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Dieses Bild ging um die Welt.

Ausstellung Schadeberg in Frankfurt

„Mandela – 6 Jahrzehnte“

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Jürgen Schadeberg begleitete den Menschenrechtler Nelson Mandela. Eine Ausstellung im Forum der IG Metall in Frankfurt zeigt seine Werke.

Nelson Mandela schaut ruhig durch die Gitterstäbe seiner Zelle. Sein Gesicht zeigt weder Hass noch Wut. Es ist eines der Fotos des 20. Jahrhunderts. Entstanden ist es 1994, ein Jahr nach der Ehrung mit dem Friedensnobelpreis, in Mandelas Gefängniszelle auf Robben Island, einer Insel im Atlantik. Genau in dieser Zelle verbrachte der große Kämpfer gegen die Apartheid 18 seiner 27 Haftjahre.

Momentan hängt das Foto mit 19 anderen im Forum der IG Metall aus. Sie stammen aus der Kamera von Jürgen Schadeberg, der 1931 in Berlin geboren worden ist und zu den großen Fotografen des 20. Jahrhunderts gehört. Er schafft es, in einem einzigen Foto so viel Geschichte zu transportieren wie kein zweiter.

Als Schadeberg 1950 nach Südafrika emigrierte, begann er als freier Fotograf, das Leben in den Townships unter dem Regime der Apartheid abzubilden. Nach der Begegnung mit dem jungen Mandela avancierte Schadeberg zu einem der wichtigsten Fotografen der Anti-Apartheids-Bewegung und porträtierte auch schwarze Musiker wie Kippie Moeketsi.

Unmut der Regierung erregt

Zwei der Fotos in der Ausstellung „Mandela – 6 Jahrzehnte“ schoss Ian Berry. Sie zeigen, wie Schadeberg 1955 von der Polizei festgenommen worden ist. Seine Arbeit wurde immer wieder von den Sicherheitsbehörden Südafrikas behindert und zwang ihn 1964, Südafrika zu verlassen.

Erst 1985 kehrte Schadeberg dorthin zurück. Er drehte Filme über das Leben der Schwarzen und begleitete Mandela erneut. Das erste Foto der Ausstellung stammt aus dem Jahr 1952, das letzte aus dem Jahr 2007.

Obwohl die meisten Bilder mit einer analogen Kamera geschossen worden und daher teilweise etwas unscharf sind, stellt Schadeberg sie im Großformat aus. Die beeindruckenden Fotos suggerieren daher eine Nähe zu einem Mann der Zeitgeschichte, der gegen Unterdrückung und für Freiheit gekämpft hat. Aber auch zu einem Mann, der laut Schadeberg als Person nicht greifbar gewesen ist.

Egal, aus welcher Bildungs- oder Altersgruppe ein Mensch stammt; jeder von ihnen kennt Nelson Mandela. Das spiegelt sich auch an den Besuchern wider. Bianka Huber, Veranstaltungsmanagerin der IG Metall, berichtet, dass das Spektrum von alten bis zu jungen Interessierten reiche. Besonders die 80 bis 120 geflüchteten Menschen, die regelmäßig zum Deutschunterricht in die Beratungsstelle im Forum kommen, seien begeistert.

Wie für Schadeberg ist auch für sie die Flucht ihr Zuhause. Und besonders in Zeiten wie diesen tut es gut, zu wissen, dass es einen Mann gegeben hat, der sich nicht nur theoretisch, sondern praktisch um die Menschenrechte gekümmert hat.

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