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Protest zu Fuß: Tausende Teilnehmer ziehen durch die Frankfurter Innenstadt.

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Protest gegen IAA: „Die gemütlichen Zeiten sind vorbei“

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Tausende demonstrieren am ersten Publikumstag der IAA für die Verkehrswende und kündigen weiteren Widerstand an.

Die Abschlusskundgebung in der Ludwig-Erhard-Anlage, nah dem Haupteingang des Messegeländes, hat begonnen, Kerstin Haarmann vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) ruft die Demonstranten gerade auf, die Straßen gemeinsam für Radfahrer und Fußgänger zurückzuerobern – da rollt eine riesige Gruppe von Radfahrern heran. Sie wird von den Tausenden, die bereits vor die IAA gezogen sind, um für eine Verkehrswende zu kämpfen, mit riesigem Beifall bedacht.

18 000 Radfahrer haben sich nach Angaben der Veranstalter – einem Bündnis von ADFC, BUND, Campact, VCD, Deutscher Umwelthilfe, Greenpeace und Naturfreunden – auf den Weg gemacht. Teils mittags, teils früh morgens, teils sogar mitten in der Nacht, wie die Teilnehmer aus Stuttgart, sind sie zu Sternfahrten aufgebrochen, die zum Teil gar über dafür gesperrte Autobahnabschnitte zur Messe führten. Nun hören sie und die nach Angaben der Veranstalter 7000 Menschen, die in einem Demonstrationszug von der Hauptwache aus herübergezogen sind, am Samstagnachmittag, wie Ernst-Christoph Stolper vom BUND den Autobauern und ihrem Verband rät, Schluss zu machen mit dem „Zirkus IAA“, und weiteren Widerstand ankündigt. „Ihr werdet uns nicht mehr los! Die gemütlichen Zeiten sind vorbei“, ruft er.

ÖPNV statt Autoverkehr

Für Christoph Bautz von Campact beweist der Protest, dass eine Verkehrswendebewegung entstanden ist. „Wir lassen nicht mehr locker“, kündigt er an. „Die Zukunft gehört Fahrrad, Bus und Bahn.“ Eine radikale Verkehrswende werde es nur gegen die Autoindustrie geben, sagt Klara Beck von Attac. Auch Elektroautos seien keine Lösung. Die Rednerin fordert stattdessen einen kostenlosen, gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr und viel Platz für Fußgänger und Radfahrer. Das IAA-Motto solle „Dying tomorrow“ statt „Driving tomorrow“ heißen, findet Natalie von „Fridays for Future“. Die Konsumfreiheit höre auf, wo sie ohne Not die Rechte anderer verletze.

Lesen Sie auch den Newsticker rund um die Demonstrationen zur IAA

Schon auf dem Demonstrationszug waren es insbesondere Aktivisten von „Fridays for Future“ gewesen, die klarmachten, dass es eine echte Verkehrs- und Klimawende nur mit einer ganz anderen Politik geben werde. „Burn capitalism not coal!“ war auf einem Transparent der Frankfurter Gruppe zu lesen. Andere Demonstrierende brachten in Sprechchören und auf Bannern etwa ihre Wut über die SUVs, panzerähnliche Geländewagen, zum Ausdruck, von denen immer mehr durch die Städte fahren.

Neue Radwege in Frankfurt

Dass es sich sehr lohnen kann, für die Verkehrswende zu kämpfen, hatte bei der Auftaktkundgebung an der Hauptwache Heiko Nickel klargemacht, der sich mit vielen anderen für den Radentscheid in Frankfurt einsetzte. Erst habe die Politik sie belächelt, berichtete er den dort schon Tausenden Zuhören. Nun aber habe die Stadt alle Forderungen übernommen, die fast 40 000 Frankfurter mit ihrer Unterschrift unterstützten. Und setze sie auch um.

Nickel berichtete aus Gesprächen mit der Stadt, dass an der zentralen Ost-West-Meile Hanauer Landstraße zwischen EZB und Ratswegkreisel ein neuer 2,30 Meter breiter Radweg entstehe, wo bisher Parkplätze sind. Auch auf der bisher stark befahrenen Straße Schöne Aussicht am nördlichen Mainufer werde es durch Umwidmung eines Fahrstreifens viel mehr Platz für Radfahrer geben.

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