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Stephan Heldmann geht in den Ruhestand.

Stadtnatur

Stephan Heldmann: „Ich brenne für diese Stadt“

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Grünflächenamtsleiter Stephan Heldmann tritt in den Ruhestand. Sein Job zählte in Zeiten der Klimakrise zu den schwierigsten in der Stadt.

Ein Lieblingsort in Frankfurt? Stephan Heldmann muss keine Sekunde überlegen: „Das Mainufer“, sagt er, und konkret: „Ruhrorter Werft mit dem Ausblick auf die Skyline.“ Da treffen sich zwei seiner Interessen, das Faible für die Industriekultur und die Zuständigkeit für so ziemlich alles, was grün ist in der Stadt. Letzteres wird bald enden: Heldmann, der Leiter des Grünflächenamts, geht in den Ruhestand.

Den hat er sich verdient. Kaum etwas war in den vergangenen drei Jahrzehnten so großen Veränderungen unterworfen wie die Grundlagen der Stadtnatur, und zwar durch den Eingriff des Menschen, positiv wie negativ. Auf der Gewinnseite dabei ganz oben zu verbuchen: die Mainufer, für die Menschen geöffnet. Und auf der Verlustseite: das Vertrauen, dass alles wächst; die Sicherheit, dass wir auch in weiteren drei Jahrzehnten überhaupt noch Bäume haben. Klimakrise.

Die dürregeplagte, geradezu unter Schock stehende Stadtnatur zu managen: eine Herkulesaufgabe, die auch angreifbar macht. Als Heldmann etwa jüngst darauf hinwies, dass seine Mitarbeiter die jungen Bäume wässerten, obwohl es gerade ergiebig regnete, erntete er heftige Kritik. Nicht etwa von erbitterten Wald- oder Wiesengegnern, falls es solche überhaupt gibt. Nein, unter anderen die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und die Naturfreunde rügten das Grünflächenamt dafür, dass es Stadtbäume mit Trinkwasser bewässert.

Heldmann ficht das nicht an. „Wir haben in diesem Jahr mehr als 3000 Bäume fällen müssen, die vertrocknet oder aufgrund des Hitzestresses von Krankheiten befallen waren“, begründete er die Entscheidung: „Das ist ein immenser Schaden und aus ökologischer Sicht katastrophal.“ Es gelte, alles daranzusetzen, dass sich dieses Drama nicht wiederhole.

ZUR PERSON

Stephan Heldmann, 63, leitet seit 2004 das Frankfurter Grünflächenamt. 1988 hatte er dort angefangen, damals als Leiter der Abteilung für den Neubau von Sportplätzen, Kindergarten- und Schulaußenanlagen. Zum Jahresende scheidet er aus dem Amt. Sein Nachfolgerin steht schon fest: Die bisherige Stellvertreterin Heike Appel (56) übernimmt die Behördenleitung. ill

Aus seinem Büro im 2015 eröffneten Neubau des Grünflächen- und des Straßenbauamts schaut der 63-Jährige auf die Gleisausläufer des Hauptbahnhofs und, über die umliegenden Dächer, auf den alten Schriftzug der Adlerwerke. Das äußerst repräsentative Amtsgebäude erregte seinerzeit großes Aufsehen vor allem wegen seiner immensen Baukosten von mehr als 75 Millionen Euro. Es erhielt aber auch die höchste Auszeichnung für Nachhaltigkeit auf der Immobilienmesse Expo Real. Heldmann verteidigte damals den Bau wie auch die räumliche Zusammenlegung mit der Forstabteilung, von der viele sagten: Die Förster gehörten in den Wald.

Stichwort Zusammenlegung. Als Heldmann 1988 in Frankfurt anfing, nach einer Landschaftsgärtnerlehre, nach dem Studium der Landschaftsarchitektur in Geisenheim, nach der Tätigkeit als Bauleiter bei einem Hofheimer Landschaftsbaubetrieb – „ein harter Job, der mich geprägt hat“ – nach reichlich Erfahrung also, gab es hier das „Gaddeamt“. Oder mit ganzem Namen: Garten- und Friedhofsamt. Heldmann, erst Abteilungs-, später stellvertretender Amtsleiter, seit 2004 an der Behördenspitze, machte sich schließlich für die Bezeichnung Grünflächenamt stark, die alles einschließt, auch den Wald.

Als Hauptwerk seiner Ära nennt er, ganz klar, den Ausbau der Mainufer. Kurz vor der Jahrtausendwende vom damaligen Stadtrat Tom Koenigs angestoßen, brachte das Projekt eine Verdoppelung der nutzbaren Uferrandstrecke auf knapp sieben Kilometer, später auf Betreiben der Oberbürgermeisterin Petra Roth zur Fußball-WM 2006 noch um die Höchster Flächen erweitert. „Die Ufer waren zuvor desolat“, blickt Heldmann mit Schaudern zurück auf Großparkplätze und Betreten-verboten-Schilder. „Teilweise waren das Angsträume.“ Die Öffnung hingegen: „Ein großer Wurf. Wir haben angepackt, was 20 Jahre lang nicht machbar schien.“ Als weiteren Meilenstein betrachtet er das vor sechs Jahren auf den Weg gebrachte Konzept „Friedhof 2020“, das auf die veränderte Bestattungskultur reagierte: 80 statt zuvor 20 Prozent Urnengräber und ein anhaltender Trend zu Friedwäldern. Und dann war da natürlich die Sanierung praktisch aller Frankfurter Parks.

Die Naherholung sei ein Schlüssel für das Funktionieren des sozialen Gefüges, sagt der Bald-Ruheständler. Es ist ihm ein Anliegen: „Ich brenne für diese Stadt.“ Obwohl er über all die Jahre nicht nach Frankfurt zog, sondern in Darmstadt blieb. Man müsse nicht hier wohnen, um Frankfurter zu sein, antwortete er auch, als sich OB Roth einmal skeptisch über einen Frankfurter Amtsleiter mit Darmstädter Wohnsitz äußerte: „Ich bin so oft in Frankfurt, dass ich schon Frankfurter bin.“

Um 5 Uhr aufstehen, um 5.30 Uhr joggen, und das fünf Mal die Woche: Das war stets der Heldmann’sche Morgen. In Zukunft wird er Zeit für die Industriekultur haben, etwa beim Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein, und schwimmen möchte er. Und wandern. Was auffällt: Das Wort Garten kommt nicht vor in der Aufzählung der Pläne. „Meine Frau ist Landschaftsarchitektin“, sagt er und lächelt. „Sie können sicher sein, dass bei uns viele Gärten vorkommen, auch im Urlaub, und zwar international.“ Das würde dann auch erklären, dass außer einem Kübel mit rotblühenden Blumen keine Pflanze wächst – im Büro des Grünflächenamtschefs.

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