+
Jetzt muss nur noch der Asphalt weg: Ehemalige A 661-Abfahrt Kalbach/Bonames.

Renaturierung

Aus Asphalt wird wieder Grün

  • schließen

Die Stadt lässt die Autobahnabfahrt Kalbach/Bonames zurückbauen. Aber zuerst müssen dafür Gehölze weichen.

Die einen sagen „Ausfahrt Kalbach“, die anderen sagen „Ausfahrt Bonames“. Beides ist irgendwie richtig, denn diese Autobahnausfahrt liegt gegenüber der U-Bahn-Station Kalbach, die wiederum auf Bonameser Gebiet liegt. Und beides ist auch irgendwie falsch, denn diese Autobahnausfahrt gibt es längst nicht mehr.

2005 wurde die Anschlussstelle dichtgemacht. Seitdem lag dort der Asphalt brach, holte sich die Natur langsam zurück, was ihr gehört, wuchs allenthalben Gras und Gehölz – bis vor wenigen Tagen. Da kamen die Bagger und begannen, einen Magistratsbeschluss umzusetzen: Die Autobahnausfahrt Kalbach/Bonames wird endgültig zurückgebaut. Es soll dort wieder grün werden.

Verblüffenderweise muss dafür aber zunächst Grün weichen, wie die Stadt um den Jahreswechsel mitteilte: Für die Renaturierung würden ein 1,50 Meter breiter Streifen aus Sträuchern und Heistern gerodet sowie eine Pappel und ein Kirschbaum am Oberen Kalbacher Weg gefällt. „Die Gehölze müssen weg, um Platz für die Baumaschinen zu schaffen“, erklärt eine Sprecherin des Grünflächenamts. „Baufeld freimachen“ heißt das im Fachjargon.

Am Projekt Renaturierung arbeiten Grünflächen- und Straßenbauamt Hand in Hand. Im ersten Schritt müssten Wildwuchs und Buschwerk weichen, erläutert Michaela Kraft, Leiterin des Amts für Straßenbau und Erschließung. Dann räumen ihre Mitarbeiter die sogenannten Straßenausstattungs- und -schutzelemente (etwa Leitplanken), brechen Asphalt und darunterliegende Stabilisationsschichten aus dem Boden und füllen die Gräben mit einer 30 bis 40 Zentimeter starken Mutterbodenschicht auf.

Im zweiten Schritt wird die ehemalige Autobahnrampe auf der Ostseite der A 661 zur Grünanlage mit Wegeverbindung zum angrenzenden Park am Ben-Gurion-Ring: „Auf der Westseite sollen ebenfalls Wiesenflächen mit niedrigen Gehölzpflanzungen entstehen.“

Was genau dort gepflanzt wird, steht laut Grünflächenamt noch nicht fest und ist Bestandteil einer Ausschreibung. Läuft alles nach Zeitplan, kann der etwa drei Monate dauernde Rückbau der Straße im August losgehen, kündigt Straßenbauamtsleiterin Kraft an. Anschließend folge die Renaturierung „innerhalb einer vegetationsruhigen Periode“.

Damit findet ein jahrelang heiß umstrittenes Thema seinen Abschluss. Diverse Ortsbeiräte der umliegenden Stadtteile hatten vehement für die Wiedereröffnung des Autobahnanschlusses gekämpft – vergebens. Die Bonameser hingegen waren mit der Schließung ganz zufrieden.

Man glaubt es kaum, aber der Rückbau der Ausfahrt Kalbach/Bonames war bereits vor 28 Jahren beschlossene Sache. 1991 gehörte das geplante Aus für diesen Anschlusspunkt nämlich zum „Verkehrskonzept Frankfurter Norden; Teil Straßenerschließung und Verkehrsberuhigung“, woran der Magistrat später mehrmals erinnerte: Ohne die Zusage, Kalbach/Bonames zu schließen, wären seinerzeit die Vereinbarungen mit Bund und Land über den Bau der Anschlussstellen Heddernheim und vor allem Nieder-Eschbach (mit der Zufahrt zu Ikea, Hornbach, Frischezentrum und dem Gewerbegebiet Am Martins-zehnten) nicht zustande gekommen. Und da ging es um viel staatliches Zuschussgeld.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare