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Die Fotoschau von Griesheimern in der S-Bahnstation ist viel beachtet.

Frankfurt-Griesheim

"Ich bin Griesheim"

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Die Menschen im Frankfurter Stadtteil Griesheim gehen gegen das schlechte Image ihres Quartiers vor. In einer Fotoschau am S-Bahnhof zeigen sie, wie vielfältig ihr Viertel ist.

Schmutz, Gestank, dunkle Ecken – normalerweise sind Bahnunterführungen keine Plätze, die zum Verweilen einladen. Am S-Bahnhof in Griesheim soll sich das ändern – zumindest vorübergehend. Bis Dienstag hängen an den gekachelten Wänden des Fußgängertunnels Portraits von Menschen, die im Stadtteil leben und arbeiten. Die Organisatoren vom Quartiersmanagement und der Werkstatt Waldschulstraße wollen mit dem Projekt Kunst in den öffentlichen Raum bringen und einen Ort der Begegnung schaffen.

Für Maximilian Förtner ist die S-Bahn-Unterführung in Griesheim ein echter „Nicht-Ort“. Ein Ort also, der keine Aufenthaltsqualität hat. „Menschen wollen hier keine Zeit verbringen“, erklärt der Quartiersmanager. Es gebe viele solcher Nicht-Orte in dem Stadtteil. Die Kunstaktion soll zur Verschönerung beitragen.

Unter dem Motto „Mein Griesheim“ fand vergangenes Jahr am selben Ort die erste Ausstellung dieser Art statt. Damals konnten Griesheimer ihre eigenen Fotografien von ihrem Stadtteil einreichen. Dieses Mal stehen die Menschen selbst im Fokus.

„Wir wollen einen repräsentativen Ausschnitt der Griesheimer zeigen“, erklärt Rebekka Schraml, Leiterin und Fotografin des Projekts. Alle Altersgruppen und Menschen unterschiedlicher Kulturen sind vertreten. Wichtig sei ihr gewesen, den Charakter jedes Einzelnen einzufangen. Dafür hat sie alle Modelle vorab in einem Gespräch kennengelernt. Es gehe nicht darum, perfekte Hochglanzbilder zu zeigen, sondern die Griesheimer – so wie sie sind.

Tatsächlich wirken die Fotos individuell, obwohl das Format stets das gleiche ist. Manche Portraits blicken den Betrachter eher skeptisch an, andere mit einem breiten Grinsen. Ergänzt werden die rund 40 Aufnahmen von einem Spruch, den die Portraitierten frei wählen durften. Mal geht es um das Leben in Griesheim, mal um die Einstellung zum Leben allgemein. „Griesheim ist mit dem Rad am Schönsten“, sagt etwa der 52-jährige Hanke. „Carpe Noctem“ – Nutze die Nacht – steht unter dem Foto des 29-jährigen Niklas, der den Betrachter kritisch-prüfend ansieht.

Gundela Regenbogen läuft durch die Unterführung und bleibt vor den Bildern stehen. Die Wahlfrankfurterin ist überrascht von der Offenheit der Projektteilnehmer. „Ich habe in meinem Leben die Erfahrung gemacht, dass Menschen oft verschlossen sind. Es ist ganz toll, dass so viele Griesheimer da mitgemacht haben.“ Sascha Mahl, der in der Ausstellung zu sehen ist, möchte dazu beizutragen, dass sich Menschen in seinem Stadtteil wohlfühlen. Der nebenberufliche Tourguide weiß, dass Griesheim keinen guten Ruf genießt. „Viele denken an Kriminalität und finden es hässlich“. Dem entgegenzuwirken habe ihn motiviert, bei der Aktion mitzumachen.

Die Portraits hängen bis zum 23. Oktober in der S-Bahn-Unterführung. Danach bis zum 16. November an der Fassade des S-Bahnhofsgebäudes. Im Februar sind sie in der Stadtteilbibliothek Griesheim zu sehen.

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