Waffenkauf

Illegale Onlineshops

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Das Darknet gilt als wichtiger Handelsplatz für unerlaubte Schusswaffen.

Am Ende fällt das Urteil: sieben Jahre Haft. Im Januar vergangenen Jahres sprechen die Richter am Landgericht München Philipp K. wegen Körperverletzung, fahrlässiger Tötung und illegalen Waffenhandels schuldig. Der damals 33-Jährige aus Marburg hatte dem 18 Jahre alten Schüler David Sonboly im Mai 2016 eine Pistole vom Typ Glock 17 und Hunderte Schuss Munition verkauft – über das sogenannte Darknet, einen verschlüsselten Teil des Internets. Mit der illegal beschafften Pistole hatte der rechtsextrem eingestellte Sonboly zwei Monate später am Olympia-Einkaufszentrum in München neun Menschen und sich selbst erschossen.

Philipp K. aus Marburg war der erste illegale Waffenhändler, der vor Gericht für Taten mitverantwortlich gemacht wurde, die mit der von ihm verkauften Waffe begangen worden waren. Das Urteil verursachte damals großes Aufsehen, nicht nur wegen des Bezugs zum Anschlag in München, sondern auch, weil es gelungen war, einen Darknet-Händler zu verurteilen. Denn das Darknet gilt bis heute als relativ anonymer Umschlagplatz für illegale Schusswaffen, der vor allem von Waffennarren und Kriminellen genutzt wird.

Illegaler Handel mit Schusswaffen beschäftigt die deutschen Sicherheitsbehörden generell sehr intensiv. In einer Analyse des Bundeskriminalamts (BKA) für das Jahr 2017 heißt es, nach Deutschland und Westeuropa kämen illegale Waffen vor allem aus dem Westbalkan, etwa aus Albanien, Bosnien-Herzegowina oder dem Kosovo. Teilweise stammen diese Waffen noch aus den Kriegswirren der Jugoslawienkriege, teilweise handelt es sich um umgebaute Schreckschuss- oder Dekorationswaffen.

Eine besondere Bedeutung, so hält das BKA fest, habe weiterhin das Darknet. In diesen Teil des Internets gelangt man nur mit spezieller Software wie dem Tor-Browser. Wenn man weiß, wo man suchen muss, findet man damit relativ leicht Händler oder Portale, bei denen man Schusswaffen oder Drogen kaufen kann, ähnlich wie in einem normalen Onlineshop. Die Bezahlung läuft über Online-Zahlungsmittel wie Bitcoins, die Ware wird danach persönlich übergeben oder auch mit der Post verschickt.

Derartige Deals zu verhindern und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen, ist Aufgabe von Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk und seinen Kollegen. Ungefuk ist Sprecher der 2010 eingerichteten Zentralstelle zur Bekämpfung der Internet- und Computerkriminalität (ZIT) bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt. Die ZIT, die aus zehn Staatsanwälten besteht, ist hessenweit zuständig für Internetkriminalität, Kinderpornografie und Waffenhandel, bei Verfahren gegen unbekannte Täter auch bundesweit. Seit 2015 hat die ZIT gegen etwa 50 Tatverdächtige ermittelt, unter ihnen auch der Marburger Philipp K.

Der Staat lernt dazu

Der illegale Waffenhandel im Darknet habe sich durch die gestiegene öffentliche Aufmerksamkeit und vor allem die verstärkten Ermittlungsbemühungen der Behörden stark verändert, sagt Ungefuk. Noch vor fünf Jahren seien Darknet-Händler zwar vorsichtig gewesen, „aber der Handel erfolgte weitgehend offen“. Seitdem habe man bedeutende Darknet-Marktplätze abschalten können, als Folge werde noch viel konspirativer agiert. „Die Szene hat sich zurückgezogen“, so Ungefuk. Die Darknet-Händler seien noch vorsichtiger, „weil die erkannt haben, dass der Fahndungsdruck bei Waffengeschäften höher ist“.

Generell sei die Entwicklung als Erfolg der Strafverfolgungsbehörden zu betrachten. sagt Ungefuk. „Die Zahl der Waffen, die über das Darknet angeboten werden, ist deutlich zurückgegangen.“ Zugleich würden die Ermittlungen im Darknet durch die gestiegene Vorsicht der Händler und ihrer Kunden noch komplizierter. Und Erfolge im Darknet bedeuteten noch lange nicht, dass man illegale Waffengeschäfte insgesamt in den Griff bekomme. Gerade Terroristen hätten zum Teil noch ganz andere Möglichkeiten und Netzwerke, um an Waffen zu gelangen.

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