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Teilnehmer einer Fridays-for-Future-Demonstration werben für nachhaltige Mobilität ...

IAA

Frankfurt: „IAA-Debatte nicht abwürgen“

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Vorwürfe gegen OB Peter Feldmann. Die politische Diskussion über die Automobilausstellung ist so intensiv wie nie

Schon jetzt steht fest: Eine solche Internationale Automobilausstellung hat es noch nicht gegeben. Die IAA ist politisch aufgeladen und umstritten wie nie zuvor. Wenn sich am heutigen Samstag Tausende von Radlern einer Protest-Sternfahrt zum Frankfurter Messegelände aufmachen, ist Ulli Nissen mit dabei. Die SPD-Bundestagabgeordnete muss immer wieder Fragen beantworten wie: Darf der Frankfurter Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der Messe eigentlich gegen den wichtigsten Messekunden stänkern, die IAA? Oder schadet er damit nicht der Stadt?

Die 60-jährige Frankfurterin redet sich in Rage. „Solche Vorwürfe sind absoluter Unfug“, sagt sie. OB Peter Feldmann habe lediglich aufgegriffen, was mit Händen greifbar sei. „Die IAA hat Probleme – und die Automobilindustrie hat sie auch.“ Es seien immer weniger Hersteller gekommen, es gebe immer weniger Stände.“ Die IAA habe den gesellschaftlichen und ökologischen Wandel ebenso verpennt wie viele deutsche Autohersteller. Moderne umweltfreundliche Technik sei nicht rechtzeitig auf den Markt gekommen.

Feldmann hat, nachdem er bei der IAA-Eröffnung nicht sprechen konnte, konsequent die Messe überhaupt nicht betreten. Am Freitagnachmittag flog er auf Dienstreise in die kanadische Partnerstadt Toronto ab – die IAA, die vielleicht die letzte in Frankfurt nach 58 Jahren Tradition, wird er nicht mehr besuchen.

Der SPD-Unterbezirksvorsitzende Mike Josef legt ein demonstratives Bekenntnis zur Internationalen Automobilausstellung ab: „Die IAA gehört zu Frankfurt.“ Sie müsse sich allerdings für „die Mobilität der Zukunft öffnen“. Josef wirft die Frage auf, warum der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) nicht die Größe besessen habe, „eine Rede von fünf bis sieben Minuten Länge“ des Oberbürgermeisters zuzulassen. „Wir müssen über unsere demokratische Debattenkultur sprechen“, sagt Josef. Man dürfe die Debatte über die IAA „nicht abwürgen“.

Von den Linken erfährt der OB demonstrative Unterstützung für seine kritische Haltung. „Von gestern und noch dazu feige“ nennt Janine Wissler, die Fraktionsvorsitzende im Landtag, das Verhalten des VDA, der den OB nicht auf die Rednerliste genommen hatte. Die Linken wollen bei der Sternfahrt zur IAA am heutigen Samstag mit einem eigenen Block dabei sein.

Vom Koalitionspartner CDU im Römer setzt es dagegen heftige Kritik. „Ich würde mir ein ernsthaftes Engagement des Oberbürgermeisters wünschen, um die IAA in Frankfurt zu halten“, sagt Nils Kößler, der Fraktionschef der CDU im Römer. Feldmann führe dagegen ein unwürdiges Schauspiel auf und veröffentliche eine ungehaltene Rede: „Das ist mit der Rolle eines Oberbürgermeisters nicht in Einklang zu bringen.“ Ende des Jahres will der VDA darüber entscheiden, in welcher deutschen Großstadt die IAA künftig organisiert wird – Frankfurt ist neben Berlin, Hannover und Köln nur noch ein Bewerber. „Sollte das Verhalten des OB dazu beigetragen haben, dass Frankfurt die IAA verliert, dann wäre das traurig“, urteilt Kößler.

