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Eigentlich dürfen auf dem Areal keine Autos stehen. Bild: Privat

Europaviertel

Illegales Parken am Tel-Aviv-Platz

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Anwohner kritisieren Autos vor Kindertagesstätte. Die Stadt möchte die Zufahrt unterbinden.

Jeden Morgen hält Kai Hessing kurz die Luft an. Wenn sein Sohn zu früher Stunde mit dem Fahrrad in Richtung Schule aufbricht, muss er den Tel-Aviv-Platz im Europaviertel überqueren. Und der, erzählt der Vater, sei regelrecht zum Parkplatz mutiert, seit zum Monatsanfang die bilinguale Kita „Kids Camp“ auf der Mitte des Platzes eröffnet hat.

„Mir wird wirklich mulmig zumute, wenn ich meinen Sohn dort mit seinem Rad zwischen den ein- und ausparkenden Autos kurven sehe“, sagt Kai Hessing. „Ich hoffe immer, dass ihn nicht mal einer übersieht.“ Vor allem morgens, wenn die Eltern ihre Kinder bei der Kita absetzen, sei auf dem nördlichen Teil des eigentlich autofreien Tel-Aviv-Platzes besonders viel los. Hessing hat Bilder geschossen, die das belegen: In Reih und Glied stehen sie da – sechs, sieben, acht Autos. „Das ist ein munteres Kommen und Gehen“, berichtet Hessing.

Mittlerweile würden auch tagsüber Leute ihr Auto dort abstellen, etwa, um beim Rewe-Supermarkt westlich des Platzes einkaufen zu gehen. Und am vergangenen Wochenende habe sogar in der kompletten Nacht von Freitag auf Samstag ein Lastwagen dort geparkt. Die Autos kämen von Norden durch die Feuerwehrzufahrt an der Pariser Straße auf den Tel-Aviv-Platz, so der Anwohner. Die ist aktuell nur mit einem Bauzaun gesichert. „Mittlerweile steht der fast permanent offen“, erzählt Hessing. Und wenn nicht, dann würden ihn die Autofahrer einfach öffnen.

Ulrich Rendel, stellvertretender Leiter des Amts für Straßenbau und Erschließung, teilt mit, das Problem sei der Stadt bereits bekannt. Beim Bau der Kita hätten Teilflächen des Platzes als Zufahrt zur Baustelle gedient. Die Zufahrt sei jedoch von den Baufirmen „nicht ordnungsgemäß verschlossen“ worden. Die Stadt habe das bereits angemahnt und die beteiligten Firmen aufgefordert, „entsprechende Abhilfe zu schaffen und die Befahrung und Beparkung durch geeignete provisorische Maßnahmen zu unterbinden“.

Wenn die letzten Arbeiten beendet sind, sollen laut Rendel „massive Absperrungen“ errichtet werden, die die Autos am Befahren des Platzes hindern. Den Bereich verstärkt zu kontrollieren und die Falschparker zu sanktionieren, sei zurzeit „aus personellen Gründen nicht möglich“, so Rendel.

Simone Zampich, Leiterin der bilingualen Kita, hält die Stelle für nicht ausreichend beschildert. „Manche denken, das ist ein Parkplatz“, sagt sie. Den Vorwurf, die Falschparker seien zum Großteil Eltern der Kindergartenkinder, will sie sich jedoch nicht gefallen lassen. „Das ist nur ein geringfügiger Teil“, betont sie, „zwischen 9 und 15 Uhr parken dort andere.“ Sie werde trotzdem noch einmal eine Rundmail an alle Eltern schreiben und auf das Problem aufmerksam machen. Immer wieder würden sie und die anderen Kita-Mitarbeiter zudem die Zufahrt zum Platz schließen, wenn sie mal wieder offen steht. „Ich weiß nicht, wer die ständig aufmacht“, so Zampich.

Die Kindertagesstätte war von Beginn an durchaus umstritten. Anwohner, Ortspolitik und Stadtteilinitiativen hatten sich eigentlich ein Café oder einen Supermarkt an der Stelle gewünscht. Zudem befürchteten die Bürger schon im Frühjahr Parkkonflikte. Anwohner Kai Hessing ist deswegen auch skeptisch, ob sich die Situation zur Zufriedenheit aller klären lässt. Eine Schranke oder mehrere Poller würden das Problem „nur verlagern“, vermutet er. „Die Eltern werden ihre Kinder ja trotzdem mit dem Auto bringen. Mal gucken, wo sie dann parken.“

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