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„Ich wusste,dass wir uns wegen der Pandemie nicht ewig einschränken“

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Von: Georg Leppert

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Kurt Stroscher verlässt die Tourismus- und Congress GmbH und geht in den Ruhestand.
Kurt Stroscher verlässt die Tourismus- und Congress GmbH und geht in den Ruhestand. © Oeser

Kurt Stroscher geht in Ruhestand. Im Interview mit der FR spricht der scheidende Experte für Feste in Frankfurt, über Corona, den Umzug der Dippemess und die Fußball-EM 2024.

In Frankfurt nennen ihn viele den „Mister Dippemess“. Doch dieser Spitzname wird Kurt Stroscher nicht wirklich gerecht. Er hat für die Stadt auch die Museumsuferfeste organisiert und war immer dabei, wenn es was zu feiern gab. Der 65-Jährige ist bei der städtischen Tourismus- und Congress GmbH für eine Vielzahl von Festen und Veranstaltungen zuständig. Nun geht Stroscher in den Ruhestand.

Herr Stroscher, hatten Sie während der Pandemie mal die Sorge, dass Sie in Ruhestand gehen, ohne zuvor noch ein Fest organisiert zu haben?

Nein. Eigentlich nicht. Ich wusste, dass wir uns wegen der Pandemie nicht ewig einschränken. Und wir haben ja sehr schnell nach kreativen Lösungen gesucht, wie wir trotz Corona Veranstaltungen abhalten können.

Zum Beispiel bei der Dippemess im vergangenen Herbst. Da gab es Einlasskontrollen und eine Obergrenze bei der Zahl der Besucher:innen. Hat sich der Aufwand gelohnt?

Absolut. Das Konzept ging auf. Vor allem waren die Schausteller sehr zufrieden. Die befanden sich ja in einer sehr großen Krise.

Einige Wochen später stiegen die Inzidenzen, und es gab Forderungen, den Weihnachtsmarkt abzubrechen. War es richtig, an der Veranstaltung festzuhalten?

Ja, das war es. Wir hatten ein gutes Hygienekonzept – mit Maskenpflicht und großen Abständen zwischen den Ständen. Das ging auf. Es wäre für alle Beteiligten unsäglich gewesen, den Weihnachtsmarkt einfach abzubrechen.

Wie haben sich Volksfeste verändert in den 30 Jahren, die Sie sich jetzt darum kümmern?

Nehmen Sie die Dippemess. Als ich anfing, war das eine recht einfache Veranstaltung, um es charmant zu formulieren. Es gab nicht die attraktiven Fahrgeschäfte. Die brauchen Sie aber unbedingt. Ohne rasante Karussells haben Sie als Veranstalter keine Chance.

Wobei Sie bei der Dippemess ja unterscheiden. Im Frühjahr gibt es die rasanten Fahrgeschäfte, im Herbst geht es ruhiger und familiärer zu.

Das liegt natürlich auch daran, dass wir die ganz attraktiven Fahrgeschäfte im Herbst gar nicht bekommen. Da stehen wir in Konkurrenz zum Oktoberfest in München und zum Wasen in Stuttgart. Grundsätzlich finde ich unser Konzept aber echt gut. Zumal es ja auch im Herbst das eine oder andere schnelle Karussell gibt.

Mögen Sie eigentlich selbst schnelle Fahrgeschäfte?

Nicht mehr. Als Kind galt auch für mich bei den Karussells: Hauptsache höher, schneller, weiter. Jetzt brauche ich das nicht mehr. Aber wenn es darum ging, ob wir ein neues Fahrgeschäft zur Dippemess, zum Mainfest oder zum Wäldchestag holen, habe ich das schon immer getestet.

Bleiben wir noch kurz bei der Dippemess. Wenn die Europäische Schule am Ratsweg gebaut wird, soll der Festplatz aufs Rebstockgelände ziehen. Was halten Sie von diesen Plänen?

Der Festweg am Ratsweg ist nicht optimal. Er ist zu klein, und wenn das Bornheimer Familienbad fertig gebaut ist, gibt es noch weniger Platz. Deshalb bin ich nicht grundsätzlich gegen einen Umzug. Ich glaube aber, dass am Rebstock noch einige Fragen offen sind – auch was den Schutz der Anwohner betrifft. Und es gibt dort halt keinen U-Bahn-Anschluss. Als die U-Bahn erstmals am Ratsweg hielt, hat sich das bei den Besucherzahlen sofort bemerkbar gemacht.

Hat die Katastrophe auf der Loveparade in Duisburg Ihre Arbeit verändert?

Ja, sehr. Wir hatten natürlich auch vorher gute Sicherheitskonzepte. Seit Duisburg müssen wir aber viel genauer dokumentieren, welche Pläne es für den Notfall gibt.

Hätte eine solche Katastrophe auch in Frankfurt passieren können?

Nein. Als die Loveparade aus Berlin wegging, haben die Veranstalter auch in Frankfurt gefragt, ob wir sie ausrichten wollen. Das war natürlich reizvoll. Die Loveparade war eine geile Party, das muss man sagen. Ich habe Oberbürgermeisterin Petra Roth damals aber gesagt: Das geht nicht, wir haben keinen so breiten und langen Boulevard, wie es ihn in Berlin gibt. Wir haben einfach nicht genug Platz für so eine Mega-Veranstaltung. Ich bin sehr froh, dass Frau Roth meinem Rat gefolgt ist.

Wobei zum Museumsuferfest an drei Tagen mehr als eine Million Menschen kommen. Da wird es abends schon sehr voll am Ufer.

Ja, es ist voll. Aber es muss niemand Angst haben. Es gibt breite Fluchtwege und große Flächen, auf die die Menschen im Notfall ausweichen können.

Nennen Sie bitte einen Höhepunkt und einen Tiefpunkt Ihrer Arbeit.

Höhepunkt war sicher, wie wir erstmals das Museumsuferfest organisiert haben. Wir haben das von einem privaten Veranstalter übernommen und mussten es innerhalb weniger Wochen auf die Beine stellen. Und es hat richtig gut geklappt.

Und der Tiefpunkt?

Es gab keinen wirklichen Tiefpunkt, aber immer mal wieder Pannen. Einmal hatten wir eine tolle Show zur Eröffnung des Museumsuferfestes geplant. Bürgermeister Achim Vandreike sollte auf einem Boot stehen und an einem Seil ziehen. Dann sollten viele Luftballons aufsteigen und ein Feuerwerk losgehen. Naja, das Seil verfing sich in der Schiffsschraube, und es passierte gar nichts.

Bedauern Sie es, dass Sie die Fußball-EM 2024 nicht mehr im Dienst erleben? Die Stadt plant ja ein großes Rahmenprogramm.

Nein, das bedauere ich nicht. Die Fan-Feste werden bestimmt schön. Aber bei der Planung muss man so viele Vorgaben der Uefa beachten. Das ist kein Spaß.

Interview: Georg Leppert

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