Kriminalität

Frankfurt: Immer mehr illegale Auto-Rennen - Polizei tut sich bei Verfolgung schwer

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Die Kontrolleinheit der Polizei hat es schwer, Rasern eine Teilnahme nachzuweisen. Die Anzahl der Autorennen steigt.

  • In Frankfurt häufen sich die illegalen Rennen mit Autos.
  • Die Polizei in Frankfurt hat Schwierigkeiten, den illegalen Rennen mit Autos hinterherzukommen.
  • Illegale Rennen mit Autos sind keine Ordnungswidrigkeit mehr, sondern eine Straftat.

Frankfurt – Anfang Oktober in der Frankfurter Innenstadt: Zwei Autofahrer liefern sich ein Rennen, rasen mit ihren hochmotorisierten Fahrzeugen sogar der Polizei davon, bis sie schließlich im Bahnhofsviertel gestellt werden. Mitte Oktober im Westend: Zwei Autofahrer liefern sich ein Rennen und rasen mit bis zu 100 km/h durch die Bockenheimer Anlage, zwischendrin verständigen sie sich mit Handzeichen.

Knapp eine Woche später rast ein 19-Jähriger mit Tempo 120 über die Hanauer Landstraße auf der Flucht vor der Polizei. Die Fahrt endet nach dem Zusammenstoß mit zwei unbeteiligten Fahrzeugen.

Es gibt immer mehr illegale Rennen mit Autos in Frankfurt

Drei Fälle aus dem Polizeibericht des vergangenen Monats, die für eine gewisse Häufung von Raserei sprechen.

Die Frankfurter Polizei hat seit März 2018 mit der Kart (Kontrolleinheit Autoposer, Raser, Tuner) eine eigene Ermittlungseinheit, die sich auch mit dem Tatbestand illegaler Autorennen befasst. Ob die Zahl der Autorennen tatsächlich zugenommen hat, will der Leiter der Kart, Nico Briesemeister, nicht sagen, lässt aber Zahlen sprechen. 2018 seien fünf, 2019 sieben, 2020 bis Ende Oktober schon neun illegale Autorennen registriert worden.

„Wir haben den Kontrolldruck stetig erhöht und dadurch natürlich mehr Taten feststellen und ahnden können“, so Polizeihauptkommissar Briesemeister. Doch die Dunkelziffer ist sicherlich beträchtlich, denn die Kart versucht mit acht Beamtinnen und Beamten im Schichtbetrieb, Raser, Tuner und Poser aufzuspüren und kann mit dieser personellen Ausstattung nicht überall und jederzeit im Stadtgebiet sein.

Die Dunkelziffer von illegalen Rennen mit Autos in Frankfurt ist hoch

Zu Beginn ihrer Tätigkeit hatten die Kart-Mitarbeiter:innen vor allem mit Tunern und Posern zu tun. An einer Tankstelle im Ostend trafen sich regelmäßig Freitagabends Dutzende von Autoliebhabern, um gegenseitig ihre aufgemotzten Schlitten zu bestaunen. Bei der einen oder anderen Spazierfahrt über die Hanauer Landstraße wurde dabei häufig schon mal Gas gegeben, um mit satten Motorengeräuschen zu protzen.

Mit ihren getunten Fahrzeugen sind manche auch als Poser in der Innenstadt unterwegs, um Anwohner und Passanten zu belästigen. Doch während die Tuner und Poser meist nur durch Lärmbelästigung nerven, sind illegale Autorennen eine lebensbedrohliche Gefahr für die Allgemeinheit.

Wie gefährlich solche spontanen Überreaktionen werden können, hat sich ebenfalls im Oktober auf der A66 gezeigt, als eine unbeteiligte Autofahrerin ums Leben kam.

Illegale Rennen mit Autos sind keine Ordnungswidrigkeit mehr, sondern eine Straftat

Um der gefährlichen Raserei entgegenzutreten, wurde das Gesetz im Herbst 2017 verschärft und der Paragraf 315d eingeführt. Verbotene Kraftfahrzeugrennen sind seitdem keine Ordnungswidrigkeit mehr, sondern eine Straftat und können mit hohen Freiheitsstrafen geahndet werden.

Doch in der Praxis ist die Ahndung schwierig. Das Amtsgericht Villingen-Schwenningen hatte sich Anfang des Jahres mit einem ähnlich gelagerten Fall wie dem auf der Hanauer Landstraße zu befassen: Ein junger Autofahrer ohne Führerschein flüchtet vor einer Polizeikontrolle und rast mit stark überhöhter Geschwindigkeit davon.

Für die Richter im Schwarzwald stellte sich zunächst die Frage, ob jemand auf der Flucht vor der Polizei schon Teilnehmer eines illegalen Autorennens ist oder ob dazu nicht mindestens zwei „Teilnehmer“ gehören. Zudem war dem Amtsgericht der Paragraf 315d, in dem von „nicht angepasster Geschwindigkeit“ die Rede ist, schlicht zu unbestimmt, so dass es den Fall aussetzte und dem Bundesverfassungsgericht vorlegte (Az 6 Ds 66 Js 980/19).

Der Nachweis, wann ein illegales Rennen mit Autos vorliegt, ist für die Polizei in Frankfurt schwierig

Für die Polizei stellt sich vor einer Gerichtsverhandlung zunächst mal die Schwierigkeit des Nachweises. Die Frankfurter Kart-Einheit hat genau ein Fahrzeug, das die Geschwindigkeit eines vorausfahrenden Fahrzeugs messen kann. Andernfalls müssen die Verkehrsrowdys schon in eine Radarfalle rasen, womit aber immer noch nicht der Tatbestand eines unerlaubten Rennens nachgewiesen ist. (Oliver Teutsch)

Rubriklistenbild: © Rolf Oeser

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