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Viele sind zu Fuß unterwegs.

1. Januar in Frankfurt

Beine vertreten an Neujahr

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Die Frankfurter treibt es am 1. Januar bei Wind und Wetter vor die Tür.

Doris Velke und ihr Partner Helmut Pumann laufen gut gelaunt am Mainufer entlang, zwischen Ignatz-Bubis- und Alter Brücke. „Es war ja am Vormittag fast frühlingshaft“, sagt die 81-Jährige und ergänzt: „Da haben wir das Neujahrskonzert im Fernsehen extra abgebrochen, weil wir raus wollten.“

Zum ersten Spaziergang des Jahres zieht es am Dienstagnachmittag zahlreiche Menschen vor die Haustür. Ob am Römerberg, der neuen Altstadt, oder auch weiter außerhalb, an Aussichtspunkten wie dem Lohrberg. Spaziergänger und auch einige Jogger nutzen die, zunächst teils freundliche, Wetterlage am Neujahrstag.

Bis zwei Uhr in der Nacht haben Velke und Pumann nach einem Theater-Besuch mit Freunden beim Italiener auf das neue Jahr angestoßen. „Ein dicker Kopf?“ Nein, das sei früher mal gewesen, sagt Velke. Um das Paar herum liegen zahllose ausgebrannte Böller, Verpackungen und Scherben am Boden. Die Hinterlassenschaften der Nacht ziehen sich durch die ganze Stadt.

„Ich bin erschüttert, wie es aussieht“, sagt Pumann. Da hallt, fast wie auf Kommando, ein Donnerschlag von weitem her. Und der 69-Jährige sagt: „Wir gehen weiter in die Altstadt, gucken, ob alles noch steht“. Der Tradition entsprechend warte zu Hause schon das Sauerkraut auf der Herdplatte. „Das bringt Geld im neuen Jahr“, sagt er. Statt klassischen Rippchen gebe es bei dem Oberräder Paar Würstchen dazu.

Ihrer eigenen, kleinen Tradition ist Susanne Pfeifer gefolgt. Die 36-Jährige lehnt an einem Geländer auf Höhe der Weseler Werft, tippt auf ihrem Handy und verschickt Neujahrsgrüße. „Ich gehe jedes Jahr am Ersten von Bornheim, wo ich wohne, hier runter ans Mainufer und zurück“.

So könne sie entspannen und das Jahr Revue passieren lassen. „Danach kann ich mich verdient auf die Couch legen“, sagt Pfeifer und lacht. Als sie aus dem Haus gegangen sei, habe noch die Sonne geschienen. Mittlerweile hat sich der Himmel zugezogen und es ist kälter geworden.

Das scheint dem sechsjährigen Oskar gar nichts auszumachen, während er auf einer Wiese seinem Fußball hinterher jagt. „Gut“ sei der Jahreswechsel verlaufen, sagt er. Auskunftsfreudiger ist Oskars Begleiter, Bryn Stanphill. Mit dem Sohn seiner Partnerin sei er raus gegangen, während sie arbeiten müsse, berichtet der 23-Jährige. „In Bewegung kommen und den Kreislauf ankurbeln“, seien heute wichtig, sagt Stanphill. Ein bisschen sei er noch gerädert vom Vorabend.

Ähnlich ergeht es Felix, der beim Spaziergang mit seiner Freundin Freya in der neu gestalteten Altstadt eine Pause vor dem Haus „Zur Flechte“ macht. Dort liegt übrigens kein einziges Kaugummi-Papier auf dem Boden, geschweige denn ein Silvester-Überbleibsel. „Wenn ich stehe, merke ich den Kater“, sagt der 30-Jährige, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Bis vier Uhr hat er zu Hause in Bornheim mit Freunden das neue Jahr begossen. Nun seien sie eigentlich auf der Suche nach einem geöffneten Café, berichtet seine zwei Jahre jüngere Partnerin. Gar nicht so einfach am Neujahrstag. Die meisten Gastronomiebetriebe sind geschlossen. Die wenigen, die geöffnet haben, sind recht voll.

Malla und Bernhard Schäfer aus Eschborn führen ihre beiden Besucher aus den Niederlanden über den Markt in der Altstadt. Auch sie vermissen einen Ort zur Einkehr, um etwas zu essen. „Es ist etwas merkwürdig, dass alles zu ist“, sagt der 66-Jährige. Mit langem „Ausschlafen“ sei das Quartett in den Tag gestartet. Saskia Kateman, eine der beiden Gäste, hätte sich nach dem Aufstehen ein erfrischendes Bad bei einem Neujahrsschwimmen gewünscht, wie etwa in der Nordsee, in ihrer niederländischen Heimat. Doch selbst die Hallenbäder seien geschlossen, berichtet Malla Schäfer.

So bleibt nur der Gang zum Mainufer. Statt eines Sprungs ins kühle Nass möchte Bernhard Schäfer, als gebürtiger Frankfurter, den Besuchern die Museen am Flussufer präsentieren. So bleibt an diesem Nachmittag der einzige Wassersportler ein Kajak-Fahrer, der auf dem Main mit Mütze und Handschuhen durch die leichten Wellen sticht.

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