Kulinarisches

Goethe-Uni Frankfurt: Ein Mensa-Mitarbeiter erzählt

Der Mensa-Mitarbeiter Gustavo Gonzalez möchte gerne allen seinen Gästen den Tag verschönern. Geboren und aufgewachsen ist Gonzalez in Mar del Plata, einer Stadt   im Südosten der Provinz Buenos Aires.

Es ist Mittwoch, 12 Uhr, hungrige Studenten machen sich auf den Weg in die Mensen am Campus Westend der Goethe-Uni. Im Inneren des Casinoanbaus füllt es sich. An den Theken bilden sich Schlangen. Am Grill steht Gustavo Gonzalez mit Schürze und Kochmütze, bereit, das Essen auszugeben. Gedränge und Hektik bringen ihn nicht aus der Ruhe. Gonzalez ist Mitarbeiter des Studentenwerks in Frankfurt. Der 46-Jährige Argentinier ist mit ganzem Einsatz Küchenhilfe.

Für ihn ist die richtige Einstellung entscheidend. „Jeder Gast, der zu mir kommt, wird herzlich begrüßt, jedem schenke ich ein Lächeln“, auch wenn jemand schlechtgelaunt zu ihm an die Theke komme. „Vielleicht hat er einen schlechten Tag gehabt oder macht eine schwere Zeit durch, das weiß man ja nie.“ Eine angenehme, wenn auch kurze Begegnung am Tag könne viel ausmachen, findet Gonzalez. „Vielleicht kann ich jemanden aufmuntern oder ihm eine kleine Freude bereiten.“ Die Speisen „einfach nur hinstellen und dann tschüss“, das komme für ihn nicht infrage. „Für mich ist es so: Ich lache lieber.“

Geboren und aufgewachsen ist Gonzalez in Mar del Plata, einer Stadt direkt am Meer, im Südosten der Provinz Buenos Aires. „Ein sehr touristischer Ort“, sagt er. In Argentinien hat Gonzalez eine betriebswirtschaftliche Ausbildung gemacht und später in Buenos Aires als Buchhalter gearbeitet. Aber der Wunsch nach Abenteuer und die Lust, Neues zu entdecken, bewegten ihn 2001, sich als 28-Jähriger auf den Weg nach Europa zu machen: „Ich wollte reisen, einen neuen Kontinent kennenlernen, andere Länder, andere Menschen, neue Kulturen.“ Seiner Familie sei der Abschied schwergefallen, erzählt Gonzalez. Einerseits seien die Angehörigen traurig gewesen, „aber sie haben sich natürlich auch für mich gefreut, dass ich meinen Weg gehe“.

Fast täglich stünden sie in Kontakt. „Wir schreiben viel, schicken uns Bilder.“ Er informiert sich auch über das aktuelle Geschehen in der Heimat. „Ich will immer wissen, was los ist“, sagt Gonzalez, der mit Frau und zwei kleinen Töchtern in Frankfurt lebt. Vor elf Jahren ist er hier angekommen, nachdem er zunächst in Barcelona und auf Mallorca gelandet war. „Eine sehr schöne Insel“, schwärmt er. Und seine Frau hat er dort kennengelernt.

Für das Studentenwerk arbeitet der Argentinier seit rund drei Jahren. Mal in der Mensa-Casino, mal im Casinoanbau oder draußen im Sommergarten. Jede Arbeit will er gut- und richtigmachen. „Da bin ich schon auch ein bisschen perfektionistisch“, sagt er und lacht. Das Schönste sei der Kontakt zu den Gästen, den Studierenden: „Auf dem Campus kommen viele interessante Menschen zusammen, aus verschiedenen Ländern, mit unterschiedlichen Geschichten.“ Daraus ergäben sich spannende Begegnungen und tolle Gespräche.

Seine fröhliche Art und seine optimistische Einstellung behält Gustavo Gonzalez in allen Lebenslagen. Und wenn das Leben es mal nicht so gut mit einem meint? „Probleme kommen und gehen, das gehört einfach dazu.“ Und wenn sie da sind, „muss man sie einfach anpacken, eine Lösung finden, weitermachen“. Einen Abend pro Woche besucht er einen Deutschkurs. Manchmal fehlten ihm nämlich die Worte, wenn er Freunden Geschichten erzählt.

Seine freie Zeit verbringt er am liebsten mit seiner Frau und den Töchtern. Familie sei für ihn das Wichtigste. Und im Sommer fahren sie gerne an die Nordsee. Dort gefällt es ihnen, „das Meer, die Luft“.

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