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Die vier von Drei90 im Nachtleben: Basti, Axel, Enzo, David (v.l.).

Podcast live

„Ihr seid original noch gestörter als wir“

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Die Fußballverrückten vont Drei90 live auf der Bühne im Nachtleben: So etwas hat Frankfurt noch nicht erlebt.

Vorsicht: Dieser Text kann Spuren von Wahnsinn enthalten, von Götzenverehrung und natürlich sehr viel Fußball. Die vier Verrückten von Drei90 waren in der Stadt. Das Leben in der Sommerpause der Bundesliga hatte für einen Samstag wieder einen Sinn.

Drei90 ist, um es jenen zu erklären, die jüngst aus einem dreijährigen Koma erwacht sind, ein Podcast, 2016 gegründet, mit Tausenden Hörern in der ganzen Republik (drei90.de). Jede Woche während der Saison sprechen Basti (Eintracht), Axel (Effzeh Köln), Enzo (VfB Stuttgart) und David (SC Freiburg/Darmstadt 98) im Internet über die Vereine, denen sie verfallen sind, und über alles andere auf der Welt. Eingangs sagt Axel stets ein frisches Gedicht auf, so auch beim ersten Drei90-Liveauftritt der Sportgeschichte. Auszug: „Der Fußball/Dieses miese Stück/Was ist er jetzt/Fluch oder Glück?“ Dann die Erkennungsfanfare und das Motto: „Drei90 – was Sie schon immer über Fußball wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten.“ Stammhörer haben jetzt schon Gänsehaut.

Was folgt, ist ein Parforceritt durch die Kult-Inhalte der mittlerweile 112 Drei90-Folgen. Da kommen Marko Marin, Juan Bernat und Denis Oleynik zu ihrem Recht – es genügt, die Namen zu sagen, schon biegen sich die Sitzbänke unterm wiehernden Publikum im ausverkauften Club Nachtleben. Hintergründe zu erklären, würde hier den Rahmen sprengen.

Lokalmatador Basti hat das Soundboard in seiner Gewalt und spielt O-Töne ein, gern aus der legendären Pressekonferenz des FC Bayern vom Oktober 2018 („Geht’s eigentlich noch?“). Ein Glanzstück des Abends ist die Geschichte, wie Drei90 eine Bundesliga-Saisonvorschau ankündigte, Premium-Hörerin @Zambrine5 (man verständigt sich gern mit Twitter-Namen) vorfreudig in der Badewanne lag, um die Folge zu genießen – und dann handelten Basti und Axel alles in zwei Minuten ab: „Bayern wird Meister. Tschö.“ Zambrine ist drüber hinweg. „Ich hab’ euch geliebt!“ ruft sie. Logisch, dass sie unter den Premierengästen ist.

Die vier auf der Bühne lesen aus dem schlechtesten Fußballbuch der Welt vor („Hattrick – Elfmeter für die Liebe“). Das entfesselte Publikum singt die Erkennungsmelodie. Axel: „Ihr seid original noch gestörter als wir.“ Am Ende analysieren alle zusammen die Hashtags, die sich aus Spielpaarungen der zweiten spanischen Liga ergeben (Albacete gegen Saragossa – #ALBSAR – „eine Salbe!“) und lassen die Maskottchen der Fußballvereine gegeneinander antreten (Sieger: Stolle, der Storch von Holstein Kiel). Man muss nicht besoffen sein, um das alles zu verstehen. Aber es hilft.

Im Dezember kommen die Kerle in die Batschkapp. Ein paar Tickets gibt es angeblich noch.

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