Der Maler und Künstler Thomas Bayrle.
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Der Maler und Künstler Thomas Bayrle.

Kultur

„Ich bin gegen Bilderverbote“

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Der Künstler Thomas Bayrle zur Rassismus-Debatte um das Gemälde „Ziegelneger“ im Frankfurter Städel.

Thomas Bayrle (82) ist Maler, Grafiker, Objekt- und Videokünstler und zählt zu den renommiertesten deutschen Gegenwartskünstlern. Der langjährige Professor der Städelschule in Frankfurt stellt weltweit aus, seine Werke sind in vielen internationalen Museen vertreten. Er ist auch Drucker und verlegt Künstlerbücher. Er lebt und arbeitet seit langem in Frankfurt, ist Träger der Goetheplakette der Stadt und des Arnold Bode-Preises. 

Herr Bayrle, das 1981 entstandene Gemälde „Ziegelneger“ des Malers Georg Herold, das im Frankfurter Städel-Museum hängt, sieht sich dem Vorwurf des Rassismus ausgesetzt. Sie kennen Georg Herold und die Künstlergruppe der „Jungen Wilden“, der er Anfang der 80er Jahre angehörte. Ist dieser Vorwurf berechtigt?
Nein, natürlich nicht. Ich sage: Das Ding ist fröhlich und frisch und hat Humor. Der Vorwurf ist ein bisschen gequält. Wenn man dem folgt, bringt das in der Kunst Bewegungslosigkeit.

Aber das Bild zeigt einen schwarzen Menschen, der aus einem Mob heraus mit einem Ziegel beworfen wird.
Die „Jungen Wilden“ wollten damals eine ganz klare Öffnung in Richtung freie und unbekümmerte Malerei. Die haben sich nicht um Moral geschert, um irgendwelche Moralraster. Der Spaß stand im Vordergrund, manchmal auch ohne Rücksicht auf Verluste. Diese Malerei hatte ihre Vorbilder in den 20er Jahren, man wollte Raum für Humor und Spaß. Und natürlich ging es um Provokation.

Können Sie verstehen, dass sich schwarze Menschen durch dieses Gemälde sehr verletzt fühlen?
Ich kenne viele Schwarze, gerade auch schwarze Amerikaner. Sie sind oft offen für noch viel härteren Humor, das ist eine Antwort auf die schlimmen Erfahrungen, die sie gemacht haben und immer noch machen. Natürlich erfahren schwarze Menschen viel echten Schmerz und brutale Gewalt durch die Weißen.

Es gibt die Forderung, das Städel-Museum solle das Gemälde aus der Sammlung der Moderne verbannen und abhängen.
Ich bin gegen Bilderverbote. Bilderverbote sind immer von Angst geprägt und nicht positiv. Es gab sie in Diktaturen wie dem Nationalsozialismus oder dem Stalinismus. Ich muss allerdings feststellen, dass sich die Fronten der öffentlichen Diskussion gegenwärtig sehr verhärten. Es gibt natürlich regelrecht faschistoide Beleidigungen gegenüber schwarzen Menschen. Dagegen muss man kämpfen.

Sie würden die „Jungen Wilden“ von damals verteidigen?
Ja, ich würde sie immer verteidigen. Sie wollten die totale Befreiung. Sie wollten, dass die fest gemauerten Grenzen des Etablierten in der Kunst fallen.

Das Team des Städel-Museums hat sich geweigert, das Bild „Ziegelneger“ abzuhängen. Wie beurteilen Sie diese Reaktion?
Ich finde das toll, dass das Städel-Museum eine Auseinandersetzung riskiert um die Kunst. Die haben sich auf ein Terrain begeben, wo sie nicht sicher sind. Sehr gut. Sie bieten auch eine Diskussion an; die haben das gut gemacht.

Interview: Claus-Jürgen Göpfert

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