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VDA-Präsident Bernhard Mattes und der Tübinger OB Boris Palmer beim Bürgerdialog in Frankfurt.

Frankfurt

IAA in Frankfurt: Autos sollen nachhaltig werden

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Aber erst in zehn Jahren: Die Autobranche reflektiert beim Bürgerdialog über ihre Transformation.

Am heutigen Samstag fahren rund 20 000 Radfahrer nach Frankfurt, um bei der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) zu demonstrieren, was in der Mobilität nicht richtig läuft. Zur Selbstreflexion hatten sich Vertreter der Automobilindustrie schon am Freitagnachmittag im Kap Europa nahe der Messe versammelt, mit 200 Teilnehmern bei einem Bürgerdialog. Im Schatten des großen Protests heute präsentierte die Autobranche ihre Ideen einer zukünftigen Mobilität

Die solle „individuell“, aber auch „nachhaltig“ sein, sagte VDA-Präsident Bernhard Mattes. Das eigene Auto stellte er nicht infrage; es soll aber ökologisch korrekt daherkommen. Fünf bis zehn Jahre werde das dauern, führte Ola Källenius, Vorstandschef von Daimler aus. „Der rote Faden ist der Weg zum emissionsfreien Fahren.“ Am weitesten sei Daimler bei der Elektromobilität. Das Unternehmen plane auch Brennstoffzellen und synthetische Kraftstoffe mit ein. Vernetztes Fahren, autonomes Fahren, Mobilitätsdienstleistungen seien weitere Themen. Nicht nur technisch transformiere sich die Autobranche. Auch das Nutzerverhalten ändere sich.

Die Beschäftigen müssten bei diesem Wandel mitgenommen werden, sagte Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter der Gewerkschaft IG Metall in Baden-Württemberg. Allen sei klar, dass bei der Produktion von Elektrofahrzeugen weniger Arbeitskräfte gebraucht würden als für die Herstellung von Verbrennern. An denen will die Branche noch eine Weile festhalten.

Das Problem mit hohen Stickstoffdioxidausstößen bei Dieselmotoren sei technisch gelöst, sagte Volkmar Denner, Chef der Robert Bosch GmbH: „Wir dürfen uns nicht ausruhen.“ China sei beim vernetzten und elektrischen Fahren weiter, die Vereinigten Staaten beim autonomen Fahren weiter als Deutschland.

Beim Bürgerdialog konnten die Teilnehmer auch Fragen stellen. Wie sich das Vertrauen zurückgewinnen lasse, das seit dem Dieselskandal verloren gegangen sei, wollte eine Bürgerin wissen. Indem die Branche sich an die Gesetze halte, sagte Mattes. Der Skandal habe das Image tief erschüttert.

Schwung brachte der Tübingen Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) in die Runde. „Die Autos, die Sie bauen, sind zu breit und schwer“, sagte er. Biosprit herzustellen sei wegen Monokulturen und Pestiziden ein Fehler. Dies trage zum Insektensterben bei. „Bauen Sie Autos mit weniger Leistung, weniger Gewicht.“

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