. „Prachtvolle Mischung“, sagt Barbara Clemenz. Sie schwärmt vom Grüngürtel und den Chancen für die Umweltbildung. „Wir müssen Kinder und Jugendliche dafür sensibilisieren, was für ein wertvoller Ort das ist. Es lohnt sich, darauf Energie zu verwenden.“

Den Heiligenstock macht unter anderem das Streuobst zum wertvollen Ort. Das tragen einige Zweier-Teams als Lernthema ins Workshop-Plenum. Die Obstbäume seien in keinem guten Zustand, befindet die Gruppe, da seien Pflege, Nachpflanzung, Patenschaften gefragt. Aber auch Totholz hat seinen Wert, notieren viele auf ihren Karteikarten. Den Kreislauf der Natur gelte es für die Schülerinnen und Schüler zu thematisieren, die Artenvielfalt, das „Missverständnis Unkräuter“, Schafe als Landschaftspfleger – alles hängt mit allem zusammen, stellt sich heraus. Auch der Müll und der Schutz der Natur. Und die Finanzierung des Ganzen.

Wunschgebilde Beirat

Während die Gruppe darüber sinniert, wie sich dieses „Draußen lernen – Zukunft gestalten“ planerisch konkret gestalten ließe, entsteht in der Wolke über den Köpfen ein Wunschgebilde namens „Lehrkräftebeirat für Bildung im Grüngürtel“. Und wer weiß, manchmal werden ja noch Wünsche wahr.

Am Nachmittag betont Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) in einem Grußwort an die Fachtagung, der Grüngürtel sei mehr als ein Naherholungsgebiet, nämlich: Bildungsraum. „Und genauso wie ich als Bildungsdezernentin die Schulen sanieren und für die Herausforderungen der Zukunft fit machen muss, genauso müssen wir unsere pädagogischen Konzepte für das Draußenlernen im Bildungsraum Grüngürtel weiterentwickeln.“ Für das Ziel der Klimaneutralität bis 2035 brauche Frankfurt auch die emotionalen Erfahrungen für Kinder und Jugendliche im Grüngürtel. Das ist auch Inhalt der Workshops als sie ihre Ergebnisse zusammentragen und über Chancen diskutieren, die Ideen umzusetzen – möglichst, bevor der Grüngürtel 40 wird.

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