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IGS-Sprecherin: „Über integrierte Gesamtschulen sind Eltern nicht gut informiert“

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Von: Sandra Busch

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Beim „Markt der Möglichkeiten“ stellen sich die integrierten Gesamtschulen bereits seit vielen Jahren vor. rolf oeser
Beim „Markt der Möglichkeiten“ stellen sich die integrierten Gesamtschulen bereits seit vielen Jahren vor. rolf oeser © Rolf Oeser

Am Samstag stellen sich die integrierten Gesamtschulen beim „Markt der Möglichkeiten“ vor. IGS-Sprecherin Susanne Frye über sinkende Anmeldezahlen und die Vorteile einer IGS.

In den vergangenen beiden Jahren sind die Anmeldezahlen an den integrierten Gesamtschulen (IGS) rückläufig. Susanne Frye, Sprecherin der integrierten Gesamtschulen in Frankfurt, sieht viele Vorteile im Besuch einer IGS und glaubt, dass die Eltern das Konzept der integrierten Gesamtschulen zu wenig kennen.

Frau Frye, wie erklären Sie sich die sinkenden Anmeldezahlen an den integrierten Gesamtschulen?

Viele Eltern wünschen sich den höchsten Bildungsabschluss für ihr Kind, und der Trend, das Kind an Gymnasien anzumelden, hat zugenommen und hält an. Möglicherweise liegt es auch daran, dass sich viele Eltern nicht ausreichend gut informiert fühlen und daher gar nicht wissen, dass das integrierte Schulsystem alle Bildungsgänge und damit alle Schulabschlüsse anbietet. Einige IGSen verfügen sogar über eigene Oberstufen, die anderen haben Kooperationen mit Frankfurter Oberstufengymnasien, damit der Übergang nach Klasse 10 reibungslos verläuft.

Sie glauben also, dass Eltern über das Konzept der IGS noch besser aufgeklärt werden sollten. Wie können die Schulen das erreichen?

Die Schulen müssen ins Gespräch mit den Eltern kommen und bleiben. Das passiert einmal über die Tage der offenen Türen, die die Schulen anbieten. Die Termine werden über den Stadtelternbeirat und die Schulen selbst kommuniziert. Und auf dem ‚Markt der Möglichkeiten‘ am kommenden Samstag stellen sich alle IGSen vor, die Eltern können sie mit deren Konzepten kennenlernen, mit den dort arbeitenden Menschen ins Gespräch kommen und sich gut informieren.

Den „Markt der Möglichkeiten“ gibt es aber schon lange, und trotzdem sinken die Zahlen.

Das ist richtig. Aber in den vergangenen zwei Jahren ist er coronabedingt ausgefallen. Wir mussten dann auf digitale Formate zurückgreifen und konnten mit diesen Formaten nicht so mit den Eltern ins Gespräch kommen, wie wir uns das gewünscht hätten. Der vertiefte, direkte Austausch und die Kommunikation mit den Eltern hat gefehlt. Deswegen ist der ‚Markt der Möglichkeiten‘ dieses Jahr auch so früh und nicht erst im November, damit er auf jeden Fall in Präsenz stattfinden kann. Das war uns allen sehr wichtig.

Markt der Möglichkeiten

Die integrierten Gesamtschulen stellen beim „Markt der Möglichkeiten“ ihre Arbeit vor. Er soll eine Entscheidungshilfe für Kinder und Eltern bei der Wahl der weiterführenden Schule sein.

Alle 16 integrierten Gesamtschulen sowie die KGS Niederrad sind vertreten. Sie informieren und beantworten Fragen zu ihren Schulen und Schulkonzepten. Auch der Stadtelternbeirat wird einen Stand haben.

Am Samstag, 8. Oktober , eröffnet Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) die Veranstaltung im Oberstufengebäude der Carlo-Mierendorff-Schule, Alkmenestraße 3, Der „Markt der Möglichkeiten“ endet um 14 Uhr.

Es werden alle Abschlüsse in integrierten Gesamtschulen angeboten: vom berufsorientierten Abschluss, über den (qualifizierenden) Hauptschulabschluss als Berechtigung für den Übergang in Klasse 10, den (qualifizierenden) Realschulabschluss bis hin zur Versetzung und damit den Übergang in eine gymnasiale Oberstufe mit dem Ziel des Abiturs. sabu

Was sind Ihrer Meinung nach die Vorteile einer IGS?

Es gibt inzwischen 16 IGSen in Frankfurt. Alle haben unterschiedliche Schulprofile und Schwerpunkte. Dennoch zeichnen sich alle durch eine gemeinsame Haltung aus: Die Kinder arbeiten möglichst lange in einer festen und stabilen Lerngruppe. Und wir sind Teamschulen. Lehrkräfte, Schulleitung, Jugendhilfe in der Schule, Erziehungsberechtigte, Ubus-Fachkräfte, therapeutische Fachkräfte – alle arbeiten gemeinsam in multiprofessionellen Teams. Auf dieser Grundlage leisten wir Erziehungsarbeit zwischen der Schule und den Erziehungsberechtigten. So entsteht eine Lernqualität und damit Fachwissen. Außerdem ist Vielfalt ausdrücklich willkommen, und wir sehen sie als Bereicherung.

Das heißt, Individualität ist erwünscht?

Unbedingt, ja! Wir stellen fest, wie die Kinder mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten und Neigungen bei uns ankommen, was sie brauchen und wie sie dann in individualisierten, aber auch in kooperativen, offenen, projektorientierten Lernsettings mit Hilfe differenzierter Aufgaben- und Hilfestellungen gut lernen können. Das Wichtigste ist, dass die Kinder dabei in festen Beziehungsgefügen bleiben und lernen.

Und wenn das mal nicht so klappt mit dem Lernen?

Dann schauen wir, was das Kind braucht, denn es steht immer im Mittelpunkt unseres Handelns. Wir arbeiten ja in multiprofessionellen Teams und sehen aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf das Kind. So können wir dann gemeinsam feststellen, wie wir es in seinen Begabungen und Bedürfnissen gut unterstützen können. Und was besonders wichtig ist: Das Kind bleibt, auch wenn es mal nicht so rund läuft, nicht ‚sitzen‘, sondern an der Schule und somit in seinem Beziehungsgefüge.

Interview: Sandra Busch

Susanne Frye ist Sprecherin der Frankfurter integrierten Gesamtschulen und Leiterin der IGS Nordend.
Susanne Frye ist Sprecherin der Frankfurter integrierten Gesamtschulen und Leiterin der IGS Nordend. © Privat

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