Den Politikern ist wohl bewusst, dass ihnen nur noch wenige Wochen bleiben, um dem VDA ein Angebot zu machen, das er nicht ablehnen kann. „Die IAA steht am Scheideweg, sie braucht ein neues Konzept“, sagt der CDU-Fraktionschef. Als „Messe für Nachhaltigkeit“ besitze die Autoschau aber eine Überlebensberechtigung. Sozialdemokrat Josef ist überzeugt, dass es gelingen kann, die IAA in Frankfurt zu halten. „Für unsere Stadt spricht schon die geografische Lage im Herzen der Republik.“ Demonstrationen werde es auch in Berlin und Köln geben.

Samstag auf der IAA und drumherum

Diese Räder stehen am Samstag still:

  • Tramlinie 16: fährt nur zwischen Ginnheim und Westbahnhof bzw. Offenbach und Hauptbahnhof
  • Tramlinie 17: fährt nur zwischen Neu-Isenburg und Hauptbahnhof
  • Tramlinien 11, 14, 21: umfahren den Platz der Republik über die Niddastraße
  • Ebbelwei-Express: trockengelegt
  • Buslinie 32: fährt nur zwischen Ostbahnhof und Miquel-/Adickesallee
  • Buslinie 36: fährt nur zwischen Hainer Weg und Eschenheimer Tor (10 bis 18 Uhr)
  • Buslinie 46: fährt gar nicht (8 bis 19 Uhr)
  • Buslinie 75: Totalausfall
  • Buslinie 50: endet am Westbahnhof (7-20 Uhr)
  • Buslinie 64: endet an der Miquel-/Adickesallee (7 bis 20 Uhr)

Die Emser Brücke über das Messegelände bleibt den ganzen Tag für den Verkehr gesperrt. Ebenso die Senckenberganlage, die Friedrich-Ebert-Anlage und die Theodor-Heuss-Allee (ab 6 Uhr morgens). Die Polizei empfiehlt allen Besuchern dennoch, mit öffentlichen Verkehrsmittel anzureisen. Wer das Auto nimmt, werde schon sehen, was er davon hat, sollte aber dennoch versuchen, den Beschilderungen zu folgen. Über die aktuelle Verkehrssituation informiert die Polizei auf ihrem Twitter-Kanal @Polizei_Ffm.

Outdoor-Aktivitäten:

Um 11.30 Uhr beginnt für alle, die per pedes demonstrieren wollen, an der Hauptwache der Demonstrationszug Richtung Messegelände. So richtig los geht es erst gegen 12 Uhr. Bereits zuvor haben sich radelnde Demonstranten aus dem Umland in einer Sternfahrt zur IAA aufgemacht.

Um 13.30 Uhr besteht beim „Kidical Ride“ am Nibelungenplatz oder in der Ostparkstraße für Kinder, Familien und Faule Gelegenheit, in die Sternfahrt einzusteigen und die letzten knapp sechs Kilometer mitzuradeln.

Gegen 14.30 Uhr dürften die Demonstranten am Messegelände angekommen sein, es werden bis zu 20 000 erwartet.

Indoor-Aktivitäten:

Eintrittskarten: Wer im Internet bestellt (www.iaa.de), spart Wartezeit an den Kassen und bekommt die Tickets zwei Euro günstiger. Wochenend-, Tages- und Nachmittagskarten kosten so 15, 13 bzw. neun Euro. Die Karten gelten nicht als ÖPNV-Tickets.

Öffnungszeiten: Die IAA ist an den Publikumstagen von 9 bis 19 Uhr geöffnet.

Für Kinder: Ein Führerschein der Legoland-Fahrschule kann auf der Freifläche vor Halle 8 erworben werden (Achtung: außerhalb Legolands ungültig!). Auf dem Außengelände zwischen den Hallen 11 und 9 können Kinder ab 11 Jahren in einem 400-PS-Jaguar das Posen üben - mit „Instruktor“ auf dem Beifahrersitz.

Für Kindsköpfe: Die Oldtimerausstellung in Halle 4 beweist eindrucksvoll, dass selbst die IAA anachronistisch wirken kann, wenn sie nur will. (fr)

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